Die Eröffnung des SOS-Kinderdorfes Quthing im kleinen Königreich Lesotho ist im Dezember mit einem ausgelassenen Fest in Anwesenheit von König Letsie III gefeiert worden. Musik, Tanz und freies Essen für die ganze Nachbarschaft stellten für einen Tag die bittere Realität in den Hintergrund: In dem mausarmen Land ist jeder vierte der zwei Millionen Einwohner HIV-infiziert. Entsprechend hoch ist die Zahl der Aidswaisen, von denen einige in den zwei SOS-Kinderdörfern die Chance auf eine lebenswerte Zukunft erhalten.
Im Namen der Menschlichkeit
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| Ntate Leutloa Motete, regionaler Direktor für das südliche Afrika. |
Ntate Leutloa Moteetee, der SOS-Verantwortliche für die Region südliches Afrika, machte kein Geheimnis aus seinen Gefühlen, als er bei der Eröffnungsfeier für das neue SOS-Kinderdorf Quthing ans Rednerpult trat: „Es berührt mich zutiefst, wenn ich sehe, wie viel im Namen der Menschlichkeit erreicht werden kann“, sagte er zu den Anwesenden. Er betonte, wie wichtig es sei, dass sich das SOS-Kinderdorf und die umliegende Gemeinde gegenseitig stützten und einander helfen.
Gegenseitige Hilfe und Unterstützung braucht es tatsächlich in dem kleinen Königreich Lesotho, das völlig von Südafrika umschlossen ist. Das Land ist bitter arm: 49 Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und 45 Prozent der knapp zwei Millionen Menschen sind arbeitslos. Jede vierte Person ist HIV-infiziert, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt gerade einmal 40 Jahre und die Schar der Aidswaisen ist riesig.
Farbenfrohe Eröffnung
Bei der Eröffnung des SOS-Kinderdorfes Quthing vergassen die fünfhundert Anwesenden für einen Tag diese dramatischen Fakten. Die Kinder sangen und tanzten enthusiastisch mit, als zwei junge Rapper auftraten, alle sangen aus vollen Herzen Gospels und die riesige Rasenfläche vor dem Festzelt füllte sich im Nu mit Frauen, die Regenschirme gegen die glühende Sonne aufgespannt hatten und ihre Körper zu den rhythmischen Klängen schwangen und schüttelten, während sie laute Triller ausstiessen. Lange, geduldige Menschenschlangen bildeten sich, als die SOS-Kinderdorfmütter Gratis-Mahlzeiten für die ganze Nachbarschaft ausgaben, und die Kinder nahmen den Spielplatz mit Begeisterung in Beschlag.
Mit der Eröffnung eines zweiten SOS-Kinderdorfes in Lesotho trägt SOS-Kinderdorf dazu bei, mehrheitlich Aidswaisen Zukunftsperspektiven zu geben. Das ausschliesslich durch Schweizer Spenden finanzierte SOS-Kinderdorf Quthing hat Platz für 120 Kinder in zwölf Häusern. Bei der Eröffnung lebten sechs SOS-Kinderdorfmütter mit 45 Kindern im Dorf; inzwischen sind weitere Kinder dazu gestossen.
Makhosi Mokuena, die Anfang November mit sechs Kindern eingezogen war, schloss ihre Ausbildung zur SOS-Kinderdorfmutter im Sommer ab. „Ich habe bereits vorher Waisen aufgezogen und mich immer um Kinder gekümmert“, sagte sie. „Waisenkinder berühren mein Herz, und ich tue alles, um ihnen zu helfen.“
Königlicher Dank an die Schweiz
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| König Letsie III. eröfnnete das neue SOS-Kinderdorf offiziell. |
König Letsie III., der Schirmherr von SOS-Kinderdorf in Lesotho, sagte bei seiner Rede, dass die SOS-Kinderdorf-Mütter stolz auf ihre Arbeit sein können: «Sie geben vernachlässigten Kindern ein Zuhause, stellen sicher, dass sie genug zu essen haben sowie Liebe und Geborgenheit erfahren dürfen.» Zudem bedankte sich der König im Namen der Kinder Lesothos für die Grosszügigkeit der Menschen aus der Schweiz, welche mit Spenden das neue Dorf überhaupt ermöglichten.
Die Herausforderungen, denen sich das neue SOS-Kinderdorf und die Mitarbeitenden vor Ort stellen müssen, sind gross. Es geht nicht nur darum, die teilweise schwer vernachlässigten Kinder körperlich gesunden zu lassen. Sie sollen im SOS-Kinderdorf auch seelisch heilen und den Verlust ihrer Eltern überwinden können.
SOS-Kinderdorf hilft seit 1988 in Lesotho
Seit 1988 engagiert sich SOS-Kinderdorf im Königreich Lesotho, welches wie eine Insel vom Meer, vollständig von Südafrika umgeben ist. Bereits besteht ein erstes Kinderdorf in der Hauptstadt Maseru. Anlässlich der offiziellen Eröffnung dieses Kinderdorfs übernahm König Letsie III die Schirmherrschaft von SOS-Kinderdorf Lesotho. Wie alle Länder im südlichen Afrika ist auch Lesotho stark von Aids betroffen. SOS-Kinderdorf hilft hier mit einem Unterstützungsprogramm für arme Grossfamilien und Familien, die von Kindern oder Grosseltern geführt werden. In Lesotho gibt es nun zwei SOS-Kinderdörfer, eine SOS-Jugendeinrichtung, einen SOS-Kindergarten, eine SOS-Schule, ein SOS-Sozialzentrum und ein SOS-medizinisches Zentrum.