SOS-ZOOM 3/2010 - Versteckte Armut in Mexiko 

Die September-Ausgabe unseres Spendermagazins blickt hinter die Kulissen der Feriendestination Mexiko. Als einer der grössten Staaten Lateinamerikas und dank seinen vielen natürlichen Ressourcen kommt Mexiko eine wirtschaftliche Schlüsselrolle in Nordamerika zu. In weiten Teilen des Landes bleibt die Armut jedoch ein gravierendes Problem, von dem Kinder besonders stark betroffen sind.

In den SOS-Kinderdörfern erfahren die meist vernachlässigten Kinder, was es heisst, unbeschwert aufzuwachsen.
In den SOS-Kinderdörfern erfahren die meist vernachlässigten Kinder, was es heisst, unbeschwert aufzuwachsen.
Dank dem grossen Ölvorkommen und seiner beachtlichen wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten fünfzehn Jahren gehört Mexiko längst nicht mehr zu den Entwicklungsländern, sondern zu den Ländern mit einem relativ hohen Durchschnittseinkommen. Doch diese Zahlen täuschen über die Realität vor Ort hinweg: Finanzielle Sicherheit bleibt für die Mehrheit der 112 Millionen Einwohner ein unerreichbarer Traum. Jeder zehnte Mexikaner lebt mit weniger als einem Dollar pro Tag.

Korruption, Drogenhandel und Gewaltverbrechen sind weit verbreitet und tragen dazu bei, dass die Kluft zwischen Arm und Reich grösser wird. Ländliche Gegenden werden oft vernachlässigt, weshalb viele auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen in städtische Gebiete abwandern. So entstanden die grossen Barackensiedlungen am Rand der Städte und der Grossstädte. Mexico-City zum Beispiel, die zweitgrösste Stadt der Welt, wächst wegen der Zuwanderung jährlich um eine Million Menschen.

Arbeitssuche in den USA

Die Barackensiedlungen stehen im Widerspruch zu den Touristenhochburgen wie Cancun.Die Barackensiedlungen stehen im Widerspruch zu den Touristenhochburgen wie Cancun.Viele Mexikanerinnen und Mexikaner überqueren zudem illegal die 3000 Kilometer lange Grenze zu den USA, weil sie hoffen, dort ein besseres Leben zu finden. In der südlich von Mexico-City gelegenen Stadt Tehuacán, in der sowohl ein SOS-Kinderdorf steht als auch Familienstärkungsprogramme durchgeführt werden, sind 80 Prozent der Frauen alleinerziehende Mütter. Männer im erwerbsfähigen Alter hat es kaum, da sie  auf der Suche nach Arbeit und Geld in die USA ausgewandert sind. Die mexikanische Wirtschaft ist stark von diesem Geld abhängig, das von den Millionen mexikanischen Schwarzarbeitern aus den USA nach Hause geschickt wird. Entsprechen stark wurde es von der Wirtschaftskrise betroffen, die in den USA ihren Anfang nahm.

Die Migration hat starke Auswirkungen auf die Familienstrukturen. «Viele der in den mexikanischen SOS-Kinderdörfern betreuten 800 Kinder haben Eltern, die auf der Suche nach Arbeit in andere Städte oder in die USA abgewandert sind», sagt Isabel Gonzalez, die Programmverantwortliche von SOS-Kinderdorf Mexiko. «Es handelt sich bei diesen Kindern also nicht die Waisenkinder im klassischen Sinn, sondern um Sozialwaisen, deren Eltern sie nicht betreuen können oder wollen.»

3,5 Millionen Kinder arbeiten

 

Um zum Familieneinkommen beizutragen, sind 3,5 Millionen Kinder zwischen 12 und 17 Jahren offiziell oder inoffiziell erwerbstätig. Neuste Schätzungen gehen davon aus, dass 24,7 Millionen Mexikaner unter 17 Jahren in Armut leben und laut einer Erhebung des Gesundheitsministeriums ist jedes fünfte Kind mangelernährt. In Mexiko-Stadt sind gemäss Hilfswerken 90 Prozent der Strassenkinder sexuell missbraucht worden, und auch in den grenznahen Gebieten wird von häufiger kommerzieller sexueller Ausbeutung und Missbrauch von Kindern berichtet.

Soziale Probleme bekämpfen


Um gegen diese Schattenseite des beliebten Ferienparadieses anzukämpfen, ist SOS-Kinderdorf seit Ende der Sechzigerjahre in Mexiko tätig. 1971 öffnete das erste SOS-Kinderdorf in Mexico-City seine Tore. Die Folgen des schweren Erdbebens von 1985 sowie die steigenden sozialen Probleme und der enorme Bevölkerungswachstum machten den Bau von weiteren Einrichtungen notwendig. Zurzeit gibt es in Mexiko acht SOS-Kinderdörfer, vier SOS-Jugendeinrichtungen, eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein SOS-Berufsbildungszentrum sowie sieben SOS-Sozialzentren. (kra)

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