 |
| SOS-ZOOM 4/2011 |
«Im Erwachsenenalter zeigt sich, wie wir aus unserer Kindheit entlassen wurden. Das Wie ist entscheidend und hilft uns im Leben oder hindert uns am Leben. Obwohl wir alle wissen, dass in der Kindheit die Weichen gestellt werden, werden Kinder ignoriert, manipuliert, missbraucht und allein gelassen», sagt Helmut Kutin, Präsident von SOS-Kinderdorf International. Deshalb arbeitet SOS-Kinderdorf seit über 60 Jahren für die Vision, dass jedes Kind in einer Familie aufwächst – geliebt, geachtet und behütet.
Diese Vision hat auch heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren. Zwanzig Jahre nach der Ratifikation der Uno-Kinderrechtskonvention hat sich die Situation der Kinder zwar in vielen Bereichen verbessert. Doch es gibt noch lange keinen Grund zum Aufatmen: In den Entwicklungsländern lebt mehr als ein Drittel der Kinder in Armut, 150 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten, 145 Millionen Kinder haben einen Elternteil oder beide Eltern verloren – 15 Millionen davon wegen des HI-Virus und Aids – und 18 Millionen Kinder sind auf der Flucht.
SOS-Kinderdorf ist in 133 Ländern tätig. Zurzeit gibt es 518 SOS-Kinderdörfer und 392 SOS-Jugendeinrichtungen. In den SOS-Kinderdorf-Familien leben Kinder, die nicht bei ihrer leiblichen Familie bleiben können. Der familienorientierte Ansatz von SOS-Kinderdorf basiert auf vier Prinzipien: Jedes Kind braucht eine Mutter und wächst am natürlichsten mit Geschwistern in einem eigenen Haus innerhalb eines Dorfes auf. So können die Kinder verlässliche, konstante Beziehungen aufbauen, bis sie schrittweise in ein unabhängiges Leben als junge Erwachsene übertreten.
Die Mutter
Die knapp 6000 SOS-Kinderdorf-Mütter bauen zu jedem ihnen anvertrauten Kind eine enge Beziehung auf und bieten ihm die Geborgenheit, Liebe und Stabilität, die jedes Kind braucht. Sie sind für ihren Beruf fachlich geschult, leben in einem von ihnen geführten Haushalt mit ihren Kindern und unterstützen sie in ihrer Entwicklung. Sie kennen und achten die familiäre Herkunft, die kulturellen Wurzeln und die Religion jedes Kindes.
Die Geschwister
Mädchen und Buben verschiedener Altersstufen leben als Geschwister zusammen, wobei leibliche Geschwister immer gemeinsam in einer SOS-Kinderdorf-Familie aufwachsen. Die Kinder und ihre Mutter entwickeln eine emotionale Bindung, die ein Leben lang hält.
Das Haus
Das Haus ist das Zentrum des Familienlebens – mit seiner unverwechselbaren Atmosphäre, seinem Rhythmus und seinen Gewohnheiten. Unter seinem Dach geniessen die Kinder ein echtes Gefühl der Geborgenheit und des Dazugehörens. Kinder wachsen gemeinsam auf, lernen miteinander und teilen sowohl Pflichten und Aufgaben als auch alle Freuden und Sorgen des Alltags.
Das Dorf
SOS-Kinderdorf-Familien bilden zusammen eine Dorfgemeinschaft, die ein unterstützendes Umfeld für eine glückliche Kindheit bietet. Die Familien tauschen Erfahrungen aus und helfen sich gegenseitig. Sie sind in die Nachbarschaft integriert und leisten ihren Beitrag zur lokalen Gemeinde.
Das SOS-Kinderdorf ist eine lebendige Gemeinschaft, in der viele mitwirken: die Dorfleitung, die SOS-Kinderdorf-Mütter und vereinzelt auch -Väter, die Mitarbeitenden, die täglich ins Dorf kommen, die pädagogischen Fachkräfte, die gezielt Unterstützung leisten. Immer ist jemand da, der ein offenes Ohr hat.
In den letzten Jahren wurden mit Schulen, Spitälern und Sozialzentren die SOS-Kinderdörfer zunehmend ergänzt. Dank den Familienstärkungsprogrammen werden viel mehr Kinder erreicht als zuvor. Der Kern der Arbeit von SOS-Kinderdorf – «Jedem Kind ein liebevolles Zuhause» – bleibt jedoch weiterhin bestehen.