25 Jahre danach: Leben im Schatten Tschernobyls 

19/04/2011 - 25 Jahre nach der Nuklear-Katastrophe in der Ukraine leiden die Menschen immer noch an den gesundheitlichen, mentalen und sozialen Folgen des Super-GAUs. SOS-Kinderdorf unterstützt die Opfer bis heute.

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Am 25 April 1986 um 1.23 Uhr Nachts explodierte im sowjetischen Kernkraftwerk in Tschernobyl in der heutigen Ukraine Reaktor Nummer vier, nachdem ein elektrischer Test furchtbar schief gegangen war. Radioaktives Material wurde freigesetzt und verstrahlte dabei eine Fläche von 80‘000 Quadratkilometern. Radioaktiver Regen viel sogar im Nordwesten Irlands. Dem Desaster, welches 100 Mal mehr Strahlung freisetzte als die Bomben von Nagasaki und Hiroshima im zweiten Weltkrieg, folgte die Umsiedlung von zehntausenden Menschen, viele davon konnten nie mehr zurück.

Kinder im SOS-Kinderdorf Borovjlany in der Nähe von Minsk, welches aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe gebaut wurde.
Kinder im SOS-Kinderdorf Borovjlany in der Nähe von Minsk, welches aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe gebaut wurde.
Die Katastrophe hatte einen enormen Einfluss auf das kleine Weissrussland mit seinen 10.4 Millionen Bewohnern. 70% des radioaktiven Niederschlags fiel auf das Land. 2.2 Millionen Menschen, darunter 500‘000 Kinder wurden davon betroffen. Viele Folgen zeigten sich erst Jahre später. Desshalb wurde 1996 das SOS-Kinderdorfs Borovjlany etwas ausserhalb der Hauptstadt Minsk gebaut.

Kampf gegen die Folgen der Katastrophe

Die Folgeschäden der Katastrophe halten weiter an. Laut dem Fachmagazin „Swiss Medical Weekly“ haben beispielsweise zwischen 1990 und 2000 die Krebsraten um 40% zugenommen. Allein in 2001 gab es etwa 10‘000 Bauchspeichelkrebs-Erkrankungen bei Kindern. Mit diesen Folgen ist SOS-Kinderdorf auch 25 Jahren nach der Katastrophe täglich konfrontiert. Das SOS Sozialzentrum „Mutter und Kind“ in Borovjlany, bietet Familien Unterkunft deren Kinder im nahegelegenen „Centre of Child Oncology“ gegen Krebs behandelt werden. Jedes Jahr leben hier etwa 250 Familien vorübergehend bei SOS-Kinderdorf.

Beistand der Familie

Der 23-jährige Lesha leidet an Läukemie. Im Sozialzentrum „Mutter und Kind“ von SOS-Kinderdorf kann er während seiner Therapie g
Der 23-jährige Lesha leidet an Läukemie. Im Sozialzentrum "Mutter und Kind" von SOS-Kinderdorf kann er während seiner Therapie gemeinsam mit seiner Mutter kostenlos wohnen.
Zurzeit ist auch der an Leukämie erkrankte Lesha mit seiner Mutter im Sozialzentrum von SOS-Kinderdorf. Er ist froh, während der Krebsbehandlung bei seiner Mutter zu sein. „Nach der Therapie fühle ich mich immer sehr schlecht, dann ist es gut, dass meine Mutter bei mir ist und mir beistehen kann“, so der 23-jährige, welcher aus der schwer betroffenen Region Mogilev stammt.

Neben der kostenlosen Unterkunft erhalten die Patienten auch psychologischen Beistand und finanzielle Hilfe. Zudem gibt es Schulkurse für Kinder, welche während der sechs bis zwölf monatigen Therapie nicht zur Schule gehen können. Die Ärzte der Klinik sind froh über diese wichtige Unterstützung. „Es ist gut, dass hier Familien während der Behandlungen zusammenbleiben können. Dies ist für die Kinder und Jugendlichen ein grosser Vorteil und es erlaubt uns zudem, noch mehr junge Patienten zu behandeln“, so Dr. Petina vom „Centre of Child Oncology“.

Zum Beispiel der elfjährige Vlad

Eines der Kinder im Zentrum von SOS-Kinderdorf ist der elfjährige Vlad, welcher an Bauchkrebs erkrankt ist. Er ist hier gemeinsam mit seinem Onkel Maxim, welcher ebenfalls an den Folgen der radioaktiven Verseuchung leidet. Vlad spricht auf die Behandlung an und er hofft, diesen Sommer ins Sommercamp von SOS-Kinderdorf gehen zu können.

Soziale Folgeschäden

SOS-Kinderdorf unterstützt in der Ukraine viele Familien welche nach der Katastrophe umgesiedelt wurden und ihr Zuhause verloren. „Viele dieser Familien leiden nicht nur an den körperlichen Folgen, sondern auch an den sozialen“, so Lilya Shestokova, Leiterin des SOS-Sozialzentrums. „Viele dieser Menschen fanden keine Arbeit mehr, verfielen dem Alkohol und vernachlässigten so ihre Kinder“. Diese Familien werden nun durch die Familienstärkungsprogramme unterstützt. Mit monatlichen Essenspaketen, Rechtsbeistand oder zusätzlichen Schulprogrammen wird dafür gesorgt, dass diese Familien trotz aller Schwierigkeiten zusammenbleiben können.

Die Unterstützung geht weiter

Nach 25 Jahren ist es klar, dass immer noch Millionen Menschen an gesundheitlichen, mentalen, emotionalen uns sozialen Folgeschäden leiden. SOS-Kinderdorf unterstützt mit seinem Sozialzentrum und seinen Familienstärkungsprogrammen weiterhin diese Menschen, welche im Schatten von Tschernobyl leben müssen.

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