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Hermann Gmeiner bei einem seiner zahlreichen Besuche eines SOS-Kinderdorfs in Afrika. |
Hermann Gmeiner gehörte zu jenen Menschen, die eine Vision nicht nur im Geist mit sich tragen, sondern sie konkret umsetzen: Die Not und Verlassenheit der vielen Kriegswaisen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Missstände in den überfüllten, kasernenartigen Heimen der Nachkriegszeit machten ihm so zu schaffen, dass er sein Medizinstudium abbrach und sich statt dessen für Kinder einzusetzen begann: «Ich habe das Schicksal der Kinder nicht mehr ertragen und glaubte, es muss einen andern Weg geben, die Kinder wieder in die Gesellschaft hereinzuholen.»
Seine Überzeugung führte 1949 zur Gründung des Vereins SOS-Kinderdorf. «Ich weiss nichts besseres, als einem Kind zu helfen», sagte er damals. Im gleichen Jahr legte er in Imst im Tirol den Grundstein für das erste SOS-Kinderdorf. Von da an widmete Hermann Gmeiner sein Leben ganz der Vision, ein Zuhause für Kinder in Not zu schaffen, wo sie wie in einer Familie aufwachsen: mit einer SOS-Kinderdorf-Mutter, Geschwistern, in einem Familienhaus, umgeben von einem schützenden Dorf.
Geprägt vom Weltkrieg
Gmeiner war 1919 in Vorarlberg in eine kinderreiche Bauernfamilie geboren worden. Er war fünfjährig, als seine Mutter starb und seine älteste Schwester Elsa für die jüngeren Geschwister sorgen musste. Nur dank eines Stipendiums konnte der begabte Knabe später das Gymnasium besuchen. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit prägten seine Jahre als junger Mann. Neben dem Studium engagierte sich Hermann Gmeiner als Jugendbetreuer. In den Bombenruinen der Städte und in den Massenunterkünften der Millionen von Vertriebenen herrschte Verzweiflung. Die vorhandenen Institutionen waren dem Ansturm hilfsbedürftiger Jugendlicher nicht gewachsen.
SOS-Kinderdorf begann bescheiden. Doch dank dem Namen Hermann Gmeiners, seinem Charisma, Mitgefühl und seiner Tatkraft fanden die SOS-Kinderdörfer in den folgenden Jahrzehnten breite Akzeptanz. Im Jahr 1960 gab es zehn SOS-Kinderdörfer mit hundert Familien. Im folgenden Jahrzehnt wurde SOS-Kinderdorf auch ausserhalb Europas aktiv – zuerst in Daegu in Südkorea. 1969 befanden sich 39 SOS-Kinderdörfer in Europa, 15 in Lateinamerika und 14 in Asien. 1970 wurde die Elfenbeinküste als erstes afrikanisches Land Mitglied der weltweiten SOS-Familie.
Als Hermann Gmeiner vor 25 Jahren starb, existierten in 98 Ländern 1122 SOS-Kinderdorf-Einrichtungen wie Kinderdörfer, Schulen, Kindergärten, Jugendhäuser, Sozial- und Ausbildungszentren. Sein Werk lebt weiter: Heute gibt es in 132 Ländern 2008 SOS-Kinderdorf-Einrichtungen sowie zehn Nothilfeprogramme.