Das Beben am Samstagmorgen dauerte knapp zwei Minuten und unterbrach die Strom- und Telefonleitungen in der Hauptstadt Santiago. Das Beben hatte sein Zentrum 200 Meilen südwestlich von Santiago in einer Tiefe von 22 Meilen. Das Epizentrum lag damit 70 Meilen von Concepcion, Chile zweitgrößte Stadt entfernt.
Im Grossraum von Concepcion gibt es vier SOS-Kinderdörfer, die ab sofort bereit sind, Notunterkünfte für unbegleitete Kinder bereitzustellen und die Wiedervereinigung der Kinder mit deren Familien zu unterstützen.
Die Kommunikation mit den SOS-Programmen und mit den Mitarbeitern der SOS-Einrichtungen ist praktisch unmöglich, weil die Mobilfunknetze nicht funktionieren und das Festnetz nur in einigen Gegenden zur Verfügung steht. Wir haben bislang nur Berichte aus den SOS-Kinderdörfern Santiago und Curicó. In Santiago gab es weder Todesopfer noch Schäden an der Infrastruktur. Ebenso gab es auch in Curicó keine Schäden. Curicó liegt ganz in der Nähe des Epizentrums.
Wir wissen ausserdem, dass die historischen Teile von Santiago schwer beschädigt wurden. Es gibt viele Stadtteile ohne Strom. Der öffentliche Nahverkehr der Stadt kam zum erliegen. Weder die U-Bahn noch die Stadtbusse des "Transantiago" sind derzeit in Betrieb. Es gibt nur wenige Taxis in den Strassen. Im Rest des Landes wurden durch das Ministerium für öffentliche Arbeiten verschiedenen Strassen gesperrt, da zahlreiche Brücken und Viadukte zusammengebrachen. Die örtlichen Behörden haben die Menschen die derzeit in den Sommerferien sind empfohlen, dort zu bleiben, wo sie sich gegenwärtig aufhalten und ihnen abgeraten in die Hauptstadt zurückzukehren. Der internationale Flughafen Arturo Merino Benitez ist beschädigt und wird für mindestens 48 Stunden geschlossen bleiben.
Im Allgemeinen hat sich die Bevölkerung ruhig verhalten. Viele Menschen verliessen ihre Häuser um Zuflucht in den Parks und auf den Plätzen zu suchen, die weiter von hohen Gebäuden entfernt liegen. Die Situation ist immer noch angespannt. Überall in der Stadt sind Alarmsirenen zu hören. Mehrere Feuer wurden gemeldet.
Das chilenische SOS-Büro hat nur wenige Schäden am Dach und am Mauerwerk davongetragen. Etliche Computer und andere Büroausstattung wurde beim Erdbeben zerstört. Ein Raum kann derzeit wegen einer blockierten Tür nicht betreten werden.
Die SOS-Kinderdörfer sind seit 1965 in Chile aktiv, als in Concepción das erste Kinderdorf des Landes gegründet wurde. Zur Zeit gibt es in Chile dreizehn aktive SOS-Kinderdörfer, elf SOS-Jugendeinrichtungen, vier SOS-Kindergärten, zwei SOS-Ausbildungszentren und zehn SOS-Sozialzentren.