 |
| Rund 1.400 Kinder leben zurzeit in den chinesischen SOS-Kinderdörfern - Foto: Benno Neeleman |
Mit dem starken Zuzug aus anderen Regionen Chinas in die Metropole wuchs in den vergangenen Jahren auch der Bedarf an Betreuungseinrichtungen für Kinder, deren Familien nicht mehr in der Lage sind, für sie zu sorgen. In Daxing, Huang Cu Stadt, der ersten Satellitenstadt Pekings, wurde in den vergangenen zwei Jahren am zehnten SOS-Kinderdorf in China gebaut. Die ersten zwanzig Kinder konnten nun einziehen, bis Ende des Jahres sollen es dann bereits 100 sein.
 |
| Die meisten der 15 Familienhäuser sollen in den kommenden Monaten besiedelt werden - Foto: SOS-Archiv |
Fünfzehn freundlich-helle Häuser in Ziegelbauweise werden bei voller Auslastung für bis zu 120 Kinder ein neues Zuhause sein. Doch, wie SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin bei der Eröffnung betonte, "das Wichtigste ist, dass die Kinder im Herzen und in den Gedanken der Mütter gut aufgehoben sind. Das ist wichtiger, als schicke Häuser zu haben." Dass aber Kinder, die ausserfamiliär betreut werden müssen, in überschaubaren, familiennahen Strukturen, individuell gefördert und in der Obhut einer SOS-Kinderdorf-Mutter aufwachsen, ist für chinesische Verhältnisse eher ungewöhnlich.
Oft werden Kinder, die nicht bei ihren Herkunftsfamilien aufwachsen können, im erweiterten Familienverband aufgenommen oder adoptiert. Gibt es diese Optionen nicht, ist es mehrheitlich so, dass Kinder - vor allem auch Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen - in Heimen untergebracht werden, wo die Betreuungsqualität oft unzureichend ist und von zu wenig Fachpersonal geleistet wird. Die mittlerweile zehn SOS-Kinderdörfer gelten deshalb in China als Modellprojekte für eine alternative, familiennahe Betreuungsform, die der jeweiligen Situation eines Kindes und seinen Bedürfnissen gerecht werden kann.
 |
| Aufregung kurz vor der Eröffnungsfeier in Peking - Foto: SOS-Archiv |
Ehrengäste bei der Eröffnungsfeier unter der Ägide von SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin waren unter anderem der Leiter des Ministeriums für zivile Angelegenheiten, der österreichische Botschafter in China sowie der Vorstand des deutschen Fördervereins SOS-Kinderdörfer weltweit, dessen Spender das neue Projekt finanziert haben.
 |
| SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin bei seiner Eröffnungsrede - Foto: SOS-Archiv |
Ende 1985, sechs Jahre bevor China die UN-Konvention der Rechte des Kindes ratifizierte, konnte SOS-Kinderdorf mit der Volksrepublik ein Kooperationsabkommen unterzeichnen. In den Folgejahren wurde eine Vielzahl an Projekten realisiert, unter anderem auch eine Schule in Yantai, die mit mehr als 3.300 Schülern die grösste SOS-Schule weltweit ist und in China ebenfalls als Vorzeigeprojekt gilt. Von Qiqihar im Norden über Urumqi im Westen bis Lhasa in der Autonomen Provinz Tibet gibt es mittlerweile Standorte von SOS-Kinderdorf-Projekten.