Erdbeben in Haiti: "Es fehlt alles" 

18/01/2010 - Die Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince und den umliegenden Gebieten spitzt sich immer mehr zu. Die Nothilfe von SOS-Kinderdorf läuft derweil weiter.
Foto: SOS-Archiv
Die Zerstörungen in der Nachbarschaft des SOS-Kindedorfes in Santo - Foto: SOS-Archiv

Am letzten Donnerstag gelang es einem Team von SOS-Kinderdorf aus der Dominikanischen Republik mit einem gemieteten Hubschrauber nach Haiti zu fliegen. Ziel war Santo rund 16 Kilometer von der schwer zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince entfernt, wo sich ein SOS-Kinderdorf und andere SOS-Kinderdorf-Projekte befinden. Die haitianische Regierung gab allerdings keine Landeerlaubnis, und so konnte sich das Team nur einen Überblick aus der Luft verschaffen. Wir wissen, dass alle Kinder und Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf selbst das Erdbeben unbeschadet überstanden haben, vom Schicksal hunderter Familien, die von SOS-Kinderdorf mit Sozialprogrammen unterstützt werden, liegen uns keine Informationen vor.

Nach wie vor ist es enorm schwierig, mit den Mitarbeitern vor Ort in Kontakt zu kommen, da sämtliche Kommunikationswege teilweise oder komplett zerstört oder abgeschnitten sind. Nur sporadisch gelingt der Kontakt zu Celigny Darius, dem Leiter von SOS-Kinderdorf in Haiti; das nationale Büro wurde grossteils zerstört. Es ist auch noch nicht gelungen, mit anderen Hilfsorganisationen vor Ort Kontakt aufzunehmen. Laut Mitarbeitern von SOS-Kinderdorf gibt es allerdings bis jetzt noch keine zentrale Koordinationsstelle und kein organisiertes Vorgehen der Hilfskräfte.

Foto: SOS-Archiv
Das SOS-Kinderdorf in Santo aus der Luft - Foto: SOS-Archiv

Aufgrund der persönlichen Betroffenheit der Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf in Haiti wird die Nothilfe von anderen SOS-Kinderdorf-Vereinen in einer länderübergreifenden Aktion koordiniert. Heute Montag ist eine erste Hilfslieferung von der Dominikanischen Republik aus in Santo angekommen, mit dabei Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf aus Costa Rica und der Dominikanischen Republik. Wie die Regionalleiterin von SOS-Kinderdorf in Zentralamerika, Patricia Vargas, uns mitgeteilt hat, muss aufgrund der zunehmenden Unruhen unter der verzweifelten Bevölkerung und wegen gewaltsamer Übergriffe der Hilfstransport und die Verteilung der Hilfsgüter von bewaffneten Sicherheitskräften überwacht werden.

Foto: REUTERS/Eduardo Munoz - courtesy www.alertnet.org
Verzweifeltes Warten auf Essen von den UN-Truppen - Foto: REUTERS/Eduardo Munoz - courtesy www.alertnet.org

Mit den SOS-Hilfsteams trafen in einer ersten Phase auch 15 bis 20 psychologisch geschulte Experten zur Betreuung traumatisierter Kinder und Familien vor Ort ein. Auch drei Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf in Peru sind seit dem 18. Januar in Haiti, die bereits die Nothilfe in Peru nach dem schweren Erdbeben 2007 geleitet haben. Die erste Hilfslieferung besteht aus Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Hygieneartikeln usw. Decken und Zelte werdenin Kürze aus Panama geliefert . "Es fehlt alles", so Patricia Vargas.

Das Gelände und Gebäude der SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Santo wird als Basisstation für die Nothilfe genutzt. Patricia Vargas dazu: "Im SOS-Kinderdorf in Santo ist nur die Begrenzungsmauer zerstört, ansonsten gibt es kaum Schäden. Unsere Einrichtungen befinden sich in einer geografisch günstigen Lage, in der Nähe des Flughafens von Port-au-Prince und mit Anschluss an befahrbare Strassen. Wir sind eine der ganz wenigen Organisationen, wenn nicht die einzige, die so nahe des Epizentrums funktionierende und nutzbare Gebäude haben. Deshalb werden wir auch anderen Hilfsorganisationen unseren Standort und unsere Kooperation anbieten." Unter anderem könnte der Fussballplatz des SOS-Kinderdorfes für eine mobile Zeltklinik benützt werden, ein entsprechendes Angebot wurde einer medizinischen Institution in der Dominikanischen Republik gemacht. Weiters fand ein Treffen von SOS-Kinderdorf mit einer Reihe anderer Kinderhilfsorganisationen in Costa Rica statt, die im lateinamerikanischen Netzwerk Global Movement for Children zusammengefasst sind, um ein gemeinsames Vorgehen zu planen.

Schwerpunkte der Nothilfe

1) Die Situation der SOS-Familien und Mitarbeiter in Santo stabilisieren sowie die Infrastruktur im SOS-Kinderdorf und im nationalen Büro so gut wie möglich instand setzen.
2) Die leiblichen Familien der im SOS-Kinderdorf betreuten Kinder sowie die Familien, die durch unsere Sozialprogramme unterstützt werden, ausfindig machen, betreuen und versorgen.
3) An den Standorten von SOS-Kinderdorf-Einrichtungen, vor allem in der SOS-Schule in Santo, ein provisorisches Aufnahmezentrum für Kinder schaffen, die unbegleitet sind bzw. wo der Verbleib der Eltern ungeklärt ist.

Helfen Sie in Haiti. Unterstützen Sie die Nothilfe vor Ort mit einer Spende.

 

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