SOS-Kinderdorf erhält Zutritt zu Flüchtlingslagern in Sri Lanka 

05/06/2009 - Nach dem Sieg über die tamilischen Rebellen hat die Regierung von Sri Lanka den Bürgerkrieg für beendet erklärt. Nach wie vor sind aber hunderttausende Menschen in Flüchtlingscamps untergebracht, darunter viele unbegleitete Kinder. Ein Team von SOS-Kinderdorf durfte als erste Kinderhilfsorganisation vergangene Woche eines der Flüchtlingslager besuchen und führt Gespräche mit Regierungsbehörden, wie und wo geholfen werden kann.
Foto: SOS-Archiv
In den Camps müssen die Menschen auf engstem Raum leben, die Kinder leiden darunter am meisten - Foto: SOS-Archiv

Dem SOS-Team war es möglich, nach Vavuniya, 70 km nördlich von Anuradhapura, zu reisen, in dessen Umkreis die meisten Flüchtlinge untergebracht sind. In Chettikulam in der Nähe von Vavuniya gibt es vier riesige Camps, wo insgesamt rund 250.000 Menschen in Zeltstätten, Feldlagern und Baracken leben. Das von SOS-Kinderdorf besuchte Camp umfasst alleine bis zu 79.000 Flüchtlinge, darunter hunderte Kinder, die Voll- oder Halbwaisen sind bzw. die von ihren Familien auf der Flucht getrennt wurden.

Derzeit laufen intensive Verhandlungen, wie und wo SOS-Kinderdorf aktiv werden kann. Das vor Wochen unterbreitete Angebot, bis zu 400 Kinder zu betreuen (siehe Meldung vom 14. Mai 2009) ist nach wie vor aufrecht und wird von den zuständigen Behörden begrüsst. SOS-Kinderdorf würde in einer ersten Phase vor Ort provisorische Unterkünfte errichten und die Kinder umfassend materiell versorgen sowie medizinisch und psychologisch betreuen. Parallel dazu würde man intensiv nach dem Verbleib ihrer Familien forschen.

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Die Versorgung mit sauberem Wasser und die sanitären Verhältnisse sind die grössten Probleme - Foto: SOS-Archiv

Sollte sich innerhalb eines gewissen Zeitraums die familiäre Situation nicht geklärt haben und eine Familienzusammenführung (noch) nicht möglich sein, könnten die Kinder vorübergehend im SOS-Kinderdorf Nuwara Eliya untergebracht werden. Nuwara Eliya liegt in einer von Tamilen bewohnten Region, was die sprachliche und kulturelle Integration erleichtern würde. Bei Bedarf wäre auch die Anmietung eines zusätzlichen Gebäudes möglich, um Vollwaisen und Kinder ohne jeden familiären Schutz aufzunehmen.

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Die Flüchtlinge wollen so schnell wie möglich wieder nach Hause zurück - Foto: SOS-Archiv
SOS-Kinderdorf weiss seit Jahren um die teils prekäre Situation von Kindern ohne elterliche Betreuung im Norden und Osten von Sri Lanka und den hohen Bedarf an Sozialprogrammen für Familien. Abhängig davon, wie sich die Lage in den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten entwickelt und wie hoch die Zahl der Kinder ist, die eine langfristige ausserfamiliäre Betreuung benötigen, wären der Bau eines SOS-Kinderdorfes und der Start von Familienförderprogrammen denkbar.

Zahlen und Fakten zu SOS-Kinderdorf in Sri Lanka

  • seit 1980 im Land aktiv
  • 34 Einrichtungen und Programme für rund 5.000 Menschen; davon über 500 Kinder in fünf SOS-Kinderdörfern und mehr als 1.600 Kinder und Familien in Unterstützungsprogrammen
  • SOS-Kinderdorf ist im Bildungsbereich tätig, führt Kindergärten und Kindertagesstätten, bietet Frauen- und Familienförderung in Zusammenarbeit mit Gemeinden, soziale Beratungsleistungen und medizinische Versorgung
  • seit 2003 erstmals in einem der Krisengebiete des Landes tätig (ein Sozialzentrum hauptsächlich für Kriegswitwen und ein Kindergarten in Batticaloa an der Nordostküste)
  • großes Nothilfeprogramm nach der Tsunami-Katastrophe Ende 2004: Hilfspakete, Notunterkünfte und Starthilfen; rund 1.000 neue Wohnhäuser; Wiederaufbau einer staatlichen Schule für 1.500 Schüler, die Anfang 2009 eröffnet wurde; zwei SOS-Sozialzentren und zwölf Mehrzweckzentren
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