Hilfsappell für Ostafrika 

19/07/2011 - Millionen von Menschen in den Ländern am Horn von Afrika sind von einer Hungersnot bedroht, hunderttausende Kinder sind in akuter Gefahr. SOS-Kinderdorf bereitet sich in Somalia, Äthiopien und Kenia auf Hilfsaktionen vor.

Zurzeit laufen noch Erhebungen, in welchen Gebieten SOS-Kinderdorf die logistischen Kapazitäten hat, Nothilfe durchzuführen. In Somalia haben SOS-Teams im Einzugsgebiet von Mogadischu und in Flüchtlingscamps im Umkreis der Hauptstadt vor allem die Situation von Kindern erhoben. Mit anderen grossen Hilfsorganisationen wie UNICEF und WHO sowie dem National Drought Committee von Somalia gibt es Koordinierungsgespräche. Sicher ist, dass die grosse SOS-Klinik in Somalias Hauptstadt Mogadischu und eine Aussenstelle in Baidoa medizinische Hilfe leisten und Ernährungsprogramme durchführen werden. In Marsabit im Norden von Kenia und in Gode im Süden von Äthiopien werden ebenfalls Notmassnahmen vorbereitet.

Lage in Somalia katastrophal

Am schlimmsten ist die Situation in weiten Teilen Somalias. Dort sind die Menschen nicht nur von Hunger und Dürre bedroht, sondern auch von den nicht enden wollenden Kriegszuständen. Tausende fliehen täglich vor den katastrophalen Zuständen in ihrem Land über die Grenze nach Kenia und Äthiopien. Bereits geschwächte Kinder überleben den Weg durch die Wüste oft nicht. Viele verzweifelte Menschen kommen auch in die zerstörte Hauptstadt Mogadischu, weil sie sich dort eine Mindestversorgung mit Wasser, Nahrung und Medikamenten erhoffen.

SOS-Kinderdorf betreibt in Mogadischu als eine von ganz wenigen NGOs seit vielen Jahren umfangreiche Sozialprogramme, darunter eine grosse Kinder-und Frauenklinik, die seit mehr als 20 Jahren für die medizinische Versorgung in der Hauptstadt unentbehrlich ist. Nach Angaben von UN OCHA (UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) und dem Gesundheitsministerium von Somalia sind in den vergangenen Wochen mehr als 9‘000 Familien aus den Dürregebieten nach Mogadischu gekommen, täglich sind es geschätzte 270 Familien. Sie werden entweder in Camps am Stadtrand untergebracht oder sie okkupieren zerstörte Häuser im Stadtzentrum und ziehen bettelnd durch die Strassen.

Kinder in Camps fast alle unterernährt

Ein SOS-Team, angeführt von Ahmed Ibrahim, dem Leiter von SOS-Kindedorf in Somalia, besuchte das Darkenley-Camp in der Nähe von Mogadischu. "Die meisten Kinder und älteren Menschen sind unterernährt", so Ahmed Ibrahim. Es gibt nur eine kleine medizinische Station, die kaum Medikamente hat und deshalb kranke Kinder abweisen muss. An einer einzigen Ausspeisungsstelle gibt es etwas anderes als Trockennahrung. "Kinder, Frauen und Männer stehen gemeinsam an und bekommen alle das Gleiche: Reis," schildert Ahmed die dramatischen Zustände im Camp. Viele der Familien kommen aus Gebieten, die in den vergangenen zwei Jahren wegen des Krieges nicht zugänglich waren, weshalb viele Kinder nicht geimpft sind. Es droht der Ausbruch einer Masernepidemie, dazu kommen Durchfall, Atemwegserkrankungen, Malaria und Hautkrankheiten. Die Unterkünfte bestehen teilweise nur aus Plastikplanen, manche Familien haben nicht einmal das.

Hilfsaktionen in Mogadischu

SOS-Kinderdorf plant, in der SOS-Klinik ein Therapie-und Ernährungszentrum für unterernährte Kinder einzurichten und eine mobile Klinik und ein Impfzentrum im Dharkenley-Camp. Medizinische Notfälle können in der SOS-Klinik behandelt werden. Familien werden mit Nahrungsmitteln unterstützt, allerdings nicht durch direkte Verteilung von Trockenrationen, sondern mit Lebensmittelkarten für warme Mahlzeiten. Ferner wird an Kinder in den Camps Spielmaterial verteilt.

Nothilfe in Äthiopien

Auch im Süden von Äthiopien wird SOS-Kinderdorf ein Nothilfeprogramm starten. In Gode und anderen Regionen von Äthiopien hat SOS-Kinderdorf in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach wegen immer wiederkehrender Dürreperioden Katastrophenhilfe geleistet. Gode liegt in einem der trockensten Gebiete Äthiopiens. Durch die bereits vorhandene Infrastruktur und das Know-how der Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf ist es an diesem Standort möglich, Hilfsmassnahmen für Kinder und Mütter durchzuführen. Geplant sind die Vergabe von Lebensmitteln und nachhaltige Entwicklungsmassnahmen, um die Existenzen von Familien langfristig abzusichern. SOS-Kinderdorf Äthiopien unterstützt zurzeit 59'000 Menschen; in Gode sind es mehr als 16'000.

Millionen von Menschen von Dürre bedroht

In Äthiopien sind geschätzte 4,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 700'000 Kinder unter fünf Jahren. Laut einem Bericht von UN OCHA wird sich die Ernährungssituation im Tiefland von Äthiopien und ländlichen Gebieten in den kommenden Monaten noch alarmierend verschlechtern. Bereits in den Regionen Somali, Oromia und Süd-Omo ist die Lage der ländlichen Bevölkerung dramatisch. Für die Regensaison von Oktober bis Dezember werden wiederum Überschwemmungen befürchtet.

Hilfe im Norden von Kenia

SOS-Kinderdorf ist zwar in Kenia an fünf Standorten aktiv und erreicht mit seinen Programmen zurzeit mehr als 14'000 Menschen, aber alle Standorte sind weit vom jenem Gebiet im Norden entfernt, das mit Dürre und einem anhaltenden Flüchtlingsstrom aus Somalia kämpft. In Marsabit in Nordkenia hat SOS-Kinderdorf für Ende des Jahres den Start eines Familienhilfsprogramms geplant. Angesichts der akuten Notlage evaluiert SOS-Kinderdorf zurzeit, ob in Marsabit ein Ausspeisungsprogramm durchgeführt werden kann.

SOS-Kinderdorf kämpft mit steigendem Hilfsbedarf und steigenden Preisen

Durch die ständig steigenden Lebensmittelpreise und die sich dadurch verschlechternden Lebensbedingungen von Familien ist auch die Finanzierung von SOS-Kinderdorf-Projekten in Ostafrika mittel- bis langfristig problematisch. Schon jetzt wird von den zuständigen SOS-Kinderdorf-Büros in Somalia, Kenia und Äthiopien allein für die Budgets der SOS-Familien ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von 20% angemeldet. Ein Ende der Preisspirale nach oben ist nicht in Sicht. Eine fatale Dynamik: Der Hilfsbedarf für Familien steigt, parallel steigen die Preise für Grundnahrungsmittel. Wie SOS-Kinderdorf dieser Entwicklung mittel- und langfristig begegnen kann, ist noch nicht absehbar. SOS-Kinderdorf unterstützt in Somalia, Kenia und Äthiopien rund 226'000 Menschen. In insgesamt elf SOS-Kinderdörfern in Somalia, Kenia und Äthiopien wachsen derzeit 1'465 Kinder auf, tausende Familien werden in Sozialprogrammen begleitet - und es werden immer mehr, die angesichts der jüngsten Entwicklungen auf externe Hilfe angewiesen sind.

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