In Afrika kommen viele Kinder infolge von Aids zu SOS-Kinderdorf. Sie haben ihre Eltern wegen der Epidemie verloren und sind oft selbst HIV-positiv. SOS-Kinderdorf bietet diesen Kindern mehr als nur ein sicheres zu Hause. Das Konzept umfasst sämtliche Aspekte einer Lebenssicherung für HIV- und Aids-betroffene Kinder und Familien vor Ort.
In vielen Regionen des südlichen Afrikas freut sich kaum jemand auf Familienfeste. Meist handelt es sich dabei nämlich um Beerdigungen. Für eine freie Arbeitsstelle werden oft zwei Bewerber angestellt. Die Firmen wissen, dass in der Regel nur einer überleben wird. Der Grund für diese beiden Phänomene ist Aids. Was die Firmen und Familien schmerzlich erfahren, scheint vielen Politikern noch völlig zu entgehen. Gambias Staatschef Yahya Jammeh glaubt ernsthaft, Aids mit einer eigens entwickelten Kräuterpaste heilen zu können. Allerdings müssen die Patienten dafür ihre antiretroviralen Medikamente absetzen. Jammeh ist aber lange nicht der einzige mit solchen Ideen. Jacob Zuma, ehemaliger Vizepräsident Südafrikas ist überzeugt, eine Dusche nach dem Sex schütze vor Aids und die Gesundheitsministerin Südafrikas empfiehlt keine antiretroviralen Medikamente sondern ein Gemisch aus Knoblauch, Zitrone, Kartoffeln und Randen.
Im Kampf gegen Aids greifen Aberglaube, Armut, Desinformation, Isolation, Migration, Prostitution und Polygamie ineinander. Dazu kommt, dass kaum jemand darüber spricht, weder Kranke noch Angehörige, weder Religionsführer noch Politiker. Aids ist ein Tabu. Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 2006 gab es weltweit 37.2 Millionen HIV-Positive. 2.3 Millionen davon sind Kinder unter 15 Jahren. 2.9 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Aids. Unter ihnen auch 380'000 Kinder. („Die AIDS-Epidemie. Statusbericht: Dezember 2006“ UNAIDS, WHO.)
Besonders hart trifft Aids Afrika südlich der Sahara. 24.7 Millionen Erwachsene und Kinder sind hier HIV-positiv. 2006 gab es 2.8 Millionen HIV-Neuinfektionen und 2.1 Millionen Menschen starben an der Krankheit. Die Epidemie ist im Begriff, eine Generation von Kindern elternlos zu machen. Der produktivste Teil der Bevölkerung wird dahin gerafft: Väter, Mütter, ältere Geschwister, Onkel und Tanten. Diese waren oft für Ernährung und Bildung der Kinder zuständig.
Aufklärung über Aids
In Afrika kommen viele Kinder infolge von Aids zu SOS-Kinderdorf. Oft sind ein oder beide Elternteile an Aids gestorben. SOS-Kinderdorf setzt dort an, wo seine Kernkompetenz liegt: bei der Betreuung von verwaisten, verarmten Kindern und bedürftigen Familien. SOS-Kinderdorf gibt den Kindern nicht nur ein neues Zuhause sondern verfolgt noch viele weitere Ziele. Zum Beispiel durch zusätzliche Einrichtungen von SOS-Kinderdorf. Bereits früh erhalten hier Kinder und Jugendliche eine Sexualaufklärung, die ihnen bewusst macht, dass Aids eine Gefahr für jeden darstellt und dass an Aids erkrankte Menschen Hilfe und Achtung bedürfen. In den Schulen werden die Kinder über Aids und ähnliche Krankheiten informiert und sie erfahren hier, wie sie sich davor schützen können.
Eine wichtige Rolle sowohl bei der Prävention wie bei der Unterstützung von HIV-positiven Kindern und Müttern spielen die medizinischen Zentren und Kliniken von SOS-Kinderdorf. In den SOS-medizinischen Einrichtungen werden betroffene Familien zusätzlich zur HIV und Aids-Beratung kostenlos getestet und erhalten antiretrovirale Medikamente.
In der Familienarbeit setzt sich SOS-Kinderdorf speziell für Kinder ein, die nach dem Tod beider Elternteile die Verantwortung für ihre Geschwister übernehmen, sowie für Mütter. Denn Frauen sind, wie in so vielen anderen Lebensbereichen auch, beim Thema HIV und Aids benachteiligt. Ihre Infizierungsrate liegt deutlich über jener der Männer und die Aufklärung ist in vielen Regionen ungenügend.
Langzeithilfe und familienorientierte Hilfsmodelle
Aufbauend auf die fundierten Erfahrungswerte konzentriert sich SOS-Kinderdorf auf Langzeithilfe für Aids-Waisen und familienorientierte Hilfsmodelle. Das Konzept umfasst sämtliche Aspekte einer Lebenssicherung für HIV und Aids-betroffene Kinder und Familien vor Ort. "Gemeinsam mit den jeweiligen Dorfgemeinschaften wollen wir soziale Auffangnetze für Kinder und Familien knüpfen, die auch ganz wesentlich von der Bevölkerung mitgetragen und mitgestaltet werden", unterstreicht SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Partnern bei der Bewältigung dieses vielschichtigen Problems.
SOS-Kinderdorf kämpft gegen die soziale Armut, die mit Aids einhergeht und die die Krankheit mit verursacht. Angeboten wird medizinische, materielle aber auch psychologische Hilfestellung. Es ist ein Kampf gegen die Isolierung und Tabuisierung, ein Kampf für Prävention, Aufklärung und professionelle Beratung und ein Kampf gegen die Abwanderung in urbane Ballungsräume, wo die soziale Randexistenz von allein stehenden Kindern vorgezeichnet ist.
SOS-Kinderdorf muss sich diesem Kampf aber nicht alleine stellen. So wird die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, lokalen Initiativen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) intensiviert, um Schritt für Schritt den Teufelskreis aus Aids, Armut und Ausgrenzung zu durchbrechen. Der Beitrag von SOS-Kinderdorf im Kampf gegen HIV und Aids kann aber nur ein Teil eines gemeinschaftlichen Einsatzes der Länder, Regierungen, Gemeinden und Organisationen sein. Denn nur wenn langfristig und nachhaltig gesellschaftliche Themen wie die Stellung und Selbstbestimmung der Frau oder das Recht auf Bildung und Aufklärung mehr Beachtung finden, besteht Hoffnung für die Generation der Aidswaisen von heute.
In Afrika stellt sich SOS-Kinderdorf bereits den Konsequenzen von Aids. Die Krankheit ist aber nicht nur hier eine Herausforderung für SOS-Kinderdorf. In bestimmten Teilen Asiens, Lateinamerikas und des ehemaligen Osteuropas wird sich Aids in den kommenden Jahren weiter verbreiten. In diesen Ländern ist es für SOS-Kinderdorf sicher noch nicht zu spät, einen wertvollen Beitrag zur Vorbeugung gegen die Krankheit aber auch zur Akzeptanz von Aids-infizierten Kindern und Erwachsenen zu leisten.
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