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| Souriya Anwar |
Wie ist die Situation vor Ort zur Zeit?
Souriya Anwar: Dies kommt auf die Region an. Der Vorfall hat etwa einen Fünftel des Landes schwer betroffen – etwa 150‘000 Quadratkilometer. Dies entspricht etwa vier Mal der Grösse der Schweiz.
Wir schätzen dass die Katastrophe schlimmere Ausmasse als das Erdbeben von Kashmir, der Tsunami und das Erdbeben in Haiti zusammen haben wird. Zwar waren die Todesopfer, verglichen mit der Stärke der Wassermassen, glücklicherweise tiefer als befürchtet – 1754 Todesopfer wurden bislang gemeldet – aber der Verlust von Häusern, Eigentum, Ackerland, Nahrungsmitteln und Tieren ist unvergleichlich. Über 20 Millionen Menschen sind betroffen. Es ist schwierig dies in ein Verhältnis zu setzen, aber wir rechnen mit 3 Millionen Flüchtlingen.
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| Nahrungsmittel werden in Pakistan immer noch dringend benötigt. |
Was ist momentan das Wichtigste vor Ort?
Souriya Anwar: Es geht immer noch darum Leben zu retten, also sind Essen und Medikamente am dringendsten benötigt. Das Hauptproblem ist, dass die Nothilfe noch immer nicht alle Region erreicht hat. Auch die Armee versucht in alle Regionen vorzudringen. Wir konzentrieren uns zur Zeit darauf, Zelte, Nahrungsmittel und Medikamente abzugeben. Später werden Decken und Kleider dazukommen, sobald die kalte Jahreszeit beginnt.
Welches sind die grössten Befürchtungen die Kinder betreffend?
Souriya Anwar: Viele Kinder wurden von ihren Familien getrennt. Zudem sind viele Kinder von Malaria oder anderen Krankheiten betroffen. Auch sterben Kinder an Unterernährung, da es ist nicht immer möglich ist, sie mit Essenspaketen oder sogar nur Milch zu versorgen.
Wie ist die Reaktion der Bevölkerung auf die Katastrophe?
Souriya Anwar: Pakistani sind ein stolzes Volk und wir haben bereits viele Katastrophen erlebt, die als Schicksal angesehen werden. Die meisten werden wieder zurückkehren und das Beste aus der Situation machen. Die Unterstützung im Land selber ist gross und es werden viele überlebenswichtige Dinge wie Essen oder Kleider gespendet.
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| SOS-Kinderdorf stellt vor Ort Zelte für die Opfer bereit. |
Sind immer noch viele Hilfswerke vor Ort aktiv?
Souriya Anwar: Wie immer sind viele internationale Hilfswerke vor Ort. Diese Organisationen sind am besten für solche Katastrophen vorbereitet und können mit ihrer Erfahrung, ihrem professionellen Management und ihren Ressourcen gute Hilfe leisten. Aber auch kleinere, lokale Hilfswerke leisten mit viel Einsatz ihren wichtigen Beitrag.
Reicht diese Hilfe?
Souriya Anwar: Nein, nicht annähernd. Die Kosten des Wiederaufbaus werden astronomische Höhen erreichen. Wenn es uns nur schon gelingt, Leben zu retten, ist dies schon ein grosser Erfolg.
Was ist ihre Botschaft an Spender in Europa?
Souriya Anwar: Pakistan hat viele Katastrophen erdulden müssen. Die letzte grosse Katastrophe, das Erdbeben passierte erst vor fünf Jahren. Dies ist aber nicht die grösste Bedrohung mit der wir zu kämpfen haben. Viel schlimmer ist der Terrorismus. Der Terrorismus wird immer mehr von den einfachen und armen Leuten unterstützt, da sie von den Terroristen finanziell unterstützt werden. Es liegt an uns den Leuten zu zeigen, dass es andere Auswege als den Terrorismus gibt.
Was sind ihre Hoffnungen und Ängste für Pakistan?
Souriya Anwar: Ich stecke grosse Hoffnungen in die jungen Menschen im Land. Ihre Selbstsicherheit, ihr Idealismus und ihre Liebe für Pakistan sind gross. Wenn eine Gruppe einen Wechsel im Land bringen kann, dann sind es die Jungen. Sie haben entschieden, den Status Quo nicht zu akzeptieren und ihre Stimmen für ein besseres Pakistan werden immer besser gehört.
Ich habe aber auch Angst um Pakistan. Unser Volk ist tolerant und für den Frieden, aber viele Menschen hier werden von Extremisten verblendet. Unser Land ist so für Extremisten zu einem einfachen Ziel geworden. Es ist extrem schwierig diese Bedrohung abzuwenden und sie kann, je nach dem wie sich die Situation in einem Nachbarland verändert, noch schlimmer werden. Dies darf aber nicht dazu führen, dass wir die Hoffnung aufgeben.