Das erste SOS-Kinderdorf wurde 1949 von Hermann Gmeiner in Imst, Österreich, gegründet. Gmeiners Anliegen war es, in Not geratenen Kindern zu helfen - Kindern, die durch den Zweiten Weltkrieg ihr Zuhause, ihre Sicherheit und ihre Familie verloren hatten.
Die SOS-Kinderdörfer bieten Kindern, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können bzw. deren Rückkehr in ihre Familie unwahrscheinlich bis unmöglich ist, ein neues Zuhause. Heute wird das SOS-Kinderdorf-Modell in über 130 Ländern angewandt. Es ist ein
Betreuungskonzept, das auf einer familiennahen Gestaltung des gesamten Umfelds des Kindes basiert.
Vier Komponenten bestimmen dieses familienpädagogische Konzept:
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| Gulu/Uganda - Foto: Benno Neeleman |
Mutter/Elternteil
Der emotionale Fixpunkt in einer SOS-Kinderdorf-Familie ist die SOS-Kinderdorf-Mutter. Sie lebt gemeinsam mit den ihr anvertrauten Kindern (durchschnittlich ca. zwischen fünf und sieben Kinder) wie eine Familie zusammen. Sie gestaltet mit ihnen den Familienalltag, schafft verlässliche und tragfähige Beziehungen. Menschen, die sich dazu entschliessen, mit Kindern zu leben, bekommen eine intensive fachliche Ausbildung. In ihrer verantwortungsvollen Aufgabe wird die SOS-Kinderdorf-Mutter von pädagogischen Mitarbeiter(inne)n und Familienhelferinnen sowie Frauen, die sich noch in der Mütterausbildung befinden, unterstützt. Weltweit sind es über 5.000 Frauen, die diesen Beruf ausüben. In einigen Ländern besteht die Möglichkeit für Elternpaare bzw. für Väter, eine SOS-Kinderdorf-Familie zu übernehmen.
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| Morelia/Mexiko - Foto: SOS-Archiv |
Geschwister
Buben und Mädchen unterschiedlichen Alters wachsen wie Geschwister gemeinsam in einer SOS-Kinderdorf-Familie auf. Leibliche Geschwister werden nicht getrennt und so können auch größere Geschwistergruppen zusammen bleiben. Kinder werden bis zum Alter von zehn Jahren aufgenommen, bei Geschwistergruppen kann das Aufnahmealter auch über zehn Jahre liegen.
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| Eines der Familienhäuser in Phnom Penh/Kambodscha - Foto: S. Kaul |
Haus
Jede SOS-Kinderdorf-Familie lebt in einem eigenen Haus, das sie nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestaltet. Mittlerweile gibt es auch SOS-Kinderdörfer, die in städtische Wohnsiedlungen eingebettet sind, wie z.B. in Österreich, Deutschland, Frankreich, Marokko und den USA.
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| SOS-Kinderdorf in Hemeiusi/Rumänien - Foto: SOS-Archiv |
Dorf
Jedes SOS-Kinderdorf besteht aus durchschnittlich zehn bis 15 Familienhäusern. In vielen Dörfern gibt es einen Kindergarten, den auch Kinder der umliegenden Gemeinden besuchen. Das SOS-Kinderdorf ist ein offener Ort. Die Integration der Kinder in ihr nachbarschaftliches Umfeld wie auch der Austausch und die Begegnung mit den Nachbargemeinden wird besonders gefördert. Familienförderprogramme und andere soziale Dienstleistungen für benachteiligte Familien und ihre Kinder sind an vielen Standorten integraler Bestandteil der SOS-Kinderdorf-Arbeit.