Worte so süss wie Honig von Sankhambi 

In zahlreichen Erzählungen der Venda aus Südarfika spielt Sankhambi eine markante Rolle. Manchmal ist es klein wie eine Schildkröte, manchmal gross und stark. Alle sind jedoch vor ihm auf der Hut, denn wo immer Sankhambi auftaucht, gibt es Ärger.

In zahlreichen Erzählungen der Venda aus Südarfika spielt Sankhambi eine markante Rolle. Manchmal ist es klein wie eine Schildkröte, manchmal gross und stark. Alle sind jedoch vor ihm auf der Hut, denn wo immer Sankhambi auftaucht, gibt es Ärger.

In früheren Zeiten waren die Affen nicht so schlank und flink, wie sie es heute sind. Es waren kleine, dickbäuchige Tiere, die sich nur langsam bewegten. Dem Fabelwesen Sankhambi bereitete es diebische Freude, ihnen hinterherzuschleichen und sie an ihren langen Schwänzen zu ziehen. Das machte die Affen wütend, und deshalb bombardierten sie es hoch oben aus ihren Bäumen mit Kernen und Zweigen, wenn es sich wohlig an der Sonne räkelte.

Sankhambi gefiel dieser Affenblödsinn überhaupt nicht, und eines Tages beschloss es, etwas dagegen zu unternehmen.

„Liebe Freunde“, sagte es mit einer ganz süssen Stimme und einem Glitzern in den Augen, „ich will euch ein Geheimnis verraten.“

„Glaubt ihm nicht, das ist nur wieder ein fauler Trick“, warnte der älteste Affe, doch Sankhambi flehte die Affen inständig an, es doch ausreden und von seinem besonderen Geheimnis erzählen zu lassen. Und da Affen von Natur aus neugierige Tiere sind, kletterten sie langsam von den Baumstämmen hinunter und kamen ganz langsam und vorsichtig näher.

„Ich würde euch nur allzu gerne einen Gefallen tun“, sagte Sankhambi mit honigsüsser Stimme. „Dort oben auf dem Berg beim grossen See ist eine Höhle. Und tief in dieser Höhle befindet sich ein riesiger Bienenstock voll goldener Honigwaben – und ich bin der einzige, der davon weiss. Kommt mit mir mit – ich zeige euch den Weg dorthin.“

Sofort schlossen sich die Affen ihm an, denn sie dachten nur an den goldenen Honig, der auf sie wartete.

Nach einer Weile führte Sankhambi sie über einen Felsgrat zum Eingang einer Höhle mit vorspringendem Dach. „Geht nur hinein, meine Freunde“, forderte es sie grosszügig auf.

Doch sobald die Affen drinnen waren, begann Sankhambi heftig mit den Füssen zu stampfen, so dass in der ganzen Höhle dumpfes Dröhnen wiederhallte“.

„Oh, Marulakerne und Bierkalebassen!“, schrie es in gespieltem Entsetzen. „Freunde, das Dach stürzt gleich ein. Arme hoch! Stützt das Dach ab! Ich hole schnell in paar Pfosten, um es zu sichern. Bleibt stehen und rührt euch nicht vom Fleck!“

Die Affen gehorchten ihm aufs Wort: Sie blieben reglos stehen und streckten die Arme über die Köpfe, um das Dach vorm Einstürzen zu bewahren. Sie standen. Und standen. Denn sie wagten sich nicht zu bewegen, weil sonst das Dach über ihren Köpfen einbrechen würde.

Ach, wenn doch Sankhambi doch nur schnell mit den Stützen wiederkäme!

Aber natürlich trottete Sankhambi da schon am Ufer des Sees entlang. „Was für eine Affenbande!“, johlte es und stieg hinauf, um es sich an einem sonnigen Fleckchen für eine ungestörte Siesta gemütlich zu machen.

Währen der ganzen Mittagshitze und bis in die Kühle der Nacht, als die Sterne sich hell im Wasser des grossen Sees spiegelten, standen die Affen wie Steinsäulen da und stemmten sich mit aller Kraft gegen das Dach.

Erst als das Morgenlicht im Osten schon zu schimmern begann, kam der älteste Affe plötzlich auf eine Idee. Ganz behutsam nahm er einen Finger weg, dann noch einen, dann die ganze Hand, schliesslich auch noch die andere… Nichts passierte. Er betrachtete die schwitzenden Gesichter seiner Familie, und mit einem Mal wurde ihm klar: Sankhambi hatte sie alle zum Narren gehalten!

Einer nach dem anderen liessen die Affen ihre steifen, schmerzenden Arme sinken. Und als sie an ihren Körpern hinabschauten, sahen sie, dass ihre dicken Bäuche völlig verschwunden waren. Nach all der Mühe und dem Schweiss und dem Recken, um das Dach der Höhle zu stützen, waren ihre Körper rank und schlank geworden. Und deshalb können die Affen auch heute so geschickt durch die Bäume turnen.

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