Hauptstadt: Niamey
Fläche: 1.267.000 km²
Bevölkerungszahl: 11,7 Millionen (Stand Juli 2005)
Bevölkerungsgruppen: Haussa, Djerma, Fulbe, Tuareg, Beri Beri oder Kanour
Amtssprache(n): Französisch
Religion(en): Islam, Rest traditionelle afrikanische Glaubensrichtungen und Christentum
Währung: 1 CFA-Franc = 100 Centimes
SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Aufgrund der schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situation in Niger und dem damit verbundenen Auseinanderbrechen der traditionellen Familienstrukturen strandeten viele Kinder und Jugendliche bereits Ende der 70er-Jahre auf sich allein gestellt in der Hauptstadt Niamey. Das Sozialministerium errichtete zwar im Oktober 1978 in Niamey ein Waisenhaus, jedoch reichte die Kapazität dieses Zentrums nach den Dürrekatastrophen der Jahre 1980 bis 1985 bei weitem nicht mehr aus. Daher nahmen Vertreter des Sozialministeriums 1982 Kontakt mit SOS-Kinderdorf auf und besuchten ein bestehendes SOS-Kinderdorf in Senegal, um sich dort ein Bild von der Umsetzung der Idee Hermann Gmeiners zu machen. Nach einigen Jahren konkretisierten sich die Pläne für den Bau eines SOS-Kinderdorfes in Niger.
1990 überschrieb das zuständige Ministerium SOS-Kinderdorf ein Grundstück am Stadtrand der Hauptstadt Niamey. So entstand von Juli 1991 bis März 1993 das SOS-Kinderdorf Niamey samt Kindergarten und Grundschule. Die ersten Kinder konnten mit ihren SOS-Kinderdorf-Müttern im April 1993 ihr neues Zuhause beziehen. Der SOS-Kindergarten und die SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule nahmen im September 1993 ihren Betrieb auf und stehen auch den Kindern der Nachbarschaft offen. Etwa 80 Prozent der Schulkinder kommen heute aus der Umgebung, für sie stellen unsere Schulen eine besondere Bildungschance dar.
Nachdem die ersten Kinder dem SOS-Kinderdorf entwachsen waren, wurden im Jahr 2000 die ersten externen Jugendeinrichtungen angemietet. Dort werden die Jugendlichen von einem Jugendbetreuer begleitet und langsam in die Selbständigkeit geführt. Ebenso wird seit 2005 ein Familiestärkungs-programm für bedürftige Familien und HIV/Aids-Betroffene mit Schwerpunkt Aufklärung und Beratung umgesetzt. Diese Familienförderungsprogramme werden an jedem SOS-Kinderdorf Standort ausgeführt, mit dem Ziel, Kindern, die Gefahr laufen, von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrer Familie zu sichern. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf Niger direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und stärkt sie in ihren Kapazitäten, die Kinder bestmöglich zu betreuen und zu schützen. Organisiert wird diese Präventivarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Sozialpartnern.
Im Laufe der Jahre wurde SOS-Kinderdorf Niger aufmerksam auf die besonders schwierige soziale Situation der Kinder im Hinterland von Niger (Ausbreitung der HIV/Aids-Epidemie, extreme Armut, etc.). Aus diesem Grund entstand bereits im März 2001 die Idee, in Tahoua, etwa 550 km nordöstlich von Niamey, ein zweites SOS-Kinderdorf-Projekt zu errichten. Der Bau des zweiten SOS Kinderdorfes mit Kindergarten, Schule und Sozialzentrum in Niger konnte im Dezember 2005 in Angriff genommen werden und nahm seinen Betrieb im Frühjahr 2008 auf.
Die Region um Dosso, circa 150 km südöstlich der Hauptstadt, ist aus wirtschaftlichen Gründen von einer regen Bevölkerungsabwanderung in andere afrikanische Länder gekennzeichnet. Diese Emigranten kehren jedoch nach einiger Zeit HIV positiv zurück und tragen somit wesentlich zur Verbreitung dieser Krankheit bei. Die Folge ist eine steigende Rate an Aids-Waisenkinder. Aus diesen Gründen beschloss SOS-Kinderdorf Niger dort ein drittes SOS-Kinderdorf zu errichten. Der Bau wurde im Sommer 2008 begonnen und wurde im Juli 2010 abgeschlossen.
Aufgrund der schwachen Regenperiode im Herbst 2009 wurde die Lebensmittelsituation im östlichen Teil von Niger immer prekärer. Daher startete SOS-Kinderdorf Niger im April 2010 so wie im Jahr 2005 für sechs Monate ein SOS-Nothilfeprogramm für die von Hunger betroffene Bevölkerung in der Region Tahoua mit dem Schwerpunkt Lebensmittelhilfe, medizinische Hilfe für Unterernährte, Aufbau von Lebensmittellagern, Kampf gegen die Bodenerosion. Da sich die Situation leider nicht besserte, startete SOS-Kinderdorf Niger in 2012 erneut ein SOS-Nothilfeprogramm in Madaoua / Region Tahoua.
Zurzeit gibt es in Niger drei SOS-Kinderdörfer, zwei SOS-Jugendeinrichtungen, drei SOS-Kindergärten, drei SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, vier SOS-Sozialzentren (Familienstärkungsprogramme), zwei SOS-medizinische Zentren und ein SOS-Nothilfeprogramm.
Website von SOS-Kinderdorf Niger
(verfügbar auf Französisch und Englisch)