Hauptstadt: Managua
Fläche: 120.254 km²
Bevölkerungszahl: 5,6 Millionen Einwohner (Juli 2006)
Bevölkerungsgruppen: Mestizen, Angehörige europäischer Abstammung, Indios, Angehörige afrikanischer Abstammung
Amtssprache(n): Spanisch
Religion(en): Römisch-katholisch
Währung: 1 Córdoba = 100 Centavos
SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 1972, das die Hauptstadt Managua fast völlig zerstörte, beschloss SOS-Kinderdorf International, sich in Nicaragua zu engagieren. Das erste SOS-Kinderdorf ging im April 1973 in Estelí, im Nordwesten des Landes, in Betrieb und nahm sich in erster Linie der aufgrund dieser Katastrophe verwaisten Kinder an. Der engagierten Nikaraguanerin Alicia de Barrantes sowie der SOS-Kinderdorf-Repräsentantin Luise Sinnhuber ist es zu verdanken, dass die Idee Hermann Gmeiners in diesem Land Fuß fassen und sich in den Folgejahren an weiteren Standorten etablieren konnte.
1978 brach in Nicaragua der Bürgerkrieg aus, viele Menschen fanden den Tod. Die hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundene soziale und wirtschaftliche Not der Familien führten zum Bau weiterer SOS-Kinderdörfer und anderer Betreuungseinrichtungen im Westen Nicaraguas wie etwa in der Hauptstadt Managua. Um sowohl die alleinstehenden Mütter als auch kinderreiche Familien bei der Betreuung ihrer Kinder während ihrer Arbeitszeit zu unterstützen, wurden in diesem Land SOS-Sozialzentren errichtet, in denen Säuglinge und Kinder bis zum Alter von sechs Jahren tagsüber versorgt werden können. Diese Betreuungsform bildet bis heute einen wesentlichen Teil der nikaraguanischen SOS-Kinderdorf-Arbeit.
Die Bürgerkriegsjahre hinterließen eine prekäre wirtschaftliche Lage. Da es nur in wenigen Städten genügend Schuleinrichtungen gab und viele Familien nicht in der Lage waren, die Schulausbildung ihrer Kinder zu finanzieren, errichtete SOS-Kinderdorf auch Grund- und Sekundarschulen. Beide Schulen sind mittlerweile zu anerkannten Institutionen avanciert und genießen einen ausgezeichneten Ruf.
Im Oktober 1998 wurde das von Armut gezeichnete Land erneut von einer Naturkatastrophe heimgesucht: Der Wirbelsturm "Mitch" zerstörte weite Teile des Landes. Um der betroffenen Bevölkerung rasch zu helfen, wurde Anfang November ein SOS-Nothilfeprogramm ins Leben gerufen. Dabei wurden Lebensmittel für 11.500 Personen und Medikamente an Spitäler verteilt. In León wurde eine Notunterkunft eingerichtet, in der Kinder und Mütter provisorisch untergebracht werden konnten.
2003 startete SOS-Kinderdorf Familienförderprogramme. Ziel dieser Programme ist es, Kindern, die Gefahr laufen, von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrer Familie zu sichern. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und stärkt sie in ihren Kapazitäten, die Kinder bestmöglich zu betreuen und zu schützen. Organisiert wird diese Präventivarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Sozialpartnern.
Zurzeit gibt es in Nicaragua sechs SOS-Kinderdörfer, vier SOS-Jugendeinrichtungen, eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein SOS-Berufsbildungszentrum sowie 20 SOS-Sozialzentren.
Website von SOS-Kinderdorf Nicaragua (verfügbar auf Spanisch)