Das zweite SOS-Kinderdorf in Indien, Bawana, ging 1974 in Bau. Im Jahre 1976 konnten die ersten Familien einziehen. Das SOS-Kinderdorf befindet sich am Stadtrand von Bawana. Es besteht aus 20 Familienhäusern, die sich um den Dorfplatz gruppieren, Mitarbeiterunterkünften, einer Mehrzweckhalle mit einer Krankenstation sowie den notwendigen Verwaltungsgebäuden. Das SOS-Kinderdorf verfügt über große überdachte Flächen, die in der Regenzeit als Spielplätze und in der Hitzeperiode - wie es landesüblich ist - als Schlafstelle dienen. Die kleineren Kinder werden im SOS-Kindergarten betreut, der auch Kindern aus der Umgebung offen steht. Auf dem dorfeigenen Spielplatz können die Kinder nach Herzenslust umhertollen.
Den Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes steht eine SOS-Jugendeinrichtung im ca. 12 km entfernten Ort Sonipat zur Verfügung. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.
2003 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Bawana. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. Das Familienstärkungsprogramm in Bawana bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung. Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.
Das SOS-Kinderdorf Bawana wurde 1997 vom Sozialministerium in Delhi als beste Kinderfürsorgeorganisation ausgezeichnet.