Im April 1999 erfuhr Helmut Kutin, der Präsident von SOS-Kinderdorf International, von über 200 Kleinkindern, die im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh ihren Eltern zu Adoptionszwecken abgekauft worden waren und nun unter schlimmen Bedingungen in einem von den örtlichen Behörden betriebenen Heim lebten. 30 von ihnen wurden sofort im SOS-Kinderdorf Visakhapatnam aufgenommen. Um auch den anderen helfen zu können, übernahm SOS-Kinderdorf Indien die Leitung des Kinderheimes. Der SOS Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e.V. stellte erste Mittel zur Verfügung, um die ausreichende medizinische Versorgung sicherzustellen und eine Rückführung der Kinder zu ihren Eltern zu ermöglichen. Bis Oktober war es SOS-Kinderdorf Indien gelungen, den Gesundheitszustand der Kinder so weit zu stabilisieren, dass keine weiteren Todesfälle auftraten. Da sich abzeichnete, dass die meisten der Kinder in der Obhut von SOS-Kinderdorf bleiben würden, beschloss man, ein neues SOS-Kinderdorf in Hyderabad zu errichten.
Das SOS-Kinderdorf Hyderabad liegt in Vottinagulapally, 25km außerhalb der Stadt Hyderabad. Es wurde im Januar 2004 offiziell eröffnet und besteht aus zwölf Familienhäusern, Mitarbeiterunterkünften und den notwendigen Verwaltungsgebäuden.
Der SOS-Kindergarten mit seinen beiden Gruppenräumen bietet Platz für 60 Kinder, darunter auch Kinder aus der Nachbarschaft, die tagsüber betreut werden. Für Eltern, die arbeiten müssen, um ihre Familie versorgen zu können, ist eine Betreuung ihrer Kinder während des Tages äußerst wichtig.
2005 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Hyderabad. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. Das Familienstärkungsprogramm in Hyderabad bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung. Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.