Im Bundesstaat Jammu und Kaschmir herrschen seit Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände, bedingt durch Konflikte zwischen der moslemischen Mehrheit und der hinduistischen Minderheit sowie durch die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner politischer Gruppen. Durch häufige Terrorakte gegen Zivilisten wurden zahllose Familien heimatlos und viele Kinder zu Voll- oder Halbwaisen. SOS-Kinderdorf International war schon seit einiger Zeit mit verschiedenen Hilfsprojekten, vor allem für Frauen und Kinder in den großen Flüchtlingslagern, präsent. Bereits 1994 wurden als Soforthilfemaßnahme zahlreiche verwaiste Kinder in gemieteten Häusern untergebracht, während die Errichtung eines SOS-Kinderdorfes geplant wurde. 1998 nahm schließlich das SOS-Kinderdorf Jammu seinen Betrieb auf. Das Dorf liegt am Stadtrand der alten Tempelstadt Jammu und besteht aus zwölf Familienhäusern, Mitarbeiterunterkünften, einer Mehrzweckhalle und den notwendigen Verwaltungsgebäuden.
Die kleinen Kinder werden in einem SOS-Kindergarten betreut, während die älteren die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule besuchen. Diese Schule verfügt über 24 Klassen, vier Labors und eine Bibliothek. Sie umfasst Grund- und Sekundarstufe und hat eine Kapazität von 1.000 Schülern. Kindergarten und Schule werden von Kindern aus dem SOS-Kinderdorf und aus der Umgebung besucht.
2002 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Jammu. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern.
Das Familienstärkungsprogramm in Jammu bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung. Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.