Die Provinz Pandschab litt in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den Ausschreitungen verschiedener Gruppierungen, die die Unabhängigkeit des Gebietes anstrebten. Durch die zahlreichen Gewaltakte gibt es viel Flüchtlingselend und viele verwaiste Kinder in dieser Region. Vorerst wurden einige der elternlosen Kinder in den SOS-Kinderdörfern in der Nähe von Delhi untergebracht, bis die Provinzregierung des Pandschab ein großes Stück Land für den Bau eines SOS-Kinderdorfes in der Stadt Rajpura zur Verfügung stellte. Das ungefähr 250 km von Delhi entfernt gelegene Rajpura ist ein wichtiger Umschlagplatz für Getreide im Südosten der Provinz. Das SOS-Kinderdorf liegt am Stadtrand von Rajpura und besteht aus 14 Familienhäusern, Mitarbeiterunterkünften, einer Mehrzweckhalle und den notwendigen Verwaltungsgebäuden.
Es gibt einen SOS-Kindergarten, in dem auch Kinder aus der Umgebung betreut werden. Schulen, Spitäler und andere wichtige Einrichtungen befinden sich im Umkreis von 3 km. Zur grundlegenden medizinischen Versorgung steht den Dorfbewohnern und den Menschen aus der Nachbarschaft die Krankenstation des SOS-Kinderdorfes zur Verfügung.
Im Jahr 2000 wurde in Rajpura eine SOS-Jugendeinrichtung eröffnet. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.
2003 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Rajpura. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. Das Familienstärkungsprogramm in Rajpura bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung. Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.