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05.02.2019 Aktuelles Alle Projekte & Hilfsprogramme Nepal Wenn die Menstruation verantwortlich für den Tod ist

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In Nepal kann das Tabuthema Menstruation für Frauen und Mädchen zum Tod führen. Heute verbreiteten die Medien eine solche tragische Meldung in der Schweiz: Eine junge Frau verstarb aufgrund einer Rauchvergiftung in einer Menstruationshütte. Die tragische Nachricht bedrückt SOS-Kinderdorf und wir bedauern das Leid, welche durch ein gesellschaftlich konstruiertes Tabu verursacht wird. SOS-Kinderdorf arbeitet mit den lokalen Mitarbeitern in Nepal daran, dieses Tabu zu brechen und Frauen in Nepal und weltweit darin zu bestärken, dass sie stolz auf ihren Körper sind und sich nicht mehr verstecken. 

Stellen Sie sich vor Sie dürfen jeden Monat für 3-6 Tage nicht mehr Nachhause gehen, nicht mehr ihre Freunde und Verwandte treffen oder zur Arbeit gehen. Für ein paar Tage leben sie isoliert und alleine in einer Hütte. Und das passiert Ihnen nur, weil Sie eine Frau sind und Ihre Menstruation haben.

Frauen in Nepal isolieren sich während der Menstruation, da In einigen Regionen und Kulturkreisen die Menstruation als unrein bezeichnet wird. Frauen gehen nicht mehr zur Arbeit und in der Schule in ländlichen Regionen fehlen im Schnitt regelmässig 21% der Mädchen. Frauen und Mädchen schämen sich und bleiben Zuhause. Aber auch Zuhause dürfen sie die Küche nicht mehr betreten, da sie laut traditionellem Glauben die Lebensmittel verunreinigen könnten. So nehmen es einige Frauen auf sich, dem Zuhause fernzubleiben und isoliert von der Familie in einer Menstruationshütte abzuwarten bis die Tage vorbei sind. Die Frauen leiden dadurch psychisch, gesundheitlich und letztlich auch finanziell. Binden oder Tampons kennen die Frauen in ländlichen Gegenden nicht oder wissen nicht, was damit anfangen, denn es wird nicht über die richtige Intimpflege gesprochen. Sie benutzen Lappen und waschen diese nur selten und nur in der Dunkelheit aus, was wiederum Infektionen zur Folge haben kann.

SOS-Kinderdorf ist in Nepal seit 1973 tätig. In Sunsari, im Südosten des Landes, haben wir das Problem erkannt und Massnahmen mit den lokalen Akteuren getroffen, um das Tabu zu brechen. Das wichtigste ist: Reden, Informieren und Aufklären.  Lokale ,,Community Mobiliser’’ organisieren Orientierungs-Meetings mit Frauen aus 150 Familien und sprechen offen über das Thema und erklären, wie Binden den Alltag erleichtern können. Zudem erhalten Frauen und Mädchen über zwei Jahre lang Binden. Währenddessen sollen die Frauen lernen, Binden selbst zu nähen und ein eigenes Geschäft daraus zu machen, damit die Binden nachhaltig in die lokalen Strukturen integriert werden. Diese Massnahmen erhalten bei den Frauen positiven Zuspruch. Sie müssen nicht mehr der Arbeit und der Schule fernbleiben und Frauen und Mädchen wird allmählich bewusst, dass die Menstruation nichts Unreines bedeutet, sondern das pure Gegenteil. Teilnehmende Frauen mussten erkennen, dass sie das erste Mal bei diesen Treffen über die Menstruation gesprochen haben und dies nun endlich auch mit ihren Töchtern machen.

Menstruation ist ein Tabu

In Sunsari, Nepal, sprechen die Frauen endlich über ihre Menstruation.

 

Menstruation ist in den ländlichen Regionen in Nepal ein Tabuthema.

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