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11.09.2019 Aktuelles Alle Äthiopien Zum Betteln gezwungen

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SOS-Kinderdorf unterstützt ein Inklusionsprojekt für Kinder mit Beeinträchtigungen und fördert 100 sehbehinderte Kinder.

 

Gemäss dem ersten «Weltbericht Behinderung» («World Report of Disability») von 2011 leben in Äthiopien schätzungsweise 15 Millionen Kinder
und Erwachsene mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. Viele von ihnen sind bitterster Armut ausgesetzt und schlagen sich überwiegend mit Betteln durchs Leben. Kinder mit Beeinträchtigungen werden zudem oftmals als unproduktive Last betrachtet und aus Scham zu Hause versteckt.

Viele Menschen in Äthiopien sehen in der Geburt eines behinderten Kindes ein schlechtes Zeichen. Sie glauben, die Betroffenen hätten als Familie versagt oder würden für das Fehlverhalten einzelner Familienmitglieder bestraft. Um positiv auf den Umgang mit Menschen mit Behinderungen hinzuwirken, engagiert sich SOS-Kinderdorf Schweiz im Rahmen eines Inklusionsprogramms an mehreren Standorten in Äthiopien. Gesellschaftliche Probleme für Menschen mit Beeinträchtigungen sollen damit langfristig und
nachhaltig reduziert werden. Neben Coachings und der Sensibilisierung der Menschen vor Ort umfasst die Projektarbeit auch die Ausstattung von Kindergärten, medizinischen Zentren oder
Schulgebäuden mit behindertengerechten Zugängen. Die Aufklärung und der Abbau von Vorurteilen gegenüber Personen mit Behinderungen sowie der Zugang zu schulischer und beruflicher Bildung sollen auch beeinträchtigten Kindern eine Chance auf eine berufliche Perspektive und letztlich auf ein selbstbestimmtes Leben eröffnen. Das Inklusionsprojekt in
Äthiopien umfasst die Standorte Addis Abeba, Bahir Dar, Gode, Harar, Hawassa, Jimma und Mekele.

Kinder an Schulen, die über keine Hilfsmittel verfügen, sind auf die Unterstützung ihrer Mitschüler angewiesen. Dies wird oft ausgenutzt. Im schlimmsten Fall werden blinde Mädchen in einer Art Tauschhandel zu sexuellen Handlungen gezwungen.
Erika Dittli, Leiterin Programme
 

Ebenso engagiert sich SOS-Kinderdorf Schweiz im äthiopischen Makalle für 100 sehbehinderte Kinder und unterstützt die Blindenschule in Makalle. Es handelt sich hierbei um ein staatlich finanziertes Internat für blinde und sehbehinderte Kinder. Im Zuge des Projekts stattet SOS-Kinderdorf die Schule mit geeignetem Lehrmaterial aus. Zudem führen wir spezielle Trainings zur Bewältigung des Alltags durch, um die Lebensqualität von blinden Kindern zu erhöhen. Denn die meisten von ihnen konnten sich in dieser Hinsicht bisher keinerlei Kompetenzen
aneignen. Sie haben weder gelernt, mit blinden oder sehenden Menschen zu kommunizieren, noch wurde ihnen gezeigt, wie sie sich ankleiden oder pflegen können. Auch sind sie auf praktische Unterstützung im Haushalt angewiesen. Die Coachings von SOS-Mitarbeitenden vor Ort helfen ihnen, ihren Alltag erträglich zu gestalten.