Das Leben in den Lagern ist die Hölle

Bangladesch: 400.000 Rohingya-Kinder bedroht

14/11/2017 - Keine Nahrung, kein Wasser – und kaum Schutz vor Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel: Etwa 600‘000 Rohingya sind vor der Gewalt in Myanmar seit Ende August nach Bangladesch geflohen, 60 Prozent von ihnen sind Kinder. Doch auch in den Flüchtlingslagern des Nachbarlandes schweben sie in extremer Gefahr. „Das Leben in den Lagern ist die Hölle“, sagt Ghulam Ahmed Ishaque, Leiter von SOS-Kinderdorf in Bangladesch.
Vertreibung und Flucht ist für Rohingya-Kinder traumatisierend. Foto: Abir Abdullah / European Pressphoto Agency

„Die Camps sind ein einziges Chaos und die Kinder sind von Ausbeutung durch Kinderarbeit, Menschenhandel und von Missbrauch bedroht“, sagt Ishaque. Bereits jetzt würden viele Kinder für ein bis zwei Dollar pro Tag für einheimische Unternehmen schuften, um ihre mittellosen Familien zu unterstützen. „Die meisten haben alles verloren und ihr Erspartes auf der Flucht verbraucht“, so Ishaque weiter.

 
Hinzu kommt die miserable Versorgungslage: „Die Kinder hungern und finden kein sauberes Wasser. Sie erkranken lebensgefährlich an Durchfall, Denguefieber und Wurminfektionen“, sagt Ishaque. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Choleraepidemie.
 
Besonders schlimm sei die Situation für Jungen und Mädchen, die alleine geflohen sind, weil ihre Angehörigen in Myanmar ermordet wurden. „Diese Kinder sind extrem gefährdet, anfällig für Krankheiten, Manipulation und Gewalt. Die meisten von ihnen sind schwer traumatisiert und brauchen psychologische Hilfe“, sagt Ishaque.

Die Hilfe von SOS-Kinderdorf

SOS-Kinderdorf errichtet fünf Nothilfe-Kitas in den Flüchtlingslagern für Hunderte Kinder. „Das sind geschützte Bereiche für die Kinder, in denen sie sicher spielen und  lernen können“, erklärt  Ishaque. „Und natürlich bekommen sie hier auch regelmässige Mahlzeiten, werden medizinisch versorgt und von Psychologen betreut.“
 
Doch trotz grosser Anstrengungen vieler Hilfsorganisationen vor Ort und der Regierung von Bangladesch reiche die Versorgung der Kinder noch lange nicht aus. Ishaque: „Die internationale Gemeinschaft muss sofort handeln, um eine Katastrophe zu verhindern und diese Kinder zu schützen!“