Sunita hat dank einem Büffel Lebensmut gefunden

Seit im Dorf Munjedi ausserhalb Delhis das Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf läuft, hat sich das Leben von Sunitas Familie verbessert. Die stolze Besitzerin eines Büffels versorgt ihre Familie nun selbst.

Mithilfe von SOS-Kinderdorf konnte sich Sunita diesen Büffel kaufen.
Sunita ist eine stolze, selbstbewusste Frau. Die Mutter von vier Kindern zwischen 7 und 16 Jahren stellt sicher, dass sie sauber sind und ihre Hausaufgaben gemacht haben, wenn sie zur Schule gehen, sorgt für eine gesunde Ernährung ihrer zwei Mädchen und zwei Buben, hält das Haus blitz-blank und kümmert sich mit viel Engagement um ihren Büffel, der unweit ihres Hauses auf einem Grasflecken weidet. Mit einem strahlenden Lächeln offeriert sie den Besucherinnen Büffelmilch – ein Luxus, den sie sich nun leisten kann.

Vor vier Jahren sah das Leben der 36-jährigen Frau anders aus. Wie ihr Mann verdingte sie sich als Tagelöhnerin, hatte manchmal Arbeit, oft aber nicht. Da die Eltern tagsüber abwesend waren und am Abend abgekämpft nach Hause kamen, kümmerten sie sich mehr schlecht als recht um ihre Kinder, die nur unregelmässig zur Schule gingen. Die Familie lebte zwar in einem von der Regierung zur Verfügung gestellten Häuschen mit zwei Zimmern, doch sie kamen kaum über die Runden.


Erfahren Sie im Video, welche Erfolge dank Familienstärkung erzielt werden konnten.

Das Los der Kinder bessern

Das Leben aller 25 Familien in der ländlichen Gemeinschaft ausserhalb Delhis begann sich zu verändern, als SOS-Kinderdorf dort vor vier Jahren ein Familienstärkungsprogramm (FSP) startete. Dabei geht es laut Prashant Chakrawati, dem FSP-Koordinator vor Ort, in erster Linie darum, das Los der Kinder zu verbessern: Die Kinder sollen in ihren Familien in einer gesunden Umgebung aufwachsen und zur Schule gehen können. Das bedeutet, dass SOS-Kinderdorf auch die Mütter unterstützt: «75 Prozent der Familienarbeit wird von Frauen geleistet. Sie sind für die Entwicklung und Ausbildung der Kinder verantwortlich», sagt Chakrawati.


75 Prozent der Familienarbeit wird von Frauen geleistet.
Der Büffel, den sich Sunita mithilfe von SOS-Kinderdorf und einem Darlehen der neu entstandenen Frauen-Kooperative gekauft hat, ist die Lebensgrundlage der Familie. Dank ihm verdient sie 4800 Rupien (72 Franken) im Monat  und behält jeden Tag zwei Kilogramm der nahrhaften Büffelmilch für die Familie. Mit ihrem Verdienst konnte sie nicht nur das Darlehen zurückzahlen. Inzwischen hat die Familie das Häuschen ausgebaut und verbessert: Ein drittes Zimmer, Strom und ein Kühlschrank gehören ebenso zu den Errungenschaften wie die Toilette. Zudem hat Sunita so viel Geld auf die Seite gelegt, dass sie sich nächstens einen zweiten Büffel leisten kann.

Die Situation der Familie hat sich nicht nur optisch verbessert. Mit der Hilfe zur Selbsthilfe ist auch ein Sinneswandel aufgetreten: «Ich weiss jetzt, wie wichtig Schulbildung für Kinder ist», sagt Sunita, die selber nur bis in die 6. Klasse zur Schule ging. «Deshalb bin ich froh, dass wir nun Strom haben und die Kinder abends, wenn es dunkel ist, ihre Hausaufgaben beim Licht der Lampe erledigen können.»