SOS-Kinderdörfer in Guinea

Guinea verfügt über mehr als ein Drittel der weltweiten Bauxit-Vorkommen. Trotz dieses natürlichen Reichtums gehören die Menschen in Guinea zu den ärmsten in ganz Afrika. Viele Jahre lang litt das Land unter politischer und sozialer Instabilität. SOS-Kinderdorf unterstützt im Rahmen seiner SOS-Kinderdorf-Einrichtungen und Programme hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche in Guinea.

Einige Fakten über Guinea


Beim Wasserholen (Foto: C. Lesske)

Die Republik Guinea liegt an der Atlantikküste in Westafrika und grenzt an Guinea-Bissau, Mali, den Senegal, Sierra Leone, Liberia und die Elfenbeinküste. Mitte des 19. Jahrhunderts besetzten französische Truppen das Gebiet, das damals zu "Französisch-Westafrika" gehörte. Die heutigen Landesgrenzen wurden einst zwischen Frankreich, Großbritannien und Portugal ausgehandelt.

Guinea wurde 1958 von Frankreich unabhängig und rief eine freie Republik aus. Seither hat das postkoloniale Guinea lange Perioden autoritärer Herrschaftsregimes, politischer Instabilität und Repressionen durchlitten. Nach der Unabhängigkeit Guineas zog Frankreich seine Truppen vollständig aus dem Land ab, und die finanzielle Unterstützung wurde unverzüglich eingestellt.

Ein sozialistisches Regierungsprogramm wurde eingeführt und enge Beziehungen zur früheren Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten aufgebaut. Sekou Turés Einparteienstaat überstand eine ganze Reihe von Putschversuchen und endete erst mit seinem Tod im Jahr 1984. Obwohl das sozialistische Experiment zu Ende ging und die Verfassung komplett überarbeitet wurde, ist die Armutsquote nach wie vor sehr hoch.

Guinea verfügt über mindestens ein Drittel der weltweiten Bauxitreserven und über enorme landwirtschaftliche Ressourcen und Wasserkraftreserven, die das Land für ausländische Investoren äußerst attraktiv machen. Trotz seiner natürlichen Reichtümer gehört Guinea zu den ärmsten Ländern der Welt. Ausländische Firmen veredeln das Bauxit im Ausland, und Guinea ist daher nur in geringem Ausmaß am Gewinn beteiligt. Als ob die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes nicht genug wären, hat die instabile Lage in einigen Nachbarländern die Situation in Guinea noch verschlimmert.

Im Jahr 2000 kamen aufgrund des Bürgerkrieges in Liberia und Sierra Leone fast eine halbe Million Flüchtlinge ins Land, was zu ethnischen Spannungen und zusätzlichen Belastungen für die Wirtschaft des Landes führte. Der andauernde Konflikt in Côte d’Ivoire bedeutet eine weitere Gefahr für die Sicherheit des Landes. Die Gesamtbevölkerung Guineas beläuft sich auf 10,3 Millionen, die Landeshauptstadt ist Conakry.

Hohe Analphabetenraten stellen weiterhin ein großes Problem im heutigen Guinea dar

Trotz der Tatsache, dass Guinea reich an Bodenschätzen ist, bleibt die sozioökonomische Situation für die überwiegende Mehrheit der Menschen in Guinea sehr besorgniserregend; ca. 82 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut. Der Zugang zur Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und einer medizinischen Infrastruktur ist für Zehntausende von Guineern äußerst schwierig. Im Jahr 2004 führte ein Anstieg der Preise für Treibstoff und Nahrungsmittel sowie Probleme bei der Stromversorgung in Conakry zu Massenprotesten. Mehr als 100 Demonstranten wurden bei den Protesten erschossen.

In einem Land, in dem bereits 16 Prozent der Bevölkerung unterernährt sind, treiben steigende Preise für Nahrungsmittel Millionen von Guineern an den Rand des Hungertodes. Der Zugang zum Bildungssystem ist ein Luxus, den sich nur wenige Guineer leisten können; folglich hat Guinea eine der niedrigsten Alphabetisierungsraten in der ganzen Welt. Lediglich 29 Prozent der Erwachsenen können lesen und schreiben. Bei den Frauen liegt die Analphabetenquote sogar bei unfassbaren 82 Prozent. Die durchschnittliche Einschulungsquote liegt bei nur 49 Prozent, was bedeutet, dass die Mehrzahl der jungen Guineer niemals eine Schule von innen zu sehen bekommt.

Die Lage der Kinder in Guinea


Schule kann Spaß machen (Foto: C. Lesske)

Der jüngste Teil der Bevölkerung ist eindeutig am schwersten von der prekären sozioökonomischen Situation im Land betroffen. In Guinea werden dringend mehr Finanzmittel für die Gesundheitsfürsorge von Mutter und Kind benötigt. Die Säuglingssterblichkeitsrate ist mit 61 pro 1000 Lebendgeburten sehr hoch. Tausende von Entbindungen, sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen, werden nicht durch medizinisches Personal betreut.

Viele kleine Kinder sterben an vermeidbaren Krankheiten wie Polio, Masern, Malaria oder Gelbfieber. In Guinea waren jahrelang keine Fälle von Polio mehr gemeldet worden, und nun scheint sich die Krankheit in der Region wieder auszubreiten. 40 Prozent der Kinder in Guinea sind chronisch unterernährt, ca. 26 Prozent leiden an Untergewicht. Obwohl in den letzten Jahren diverse Kampagnen gestartet worden sind, um die Mangelernährung von Kindern zu bekämpfen, ist sie dennoch in vielen Gegenden des Landes nach wie vor ein weit verbreitetes Problem.

440 000 Kinder wachsen in Guinea ohne elterliche Fürsorge auf. Schätzungsweise 59 000 Kinder haben ihre Eltern an AIDS verloren, einer Krankheit, die das Leben Tausender Kinder schwer in Mitleidenschaft zieht. 9000 Kinder sind selbst mit HIV infiziert. Mit 1,3 Prozent ist die Prävalenzrate des Landes im Vergleich zu anderen Ländern der Region eher niedrig. Dennoch stellt HIV ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit in Guinea dar.

SOS-Kinderdorf in Guinea

Die Organisation nahm ihre Tätigkeit in Guinea in den 80er Jahren auf. Im Jahr 1985 wurde ein Abkommen mit der damaligen Regierung von Guinea unterzeichnet, und SOS-Kinderdorf wurde ein Landstück für den Bau des ersten SOS-Kinderdorfs kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Bürgerkrieg und politische Spannungen in den Nachbarländern Liberia und Sierra Leone führten zu einem Ausbau der Aktivitäten der Organisation im Land. SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Familien in Guinea an drei verschiedenen Standorten durch Kindertagesstätten, Schulen und medizinische Zentren. Das Ziel der Organisation liegt darin, Familien zu stärken, damit vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohte Kinder in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen können. Kinder, die nicht von ihren eigenen Familien versorgt werden können, finden in einer der SOS-Familien ein neues liebevolles Zuhause.