SOS-Kinderdörfer in Mali

Die Menschen in Mali leiden unter häufigen Dürren, anhaltender Armut und wiederholten gewaltsamen Konflikten. Das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung lassen viel zu wünschen übrig. Knapp 48 Prozent der Bevölkerung sind Kinder unter 14 Jahren. Diese Kinder zählen zu den ärmsten der Welt; Tausende wachsen ohne elterliche Fürsorge auf. SOS-Kinderdorf leistet derzeit an vier permanenten Standorten im Land lebenswichtige Unterstützung für notleidende Kinder und Familien.

Auf der Suche nach Stabilität


In der Schule (Foto: E. Lavenac).
Die Gesamtbevölkerung von Mali beläuft sich auf 15,9 Millionen (Juli 2013, Schätzung), die Hauptstadt Bamako hat 1,6 Millionen Einwohner. Die Sahara und die Wüste Sahel erstrecken sich praktisch über das ganze malische Territorium, wodurch das Land extrem trocken ist und unter ständiger Dürre leidet.

Im Jahr 1992 gewann Alpha Oumar Konaré die ersten freien Wahlen des Landes. Die politische und soziale Lage in Mali war recht stabil, bis im März 2012 Präsident Touré durch einen Militärputsch gestürzt wurde. Durch den bewaffneten Konflikt im Norden des Landes wurden Hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Sie flohen nach Süden oder in die angrenzenden Nachbarstaaten. Nach monatelangen schweren Kämpfen entspannte sich die Lage gegen Ende des Jahres, aber militante Gruppen wüteten weiter in einigen Landesteilen. Unter der Aufsicht der Friedenstruppen der UN, die für Stabilität zu sorgen versuchten, wurden im Sommer 2013 neue Präsidentschaftswahlen abgehalten.

Obwohl die Armutsrate deutlich gesunken ist, bleiben noch viele Probleme zu lösen

Trotz einiger Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten gehört Mali nach wie vor zu den ärmsten Ländern Afrikas. Laut Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen leben 51 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Die Armut ist in einigen ländlichen Regionen des Landes besonders weit verbreitet. Die Landbevölkerung der Sahara und der Sahelzone leidet unter unvorstellbar prekären Lebensbedingungen. Zahlreiche Menschen leben von der Subsistenzwirtschaft. Naturkatastrophen haben verheerende Folgen: werden ihre Ernten zerstört, sind sie vom Hungertod bedroht. In jüngster Zeit wurde das Land von einer schweren Nahrungsmittelkrise getroffen. Die Völkergemeinschaft hat zu Hilfsprogrammen für Mali aufgerufen.

Da die Investitionen meist auf Lebensmittelhilfen und die Wiederherstellung der politischen Stabilität ausgerichtet waren, hat die Regierung nicht genügend Mittel für die Bildung und angemessene medizinische Versorgung der Bevölkerung. Hunderttausenden Maliern bleibt ein Zugang zum Bildungssystem verwehrt. Obwohl mittlerweile mehr Kinder eingeschult werden, brechen viele den Schulbesuch ab, wenn sie die Sekundarstufe erreichen. Infolgedessen können nur 28 Prozent der Malier lesen und schreiben. Die Alphabetisierungsrate ist in den Städten höher als auf dem Land und bei Männern höher als bei Frauen.

Kinder brauchen Hoffnung auf eine bessere Zukunft


Zwei kleine Mädchen, die aus ihrer Heimat im Norden des Landes flüchten mussten. SOS-Kinderdorf leistet Kindern und Familien Unterstützung, die durch den bewaffneten Konflikt vertrieben worden sind (Foto: K. Thomas).
Mali hat die zweithöchste Geburtenrate der Welt: die malische Frau bekommt im Durchschnitt 6,3 Kinder. In den vergangenen Jahrzehnten war die Mangelernährung von Kindern ein zunehmend besorgniserregendes Problem. Mehr als ein Drittel aller malischen Kinder leiden an Kleinwuchs. Selbst in guten Zeiten gibt es in Mali keine ausreichende Lebensmittelversorgung für die Bevölkerung. Während der Dürreperioden oder in Zeiten bewaffneter Konflikte ist die Situation für Kinder besonders prekär.

Die jüngsten politischen Wirren hatten noch weitere Folgen für das Leben der Kinder. Internationalen Berichten zufolge wurden Jungen von bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten rekrutiert. Mädchen wurden an die Rebellen zwangsverheiratet. Zahlreiche Familien mussten flüchten, ihre Häuser und ihr Hab und Gut zurücklassen. Wenn Familien kaum ausreichend Nahrung und keine sichere Bleibe haben, wird zwangsläufig die Bildung ihrer Kinder vernachlässigt. Darüber hinaus sind Kinder gewaltsamen Übergriffen und Menschenhändlern häufig schutzlos ausgesetzt.

In zahlreichen Landesteilen werden Mädchen und Frauen nach wie vor benachteiligt. Die schulischen und beruflichen Möglichkeiten sind für Frauen allgemein sehr begrenzt. Schätzungsweise 92 Prozent aller Frauen wurden Opfer von Genitalverstümmelung. Frühehen und frühe Schwangerschaften sind weit verbreitet - mehr als ein Fünftel aller malischen Frauen sind mit 15 und 75 Prozent mit 18 Jahren bereits verheiratet. Häufig bekommen sie sehr früh eigene Kinder, und aufgrund des Mangels an medizinischer Versorgung ist das Risiko von lebensbedrohlichen Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt sehr hoch.

SOS-Kinderdorf in Mali

SOS-Kinderdorf setzt sich in Mali seit 1987 für den Schutz und die Unterstützung gefährdeter Kinder und ihrer Familien ein. Unsere SOS-Familienstärkungsprogramme helfen Kindern, die vom Verlust der familiären Fürsorge bedroht sind. Derzeit unterstützt SOS-Kinderdorf Kinder und Jugendliche an vier permanenten Standorten durch Tagesbetreuung, Bildungsangebote und medizinische Versorgung. Wenn Kinder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, werden sie in einer der SOS-Familien von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

In jüngster Zeit haben wir zwei Nothilfeprogramme durchgeführt: im Jahr 2012 leisteten wir Unterstützung während der Hungerkrise in der Sahelzone, und 2013 halfen wir Familien, die durch die Kämpfe im Norden des Landes vertrieben worden waren.