SOS-Kinderdörfer in Südafrika

Der frühere Staatschef und Präsident des ANC Nelson Mandela war einer der bekanntesten Befürworter von SOS-Kinderdorf in Südafrika. Vor dem Hintergrund der HIV/AIDS-Pandemie in Südafrika konzentriert sich die Organisation auf die Umsetzung kommunaler Programme zur Kinderbetreuung und Unterstützung der Gemeinden, um gefährdeten Kindern und ihren Familien zu helfen.


Kinder in unserer Obhut können in einer sicheren Umgebung spielen (Foto: SOS-Archiv)

Die erste Regierung Südafrikas nach der Apartheid hat 1995 die UN-Kinderrechtskonvention (CRC) und kurz darauf auch die Afrikanische Charta über die Rechte und das Wohl des Kindes ratifiziert. Nichtsdestotrotz leidet nach wie vor ein Großteil der Kinder in Südafrika an extremer Armut.

Kinder unter 18 Jahren machen zwei Fünftel der südafrikanischen Bevölkerung aus. Die meisten dieser Kinder sind Schwarzafrikaner. In Südafrika leben nahezu
3,9 Millionen Waisenkinder. 

Zirka zwei Millionen von ihnen haben ein oder beide Elternteile an AIDS verloren, und 360 000 von ihnen sind selbst mit HIV infiziert - das ist eine sehr traurige Zahl, die zeigt, in welchem Ausmaß die Krankheit den jüngsten Teil der Bevölkerung bereits in Mitleidenschaft gezogen hat. Durch die HIV/AIDS-Pandemie ist in Südafrika die Wahrung der Kinderrechte gefährdet. Kinder, deren Eltern HIV-positiv sind, sind dem Risiko der eigenen Ansteckung ausgesetzt, leiden unter der Angst vor dem Verlust der elterlichen Fürsorge und sind von sozialer Ausgrenzung und Vernachlässigung bedroht. Insgesamt gesehen ist HIV/AIDS einer der Hauptgründe für die weitere Verbreitung der Armut im Land.

Die Zahl der Kinder, die ohne elterliche Fürsorge aufwachsen, ist in letzter Zeit vor allem in den Provinzen Eastern Cape und KwaZulu-Natal gestiegen. 82 000 südafrikanische Kinder unter leben in kindergeführten Haushalten. Viele Kinder und Jugendliche können aufgrund von finanziellen Nöten, oder weil sie das Essen für die Familie auf den Tisch bringen müssen, keine Schule besuchen. Südafrika hat in den letzten Jahren die Zugangsmöglichkeiten zum Bildungssystem deutlich verbessert. Die Einschulungsquote liegt derzeit bei 86 Prozent.

Die Zukunftschancen eines Kindes hängen von den sozioökonomischen Lebensbedingungen der Eltern ab. Die während der Kindheit verpassten Chancen können später oft nicht nachgeholt werden; das bedeutet, dass ein Kind, das heute arm ist, sehr wahrscheinlich auch in der Zukunft ein Leben in Armut fristen wird. Da die Armut sich häufig durch mehrere Generationen zieht, ist es von größter Bedeutung, diesen Teufelskreis in jungen Jahren zu durchbrechen und armen Kindern die Chance auf Bildung und eine liebevolle familiäre Umgebung zu bieten.