SOS-Kinderdörfer in Uganda

Trotz der Entdeckung großer Öl- und Gasreserven herrscht in Uganda ein alarmierend hohes Armutsniveau und ein hoher Grad an politischer Unsicherheit. Der Zugang zur Grundversorgung ist vor allem in den ländlichen Regionen des Landes stark eingeschränkt. SOS-Kinderdorf setzt sich für den Schutz und die Unterstützung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen in Uganda ein.

Einige Fakten über Uganda


In der Schule (Foto: B. Neeleman)

Die Republik Uganda ist ein Binnenstaat in Ostafrika und grenzt an Kenia, den Süd-Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Tansania. Ein großer Teil des Viktoriasees, der sich auch auf die Nachbarländer Kenia und Tansania erstreckt, liegt im Hoheitsgebiet von Uganda. Wie auch in vielen anderen afrikanischen Nationen wurden durch die einstige koloniale Grenzziehung verschiedene ethnische und linguistische Bevölkerungsgruppen zusammengeschlossen, ohne dass ihre unterschiedlichen politischen Systeme, Kulturen oder Glaubensrichtungen in Betracht gezogen worden wären. Uganda erklärte 1962 seine Unabhängigkeit von Großbritannien.

In den 70er und 80er Jahren war die Geschichte des Landes von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnet. Während der Militärdiktatur von Idi Amin von 1971 bis 1979 wurden schätzungsweise 300 000 Menschen Opfer der staatlichen Gewaltherrschaft.

Die Entdeckung der Öl- und Gasreserven im Westen Ugandas hat viele ausländische Investoren ins Land gezogen und das Vertrauen in die Wirtschaft des Landes gestärkt. Das hohe Maß an Korruption verhindert jedoch nach wie vor die Entwicklung des Landes und könnte das Ansehen Ugandas als Entwicklungsland mit Vorbildcharakter in der Region gefährden. Internationale Organisationen haben Uganda dazu aufgefordert, das nationale Einkommen gerechter zu verteilen. Dafür ist es dringend notwendig, die Sozialausgaben vor allem auf den Gebieten der Bildung und der Kompetenzentwicklung zu steigern. Derzeit befinden sich 35 Prozent des nationalen Einkommens in den Händen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung. In den vergangenen Jahren sind eine Reihe von demokratischen und wirtschaftlichen Reformen eingeführt worden, und die Inflation ist deutlich gesunken.

Der Terror, der durch eine der grausamsten Guerillagruppen Afrikas, der "Lord's Resistance Army" (LRA), verbreitet wird, hat sich mittlerweile auch auf die Nachbarstaaten ausgeweitet. Die LRA versucht, in Uganda eine islamische Herrschaft einzuführen und hat eine große Zahl von Kindersoldaten rekrutiert, um ihre Ziele durchzusetzen.

Die Aktivitäten der LRA in der Demokratischen Republik Kongo haben in jüngster Zeit zu Konflikten zwischen den beiden Ländern geführt. Im Jahr 2011 wurde ein umstrittener Gesetzesentwurf vorgelegt, der für den Verstoß gegen die nationalen Gesetze gegen Homosexualität die Todesstrafe vorsah. Nach diesem Gesetzesentwurf hätte jedem Menschen, der "homosexuelle Aktivitäten" beobachtet und sie nicht gemeldet hätte, eine Gefängnisstrafe gedroht. In Folge internationaler Empörung und Proteste wurde der Gesetzesentwurf schließlich von der Regierung Ugandas abgelehnt. Die Gesamtbevölkerung des Landes umfasst ca. 32 Millionen Einwohner.

Trotz natürlicher Reichtümer gibt es nach wie vor sozioökonomische Probleme und große Armut

Obwohl in Uganda die hohe Armutsquote deutlich gesenkt worden ist, bleibt vor allem das Leben in den ländlichen Regionen extrem hart. Uganda wird häufig von Dürren geplagt; Tausende von Subsistenzbauern und ihre Familien leben zu bestimmten Zeiten des Jahres unter äußerst prekären Bedingungen. Ob sie ausreichend Nahrung haben oder hungern, hängt häufig von der Klimasituation ab.

Uganda wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht. Im Jahr 2010 forderten verheerende Erdrutsche viele Menschenleben; Tausende wurden zu Vertriebenen. Vor allem im Norden und Nordosten des Landes haben die Menschen bislang nicht vom Wirtschaftsaufschwung des Landes profitiert. In diesen Regionen ist das Leben vieler Menschen von einem großen Mangel an Nahrungsmitteln und schrecklichen Hungersnöten geprägt. Nur 38 Prozent der Bevölkerung Ugandas haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Millionen fristen ihr Dasein in Baracken ohne ordentliche sanitäre Einrichtungen und ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung oder zum Bildungssystem. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes lebt von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag.


Obwohl sich die Lage seit den 90er Jahren spürbar verbessert hat, zählt die extrem hohe HIV-Prävalenzrate von 16 Prozent zu den höchsten in der ganzen Welt. Die Mutter-Kind-Übertragung von HIV ist in Uganda nach wie vor ein äußerst beunruhigendes Problem. Trotz einer Reihe von Programmen zur Senkung der Ansteckungsquoten während der Schwangerschaft sind in Uganda 150 000 Kinder mit HIV infiziert. Mittlerweile nehmen jedoch mehr und mehr Frauen antiretrovirale Medikamente, und es wird erwartet, dass die Zahl der infizierten Neugeborenen in den kommenden Jahren weiter sinken wird.

Die Lage der Kinder in Uganda


SOS-medizinisches Zentrum (Foto: B. Neeleman)

Demographisch gesehen ist Uganda ein extrem junges Land; fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre. In Uganda haben 2,7 Millionen Kinder einen oder beide Elternteile verloren - die Hälfte von ihnen an der grassierenden AIDS-Epidemie, die nach wie vor die Gesellschaft in Uganda vor große Probleme stellt. Trotz der jüngsten Fortschritte wachsen Tausende von Kindern in Uganda aufgrund von AIDS ohne die Betreuung und Fürsorge durch Erwachsene auf. Viele dieser Kinder haben niemals eine wirkliche Kindheit erlebt. Sie müssen schon in jungen Jahren den Haushaltsvorstand übernehmen und für eine ganze Familie sorgen. Sie sind häufig dazu gezwungen, die Schule abzubrechen und zu arbeiten, um für das Überleben ihrer Familie zu kämpfen.

Aufgrund von HIV/AIDS, Kriegen, Naturkatastrophen und politischen Unruhen ist die Zahl der kindergeführten Haushalte in Uganda weiter gestiegen - derzeit müssen ca. 42 000 Kinder zwischen 10 und 17 Jahren die Rolle des Haushaltsvorstandes übernehmen.
Die wirtschaftliche Situation der haushaltsführenden Kinder ist häufig prekär. Obwohl das öffentliche Gesundheitssystem im großen und ganzen verbessert worden ist, zeigen viele Indikatoren in Uganda doch ein ganz anderes Bild: die Säuglingssterblichkeitsrate unter fünf Jahren ist mit 128 pro 1000 Lebendgeburten nach wie vor sehr hoch, und in Tausenden von Fällen werden die Geburten nicht durch medizinisches Fachpersonal betreut. Ansteckende Viruserkrankungen, die in den Industrienationen leicht behandelt werden können, kosten immer noch vielen Kindern das Leben.

Kinder, die ihre Eltern verloren haben und auf der Straße enden und plündern oder betteln, um zu überleben, sind in den größeren Städten Ugandas ein weit verbreitetes Bild. In Uganda leben schätzungsweise 10 000 Straßenkinder, die täglich extrem harten und feindlichen Lebensbedingungen ausgesetzt sind. Sie sind im Teufelskreis aus Drogen, Armut und häufig auch kriminellen Machenschaften gefangen. Darüber hinaus werden Tausende von Kindern von Rebellen entführt, die sie in jungen Jahren zum Töten und Foltern ausbilden. Die Rehabilitierung dieser traumatisierten Kindersoldaten, die ins Land heimkehren, wurde von der Regierung Ugandas zur nationalen Priorität erklärt.

SOS-Kinderdorf in Uganda

Unsere Organisation begann ihre Tätigkeit in Uganda im Jahr 1988. Das erste SOS-Kinderdorf wurde in einer Region errichtet, die schwer an den Folgen des Krieges litt. Die Zusammenarbeit mit der Regierung Ugandas wurde im Jahr 2002 durch die Unterzeichnung eines neuen Abkommens intensiviert, wodurch die Arbeit unserer Organisation mehr Unterstützung und Anerkennung von Seiten der Behörden gewonnen hat. Derzeit unterstützen wir Kinder und Jugendliche in Uganda durch Kindertagesstätten, Schulen, medizinische Zentren und Berufsbildungszentren an vier verschiedenen Standorten. Darüber hinaus wurden Familienstärkungsprogramme ins Leben gerufen, um vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohte Kinder zu unterstützen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Uganda
(verfügbar auf Englisch)