SOS-Kinderdörfer in Jordanien

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Jordanien in den 80er Jahren. Anfänglich war unsere Organisation in Amman vertreten. Im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte wurde die Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien auch auf die Hafenstadt Akaba und die Stadt Irbid im Norden des Landes ausgedehnt.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten


Kinder in der Obhut von SOS-Kinderdorf gehen gemeinsam mit Kindern aus dem Nachbarschaft in die Schule (Foto: SOS-Archiv).
Das Haschemitische Königreich Jordanien liegt im Nahen Osten und grenzt im Norden an Syrien, im Nordosten an den Irak, im Süden und im Osten an Saudi-Arabien, im Süden an den Golf von Akaba sowie im Westen an Israel und das Westjordanland.

Die Bevölkerung des Landes beläuft sich auf 6,5 Millionen (Juli 2013, Schätzung), die Hauptstadt Amman hat 1,1 Millionen Einwohner. Ca. 80 Prozent der Menschen leben in den Stadtgebieten. Jordanien liegt in einer der politisch instabilsten Regionen der Welt, wodurch das Land in großem Ausmaß von den wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten in den Nachbarländern beeinflusst wird. Im Jahr 2011, während Veränderungen in den Nachbarländern stattgefunden haben, gingen Gruppierungen der jordanischen Bevölkerung auf die Straße, um politische Veränderungen zu verlangen. Darüber hinaus hat die Ankunft der Flüchtlinge auf der Flucht vor dem syrischen Konflikt, die öffentlichen Dienstleistungen unter Druck gesetzt.

Das Leben der Menschen wurde durch die jüngsten politischen Veränderungen negativ getroffen

Jordanien weist einen der höchsten Lebensstandards der Region auf. Im Jahr 2010 belegte Jordanien auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen unter allen arabischen Ländern den siebten Platz, womit es in die Kategorie der "hohen menschliche Entwicklung" aufgestiegen ist. Der Großteil der Bevölkerung genießt einen hohen Bildungsstandard, und die meisten Menschen haben Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung. Die Verbesserungen im Gesundheitssystem, das sich hauptsächlich auf den Bereich der Prävention konzentriert, haben zu einer deutlichen Senkung der Säuglings- und Müttersterblichkeitsraten geführt. Die Lebenserwartung gehört zu den höchsten in der Region; sie beträgt 78,7 Jahre für Männer und 81,4 Jahre für Frauen.

Die Wirtschaft wurde durch die jüngsten politischen Unruhen im Land und in der Region beeinträchtigt. Früher war der Tourismus eine bedeutende Einkommensquelle, aber in letzter Zeit ist die Anzahl von Besuchern zurückgegangen. Die offizielle Arbeitslosenquote ist mit ca. 12,5 Prozent relativ hoch. Die Armut ist hauptsächlich in den ländlichen Regionen weit verbreitet, in denen die Haushalte meist aus mehr Personen bestehen und es weniger Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Infolgedessen ziehen viele Menschen vom Land in die Städte, vor allem nach Amman und die umliegenden Gebiete, in denen es einen besseren Zugang zur Grundversorgung und mehr Chancen auf Arbeit gibt. Dieser Zuwachs stellt jedoch die Städte vor neue Herausforderungen.

In Jordanien leben mehr als zwei Millionen Flüchtlinge; ca. 1,8 Millionen stammen aus Palästina, etwa 500 000 aus dem Irak. Weitere geschätzte 160 000 Menschen wurden 1967 durch den israelisch-arabischen Krieg zu Binnenflüchtlingen. In jüngster Zeit haben um die 500.000 Vertriebenen (Juli 2013, Schätzung) aus dem syrischen Bürgerkrieg, Zuflucht in jordanischen Flüchtlingslagern gesucht.

Kinder brauchen Schutz


SOS-Brüder sitzen um den Familientisch und machen ihre Hausübungen (Foto: SOS-Archiv).
Durch das hohe Maß an politischem Engagement konnte Jordanien die Lebenssituation für die Mehrheit der Kinder des Landes verbessern. Die meisten Kinder haben in Jordanien Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem. Bildung hat in der jordanischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert, und die Regierung investiert große Summen in diesen Bereich.

Zu den vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern gehören Kinder, die bereits ein Elternteil verloren haben, uneheliche Kinder oder Kinder, deren Eltern geschieden sind. Die Großfamilie spielt in der jordanischen Kultur eine große Rolle. Wenn Kinder nicht länger bei ihren Eltern leben können, werden sie häufig von Mitgliedern der Großfamilie betreut.
Dennoch leben viele Kinder nach wie vor in Armut. Kinder aus armen Familien werden häufig zum Arbeiten gezwungen, was zur Folge hat, dass sie nicht länger zur Schule gehen können. Viele Kinder sind harten und gefährlichen Arbeitsumgebungen in der Bauindustrie, dem Zimmerhandwerk oder der mechanischen Industrie ausgesetzt. Die Zahl der Kinder, die Zwangsarbeit verrichten, nimmt ebenso zu wie die Zahl der Kinder, die auf der Straße leben und betteln, um zu überleben.

SOS-Kinderdorf in Jordanien

SOS-Kinderdorf hat in Jordanien eine Reihe von Aktivitäten ins Leben gerufen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder, jungen Menschen und Familien in den Gebieten gerecht zu werden, in denen unsere Organisation tätig ist. SOS-Kinderdorf reagiert auf die lokalen Bedürfnisse und bietet den Gemeinden Unterstützung durch Kindertagesstätten und Bildungsangebote. Das Sozialzentrum in Amman bietet langfristige Unterstützung, häufig in Form von Beratungen, und psychologischem Beistand für alle Lebenslagen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie. Wenn die Kinder aufwachsen und somit neue Bedürfnisse entwickeln, können sie in spezielle Unterkünfte ziehen, in denen sie von ausgebildeten Fachkräften auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet werden.


Website von SOS-Kinderdorf Jordanien
(verfügbar auf Englisch und Arabisch)