SOS-Kinderdörfer im Libanon

SOS-Kinderdorf ist seit Mitte der 60er Jahre im Libanon tätig und setzt sich für die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien ein. Unsere Organisation war auch während des Bürgerkrieges aktiv, der das Land von 1975 bis 1990 erschütterte. Nach dem israelisch-libanesischen Konflikt im Jahr 2006 baute SOS-Kinderdorf seine bestehenden Programme weiter aus (beispielsweise durch die Einführung psychosozialer Hilfe), um Kindern und Familien zu helfen, die an Kriegstraumata litten. Derzeit ist unsere Organisation an landesweit fünf Standorten vertreten.


Freunde (Foto: R. Ben Messalem)

Libanon hat 4,1 Millionen Einwohner (Juli 2011, Schätzung). In der Hauptstadt Beirut leben 1,9 Millionen Menschen. Die Bevölkerung setzt sich mehrheitlich aus Arabern zusammen, daneben gibt es unter anderem palästinensische, armenische und syrische Minderheiten. Im Libanon sind viele verschiedene Religionen vertreten, und die hohen politischen Ämter sind Angehörigen bestimmter religiöser Gruppen vorbehalten. Die größten praktizierten Religionen sind der Islam (Sunniten Schiiten und Drusen) und das Christentum (Maroniten und griechisch-orthodoxe Gläubige).


Blättern in einem Fotoalbum (Foto: R. Ben Messalem)

Im Libanon leben ca. 1,3 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Sie leiden schwer an den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen des Bürgerkriegs im Libanon. In jüngster Zeit waren die Kinder auch von den finanziellen und emotionalen Auswirkungen des jüngsten Konfliktes aus dem Jahr 2006 betroffen. Das Gesundheitssystem des Landes befindet sich immer noch im Wiederaufbau, damit Kinder Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung erhalten können. Während des Konflikts wurden auch viele Schulen beschädigt, und internationale Hilfsorganisationen beteiligen sich gemeinsam mit der Regierung am Wiederaufbau.

Schätzungsweise 100 000 Kinder und Jugendliche müssen Zwangsarbeit verrichten. Die Zahlen sind je nach Gegend unterschiedlich und im Norden des Landes und in der Region Mount Lebanon am höchsten. Kinder arbeiten in Lebensmittelläden, kleinen Werkstätten oder sammeln zur Wiederverwertung geeignete Materialien. Mädchen werden häufig von ihren Eltern "verkauft", um als Hausangestellte zu arbeiten. Häufig gehen diese Kinder nicht zur Schule.

Obwohl die Zahl der Kinder, die eine Vorschule besuchen, gestiegen ist und sehr viele Kinder eingeschult werden, gibt die Quote der Schulabbrecher Anlass zur Sorge. Schätzungen zufolge brechen mehr als 32 Prozent der Kinder zwischen 12 und 13 Jahren die Schule ab. Jungen sind noch häufiger als Mädchen betroffen. Die Bildungsquoten in der Sekundarstufe sind wesentlich niedriger und liegen bei 74,9 Prozent. Im Verhältnis besuchen mehr Mädchen als Jungen eine Sekundarschule.