SOS-Kinderdörfer in der Mongolei

Nach dem Zusammenbruch der früheren Sowjetunion kamen die schrecklichen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in der Mongolei zutage. Deshalb beschloss SOS-Kinderdorf, in diesem Land tätig zu werden. Die wirtschaftliche Instabilität hat zu einem Anstieg der Kinder geführt, die ohne elterliche Fürsorge und unterhalb der Armutsgrenze leben mussten. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat SOS-Kinderdorf seine Aktivitäten weiter ausgebaut und an die Bedürfnisse von Kindern, jungen Menschen und Familien in der Mongolei angepasst.

Einige Fakten über die Mongolei


Kinder posieren für die Kamera (Foto: L. Wolf Nielsen)

Die Mongolei ist ein Binnenland im Osten Zentralasiens und grenzt im Norden an Russland sowie im Osten, Süden und Westen an die Volksrepublik China. In der Mongolei leben etwa 3,1 Millionen Menschen (Juli 2011, Schätzung). Die Hauptstad Ulan-Bator hat knapp eine Million Einwohner (2008, Schätzung). Die meisten Bewohner des Landes sind Mongolen, die offizielle Landessprache ist Chalcha-Mongolisch. Die vorherrschende Religion ist der buddhistische Lamaismus.

In der Mongolei herrschen extreme klimatische Bedingungen vor. Die Winter sind lang und bringen subarktische Temperaturen; die Sommer sind mit bis zu 40°Celsius sehr heiß. Die unvorhersehbaren Wetterbedingungen führen häufig zur Zerstörung der Ernte und zu einem großen Viehsterben, was die Familien in den ländlichen Regionen, die ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft und Viehzucht bestreiten, vor ernste Probleme stellt.

Infolge der Perestroika in Russland begann 1989 eine Zeit der politischen und wirtschaftlichen Reformen. Die Verfassung wurde neu geschrieben und im Jahr 1992 wurde ein demokratisches Mehrparteiensystem eingeführt. Die Mongolische National-Demokratische Partei gewann 1996 die Parlamentswahlen und läutete das Ende von 75 Jahren kommunistischer Herrschaft in der Mongolei ein.

Anhaltend hohes Armutsniveau trotz Wirtschaftswachstum

Die mongolische Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen rasanten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel vollzogen. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren Armut und Arbeitslosigkeit weit verbreitet. Die Wirtschaft hat sich mittlerweile langsam erholt; das Wirtschaftswachstum lag von 2004 bis 2008 bei durchschnittlich neuen Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt hatte im Jahr 2010 einen Anstieg von ca. sechs Prozent zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 11,5 Prozent (2009, Schätzung).

Derzeit sind ungefähr 61 Prozent der Bevölkerung im Dienstleistungssektor, fünf Prozent in der Industrie und ca. 34 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt. Einige Wirtschaftsexperten sind der Meinung, dass das Land aufgrund seiner reichen natürlichen Ressourcen eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaften der Welt werden könnte.

Trotz der jüngsten Steigerung des Lebensstandards ist das Armutsniveau in den letzten beiden Jahrzehnten konstant hoch geblieben - über 36 Prozent der Menschen leben unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Die Bewohner der ländlichen Regionen sind besonders benachteiligt. Die Armutsrate ist in den letzten Jahren gestiegen; weniger als die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur ein Drittel zu sanitären Einrichtungen. Darüber hinaus sahen sich viele Familien gezwungen, aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten auf der Suche nach Arbeit in die Städte zu ziehen. Derzeit leben knapp zwei Drittel der Mongolen in den Stadtgebieten, aber die Zahlen steigen rasch an.

Die Lage der Kinder in der Mongolei


Kleiner Junge im Unterricht (Foto: C. Martinelli)

In der Mongolei leben etwa 862 000 Kinder unter 18 Jahren. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Regierung verstärkt für die Wahrung und den Schutz der Kinderrechte eingesetzt und internationale Verträge ratifiziert sowie nationale Gesetze in diesem Bereich erlassen. Das Leben der Kinder ist in vieler Hinsicht verbessert worden; beispielsweise sind die Säuglings- und Kindersterblichkeitsraten gesenkt worden. Dennoch werden die Kinder des Landes durch die anhaltenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen immer wieder vor neue Probleme gestellt. Die hohe Armutsquote und die sozialen und geographischen Ungleichheiten behindern den Fortschritt bei der Verbesserung der Lebenssituation vieler Kinder.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Steigungsraten und die Zahl der an Kindern begangenen Verbrechen gestiegen. Auch die Zahl der minderjährigen Straftäter ist gestiegen - ca. zehn Prozent der Insassen in den Gefängnissen sind unter 18 Jahren. Die häufigsten Gründe für eine Verurteilung sind Diebstähle und Raubüberfälle.

Die Kinderarbeit stellt ein anhaltendes Problem dar. Etwa18 Prozent der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten. Kinder auf dem Land werden häufiger zu nicht entlohnter Arbeit gezwungen- Schätzungen zufolge arbeiten ca. 90 Prozent der Kinder auf dem Land für ihre Familien. Sie gehen seltener zur Schule, wodurch ihre zukünftigen Chancen, als Erwachsene eine Arbeit zu finden, stark eingeschränkt werden.

Die prekäre Lage der Frauen und Kinder, vor allem in den ärmeren ländlichen Regionen, macht sie anfällig für die falschen Versprechungen von Menschenhändlern. Frauen und Kinder aus der Mongolei werden zum Zwecke der kommerziellen sexuellen Ausbeutung und für die Verrichtung von Zwangsarbeit nicht nur in die benachbarten Regionen sondern auch in weit entfernte Länder verschleppt. Man geht davon aus, dass die Zahlen auf dem Vormarsch sind, und die Regierung hat einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels ins Leben gerufen.

SOS-Kinderdorf in der Mongolei

Die veränderte soziale, wirtschaftliche und politische Situation in der Mongolei hat zu einem Anstieg der Zahl von Kindern und Familien in Not geführt. SOS-Kinderdorf geht im Rahmen von unterschiedlichen Programmen auf diese veränderten Bedürfnisse ein. Junge Menschen können in speziellen Unterkünften auf ihrem Weg in die Selbständigkeit von ausgebildeten Fachkräften begleitet werden.

Die SOS-Sozialzentren bieten Familienstärkungsprogramme zur Unterstützung von Familien in Not und geben Eltern die Möglichkeit, ihre elterlichen Kompetenzen auszubauen und ihre Kenntnisse im Bereich der Ernährung, der Gesundheit und der Finanzen zu vertiefen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.