SOS-Kinderdörfer in Sri Lanka

Nach den langen Jahren des Bürgerkriegs versucht die tropische Insel Sri Lanka, zur Normalität zurückzukehren. Zehntausende Bewohner Sri Lankas waren während des Krieges intern vertrieben worden. SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Jugendliche im ganzen Land dabei, sich eine eigene Zukunft in einem friedlichen und positiven Umfeld zu schaffen.

Das Land erholt sich von jahrelangen Konflikten


Glücklich, dass er die SOS-Kinderdorf-Schule besuchen kann (Foto: D.Sansoni).
Die Republik Sri Lanka liegt im Indischen Ozean. Im 14. Jahrhundert wurde ein tamilisches Königreich im Norden Sri Lankas gegründet. Während der Kolonialzeit mussten tamilische Arbeiter auf den Tee- und Kaffeeplantagen im Hochland arbeiten und machten Sri Lanka damit zu einem der Hauptanbauländer für Tee. Sri Lanka wurde von den Engländern "Ceylon" genannt, und im Jahr 1948 wurde das Land unter dem Namen "Dominion of Ceylon" von Großbritannien unabhängig. In der Folge kam es zu ethnischen Spannungen zwischen der Mehrheit der Singhalesen und der tamilischen Minderheit, die schließlich zu einem langen Bürgerkrieg führten, der in den 80er Jahren mit dem Anspruch der Tamilen auf Selbstbestimmung seinen Ausbruch fand.

Im Jahr 2002 wurde nach zwei Jahrzehnten andauernder Kämpfe ein Waffenstillstand geschlossen, und es kam zu ersten Friedensgesprächen. 2009 wurden die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den tamilischen Tigern und den Regierungstruppen endlich beendet. Der Krieg hatte schwere Folgen für die Bevölkerung des Landes, vor allem für kleine Kinder und Jugendliche. Zehntausende Menschen in Sri Lanka sind durch den Konflikt zu internen Vertriebenen geworden. Der Tsunami 2004 kostete 40,000 Leben und noch vielen mehr ihr Heim. Im Jahr 2011 wurden Hunderttausende Menschen in Sri Lanka durch die massiven Überflutungen im Osten des Landes obdachlos.

Familien kämpfen weiter um ihr Überleben

Die Armutsraten sind in Sri Lanka in den letzten Jahren deutlich gesungen. Während im Jahr 2006 noch ca. 15 der Menschen in Sri Lanka ein Leben in Armut fristeten, war diese Zahl bis 2010 auf 8,9 Prozent gesunken. Somit war die Zahl der Armen innerhalb von vier Jahren um fast die Hälfte gesenkt worden. Die verbesserten Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten haben in besonderem Maße zur der beispiellosen Senkung der Armutsrate geführt. Mit dem Senken der Armutsquote wird gleichzeitig die ungerechte Verteilung des Einkommens bekämpft. Laut Gini-Index, einem Indikator zur Darstellung von Ungleichverteilungen in einem Land, ist das Einkommen jetzt gerechter verteilt als noch vor wenigen Jahren. Nichtsdestotrotz leben viele Menschen in Sri Lanka nach wie vor unter extrem harten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen und haben keinen Zugang zur Grundversorgung. Fast jeder fünfte Bewohner Sri Lankas ist unterernährt. Die Bekämpfung der Armut mit all ihren Folgen, einschließlich der Kindersterblichkeit, der Mangelernährung und dem Mangel an Grundversorgung, bleibt nach wie vor eine der höchsten Prioritäten der Regierung Sri Lankas. Die HIV/AIDS-Infektionsrate in Sri Lanka ist verhältnismäßig niedrig.

Kinder brauchen Schutz und Obhut


Diese zwei Mädchen waren obdachlos und haben keine Schule besucht. Dank dem SOS-Familienstärkungsprogramme, gehen sie jetzt zur Schule und ihre Mutter hat eine neue Fähigkeit gelernt, um die Familie zu unterstützen (Foto: SOS-Archiv).
Sri Lanka hat die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Nichtsdestotrotz lässt die Kinderrechtssituation in Sri Lanka viel zu wünschen übrig. Schätzungsweise 900 000 Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssen in Sri Lanka Kinderarbeit verrichten. Fast zehn Prozent dieser Kinder arbeiten unter gefährlichen und ungünstigen Bedingungen wie z.B. im Bergbau und in der chemischen Industrie, betätigen gefährliche Maschinen oder sind Pestiziden ausgesetzt. Die Kinderarbeit kommt in armen Familien besonders häufig vor; selbst kleine Kinder müssen ihre Eltern unterstützen und werden deshalb zum Arbeiten geschickt. Viele dieser Kinder können keine Schule besuchen und erhalten deshalb keine Grundausbildung. Jungen in ländlichen Gebieten sind besonders davon betroffen. Die Regierung hat ihre Bemühungen verstärkt, um bis zum Jahr 2016 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit abzuschaffen.

Schätzungsweise 340 000 Kinder wachsen in Sri Lanka ohne elterliche Fürsorge oder bei nur einem Elternteil auf. In vielen Fällen ist die Armut der Hauptgrund dafür, dass Kinder ohne elterliche Fürsorge zurückbleiben. Arme Mütter setzen häufig ihre Säuglinge aus, weil sie nicht für sie sorgen können. Der Bürgerkrieg, der so viele Jahre in Sri Lanka wütete, hatte auch Auswirkungen auf den jüngsten Teil der Bevölkerung; viele kleine Jungen wurden in bestimmten Regionen des Landes für den Kampf rekrutiert. Ein weiteres Problem in Sri Lanka ist die große Zahl der kindergeführten Haushalte. Viele Mütter, die auf der Suche nach Arbeit in anderen Regionen des Landes ziehen, lassen ihre kleinen Kinder zurück, die schon in jungen Jahren den Haushalt führen müssen. Durch die Abwesenheit der Mutter sind diese Kinder sexuellem Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. Viele dieser Kinder gehen nicht zur Schule.

Die Zahl der untergewichtigen Kinder unter fünf Jahren ist deutlich zurückgegangen und liegt jetzt bei 21 ProzentDie Einschulungsquote ist verbessert worden und zeigt, dass immer mehr Kinder die erste Klasse besuchen. In den letzten Jahren ist die Kindergesundheit in Sri Lanka deutlich verbessert worden. Nichtsdestotrotz liegt die Säuglingssterblichkeitsrate immer noch bei 9,7 von 1000 Lebendgeburten und ist damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

SOS-Kinderdorf in Sri Lanka

SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Jugendliche in Sri Lanka an sechs verschiedenen Standorten durch Kindertagesstätten, Schulen, Berufsbildungszentren und medizinische Zentren. Um Kindern in Sri Lanka, die vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedroht sind, ein Aufwachsen in ihrer eigenen Familie zu ermöglichen, bietet SOS-Kinderdorf auch Familienstärkungsprogramme an. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie. Nach dem Tsunami 2004 startete SOS Kinderdorf sofort ein Nothilfeprogramm und leistete Wiederaufbauhilfe für Familienhäuser, soziale und Bildungseinrichtungen. Nach Ende des brutalen Bürgerkriegs rief die Organisation in den nördlichen Regionen des Landes ein SOS-Nothilfeprogramm ins Leben, um den Opfern der Gewalttaten zu helfen.


Website von SOS-Kinderdorf Sri Lanka
(verfügbar auf Englisch)