SOS-Kinderdorf in Bosnien und Herzegowina

SOS-Kinderdorf hat während des Krieges im Jahr 1994 Kontakt zu den bosnischen Behörden aufgenommen. SOS-Kinderdorf begann mit einem Nothilfeprogramm für kriegsgeschädigte Familien. Nach Ende des Krieges konzentrierte sich die Arbeit von SOS auf eine langfristige Unterstützung der lokalen Bevölkerung. SOS-Kinderdorf ist mittlerweile an vier Standorten in Bosnien-Herzegowina vertreten und unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien.

Ein Land im Herzen Balkans


SOS-Familie beim Mittagessen (Foto: S.Gubelic).
Bosnien-Herzegowina liegt auf der Balkanhalbinsel im Südosten Europas und grenzt im Norden und Westen an Kroatien sowie im Süden und Osten an Serbien und Montenegro. Die Hauptstadt Sarajewo hat ca. 392,000 Einwohner.

Die Bevölkerung beläuft sich auf 4,6 Millionen Einwohner, davon sind fast die Hälfte Bosniaken, ein Drittel Serben und ca. ein Fünftel Kroaten. Kinder unter 18 Jahren machen fast ein Fünftel der Bevölkerung aus. Ungefähr zwei Fünftel der Bevölkerung sind Muslime, ein Drittel serbisch-orthodox und 15 Prozent römisch-katholisch.

Erholung vom Kriegsgeschehen

Bosnien-Herzegowina ist immer noch damit beschäftigt, sich vom Krieg der neunziger Jahre zu erholen. Bei Kriegsende waren die Infrastruktur und die Wirtschaft zerstört, und zwei Millionen Menschen waren vertrieben worden. Die Versorgung mit Wasser und Elektrizität musste wieder hergestellt und Schulen, Häuser und Straßen wieder aufgebaut werden. Die Arbeitslosenquote wird immer noch auf extrem hohe 43 Prozent geschätzt (2010, Schätzung). Junge Menschen, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Roma sind am meisten von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor, auch in der Industrie und in der Landwirtschaft gibt es Arbeitsplätze.

Nach offiziellen Schätzungen leben ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze, und 30 Prozent nur knapp darüber. Menschen in ländlichen Gebieten sind besonders häufig von Armut betroffen. Die am meisten unter Armut leidenden Haushalte sind diejenigen mit drei und mehr Kindern sowie Flüchtlinge und Vertriebene.

Das Gesundheitssystem und das Bildungswesen fallen in die Zuständigkeit verschiedener behördlicher Ebenen und sind nach wie vor ineffizient. Viele Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten, haben keinen Zugang zur Gesundheitsfürsorge.

Kinder brauchen Schutz


Spielen im Freien (Foto: K. Ilievska).
Der Krieg der neunziger Jahre hat die Kinderrechtssituation erheblich verschlimmert. Die Verantwortung zum Schutz der Kinderrechte ist zurzeit auf verschiedene Regierungsebenen aufgeteilt. Die fragmentierte, dezentralisierte Regierungs-struktur bedeutet eine große Herausforderung für die Umsetzung nationaler Richtlinien und Gesetze und führt zu einem Mangel an Verantwortung und Rechenschaftspflicht.

Viele der armen und hilfsbedürftigen Kinder stammen aus benachteiligten Gruppen aufgrund ihrer ethnischen Abstammung, ihrer Religion, einer Behinderung, ihres Geschlechts oder aufgrund der Kluft zwischen Stadt und Land. Kinder, die während des Krieges intern vertrieben worden waren und Kinder mit Behinderungen machen den größten Teil der hilfsbedürftigen Kinder aus. Laut UNICEF (Zahlen aus 2009) müssen fünf Prozent der Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren Kinderarbeit leisten; davon sind zwei Drittel Kinder aus ländlichen Regionen.

Es gibt zwar ein ausreichendes Angebot an Grundschulen, aber einige Bevölkerungsgruppen haben nur begrenzte Zugangsmöglichkeiten. Kinder in ländlichen Gebieten gehen seltener zur Schule. Die Kinder der Roma sind oft vom Schulbesuch ausgeschlossen, weil sie nicht behördlich gemeldet sind. Kinder mit Behinderungen können nur selten eine Schule besuchen, weil die Schulen nicht behindertengerecht ausgestattet sind.

Mädchen sind Opfer von Menschenhandel und kommerzieller sexueller Ausbeutung. Vor allem in ländlichen Gebieten werden Mädchen oft verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreichen.

SOS-Kinderdorf in Bosnien-Herzegowina

Die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Bosnien-Herzegowina passt sich an die veränderten Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien an, während sich das Land vom Krieg der 90er Jahre erholt. Die Organisation hat Nothilfeprogramme angeboten, Kindergärten in der Stadt Mostar wieder aufgebaut und der Bevölkerung auch langfristige Unterstützung geboten. SOS-Sozialzentren in Gorazde, Sarajewo und Mostar bieten Kindertagesstätten, Berufsbildungszentren sowie Beratung und psychologischen Beistand für Familien, die dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Kinder zu beschützen und für sie zu sorgen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie. Junge Menschen können in betreuten Wohnungen und Häusern in Tuzla und Sarajewo lernen, selbständig zu werden.