SOS-Kinderdörfer in Lettland

SOS-Kinderdorf hat seine Tätigkeit in Lettland aufgenommen, nachdem das Land seine Unabhängigkeit von der früheren UdSSR erklärt hatte. Die ersten SOS-Kinderdorf-Einrichtungen wurden in Islice errichtet und umfassten sowohl familienpädagogische Betreuung als auch einen Kindergarten. Derzeit arbeitet SOS-Kinderdorf auch in Olaine und Riga; dort werden vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern Unterstützung angeboten.

Seit 2004 ist Lettland Mitglied der Europäischen Union

Ein kleiner Junge in unserer Obhut genießt einen besonderen Moment mit seiner SOS-Mutter (Foto: M.Mägi).
Ein kleiner Junge in unserer Obhut genießt einen besonderen Moment mit seiner SOS-Mutter (Foto: M.Mägi).

Die Republik Lettland gehört zu den Baltischen Staaten und grenzt im Norden an Estland, im Süden an Litauen, im Osten an Russland und im Südosten an Weißrussland. Im Westen stößt das Land an die Ostsee. Die Bevölkerung beträgt 2,2 Millionen, davon sind 57 Prozent Letten und ca. ein Drittel der Bevölkerung Russen. In der Hauptstadt Riga lebt ein Drittel der Bewohner von Lettland.

Zu Beginn des Jahres 1991 sprach sich die große Mehrheit der Letten in einem Referendum für eine Abspaltung von der früheren UdSSR aus, und am 21. August 1991 erklärte Lettland seine völlige Unabhängigkeit. Im Juni 1993 fanden in Lettland die ersten parlamentarischen Wahlen statt. Am 31. August 1994 zogen die verbliebenen sowjetischen Truppen aus dem Land ab. Lettland ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und der NATO.

Lettland ist immer noch eins der ärmsten Länder der Europäischen Union

Lettland zählt zu den ärmsten Ländern innerhalb der Europäischen Union. Der Übergang zur Marktwirtschaft war für Lettland nicht leicht, und gerade als erste Fortschritte verzeichnet werden konnten, führte die globale Finanzkrise von 2008 bis 2010 zu Rückschlägen. Einigen Berichten zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2009 um mehr als ein Viertel. Während der Krise stieg die Arbeitslosenquote drastisch auf über 20 Prozent an. Seither ist sie zurückgegangen und lag zu Beginn des Jahres 2014 bei ca. neun Prozent. Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, steigt weiter an; laut offizieller Statistik sind 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen arm.

In Lettland gibt es große Probleme bei der Gesundheitsversorgung. Das Gesundheitssystem zählt immer noch zu den schlechtesten in ganz Europa. Lettland hat eine der niedrigsten Lebenserwartungen in Europa, und in den letzten Jahren war ein Anstieg der Kindersterblichkeit zu verzeichnen. Die Selbstmordrate zählt zu den höchsten weltweit. Auch HIV/AIDS stellt ein Problem dar - es gibt schätzungsweise 9 000 Krankheitsfälle in Lettland.

In Lettland gibt es schwere Missachtungen der Menschenrechte. Menschenrechtsverletzungen werden durch die weit verbreitete Korruption und das organisierte Verbrechen, schlechte Bedingungen in den Gefängnissen und polizeilichen Haftanstalten, einen hohen Grad an Gewalt, Kindesmissbrauch und Menschenhandel verursacht.

Kinder ohne elterliche Fürsorge brauchen besonderen Schutz

Kinder wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern auf (Foto: M. Mägi).
Kinder wachsen mit ihren Brüdern und Schwestern auf (Foto: M. Mägi).

Kinder unter 14 Jahren machen 14 Prozent der lettischen Bevölkerung aus.
Die Situation der Kinder hat sich durch jüngste soziale und wirtschaftliche Umwälzungen verschlechtert. Mehr und mehr Kinder benötigen Unterstützung, da es ihren Eltern an Ressourcen mangelt, und es gibt einen Anstieg von Alkoholismus und Gewalttaten in einigen Familien zu verzeichnen. Investitionen in staatliche Programme zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern sind gekürzt worden. Was den Bildungssektor angeht, mussten einige Schulen schließen, und zusätzliche Hilfsangebote wie z.B. psychologische Beratung werden nicht länger finanziert.

Die meisten Kinder in Betreuungseinrichtungen haben Eltern, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, für sie zu sorgen. Die jüngste wirtschaftliche Not hat einige Eltern dazu gezwungen, auf der Suche nach Arbeit ins Ausland zu gehen. Die Kinder werden in der Obhut von Nachbarn, Verwandten oder älteren Geschwistern zurückgelassen, die nicht über ausreichende Kompetenzen verfügen, um für sie zu sorgen.

Kinder, die vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedroht sind, laufen ebenfalls Gefahr, Opfer von Brutalität und Missbrauch, sexueller Ausbeutung und Vergewaltigung zu werden. Präventivmaßnahmen durch soziale Fürsorgeangebote erhalten wenig Beachtung oder Finanzmittel. Familien bekommen oft nicht die erforderliche Unterstützung; die Kinder werden aus ihrer Herkunftsfamilie herausgenommen und in staatlichen Institutionen untergebracht. Kinder, die in diesen Institutionen aufwachsen, sind nicht auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereitet.
 

SOS-Kinderdorf in Lettland

Derzeit ist SOS-Kinderdorf an vier Standorten in Lettland vertreten und unterstützt Familien, Kinder und Jugendliche. Neben der familienpädagogischen Betreuung bietet SOS-Kinderdorf auch Kindertagesstätten für Kleinkinder und Unterstützungsmaßnahmen für Jugendliche und Familien an. Junge Erwachsene in Islice können in SOS-Häusern wohnen, in denen sie auf ihrem Weg in ein selbständiges Leben begleitet werden. Die SOS-Sozialzentren bieten Programme zur Familienstärkung an, die in der direkten Zusammenarbeit mit Familien und Gemeinden an Bedeutung zugenommen haben, um diese in die Lage zu versetzen, ihre Kinder effektiv zu beschützen und zu versorgen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und anderen sozialen Dienstleistern.