SOS-Kinderdörfer in Russland

SOS-Kinderdorf nahm seine Aktivitäten in der russischen Hauptstadt Moskau in den späten 80er Jahren auf. Im November 1992 führte SOS-Kinderdorf Norwegen auf Bitten der Stadt Murmansk gemeinsam mit dem norwegischen Roten Kreuz ein Hilfsprogramm durch; 2600 Kinder in Waisenhäusern oder Pflegefamilien wurden mit Winterkleidung und Hygieneartikeln versorgt. SOS-Kinderdorf hat seither seine Arbeit in Russland fortgeführt und eine Reihe langfristiger Programme zur Unterstützung von Jugendlichen, Familien und Kindern ins Leben gerufen.



 

Geburtstagsparty (Foto: M. Mägi)

Russland ist das größte Land der Welt, die Gesamtfläche umfasst ca. 17,1 Millionen km². Russland grenzt ganz im Südosten an die Nordspitze von Nordkorea, an China, die Mongolei und Kasachstan, im Süden zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer an Aserbaidschan und Georgien, im Südwesten an die Ukraine, im Westen an Weißrussland, Lettland und Estland sowie nördlich des Finnischen Meerbusens an Finnland und an Norwegen.
Russlands Gesamtbevölkerung wird auf ca. 139 Millionen geschätzt (Juli 2011). Nur ca. ein Viertel der Bevölkerung lebt in den Stadtgebieten. Die größte Stadt, Moskau, hat eine Einwohnerzahl von 10,5 Millionen. In Russland leben über 100 verschiedene ethnische Bevölkerungsgruppen; ca. 80 Prozent sind Russen, zu den anderen Volksgruppen zählen Tataren, Ukrainer, Tschuwaschen, Baschkiren, Weißrussen und Kasachen.

 


Hilfe in der Küche (Foto: I. HidalgoHilfe in der Küche (Foto: I. Hidalgo)

Die Gesamtzahl aller Kinder unter 18 Jahren in Russland wird auf etwa 26,5 Millionen geschätzt. Nach Meinung einiger Experten leben zurzeit bis zu 1,8 Millionen obdachlose und verwahrloste Kinder und Jugendliche in Russland.

Die jüngsten politischen und wirtschaftlichen Veränderungen haben auch das traditionelle Familienleben verändert. Eine wachsende Zahl an Kindern wird aus ihren Familien herausgenommen. Ca. ein Drittel aller Familien mit Kindern lebt in Armut. Die Mehrzahl der Kinder, die in Fürsorge gegeben werden, sind sogenannte 'Sozialwaisen'. Trotz jüngster Gesetzesänderungen mit dem Ziel, der Heimunterbringung entgegenzuwirken, werden die meisten fremdbetreuten Kinder nach wie vor in Heimen und Internaten untergebracht. Kinder mit Behinderungen kommen in spezielle Einrichtungen. All diese Kinder sind nicht auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereitet, wenn sie die Einrichtungen verlassen.

In den letzten Jahrzehnten ist auch die Zahl der Straßenkinder gestiegen. In diesem Zusammenhang steht auch die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Organisierte Verbrecherbanden betreiben Kinderhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung; Russland ist sowohl Herkunfts-, Transit als auch Bestimmungsland für verschleppte Kinder. Die Situation ist in Moskau und Sankt Petersburg besonders bedrückend. Kinder mit besonderen Bedürfnissen und aus ländlichen Gebieten werden oft in diese Städte verschleppt und zur Prostitution gezwungen. Die meisten Straßenkinder sind drogenabhängig - sei es von Zigaretten, Klebstoff, Alkohol oder Opiaten.