SOS-Kinderdörfer in Weißrussland

SOS-Kinderdorf nahm seine Aktivitäten in Weißrussland nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 auf. In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Stiftung "Den Kindern von Tschernobyl" begann SOS-Kinderdorf seine Tätigkeit in der Hauptstadt Minsk. Neben dem Angebot von familiennahen Betreuungen bieten die angeschlossenen Sozialzentren Kindern mit Strahlungsschäden Unterbringungsmöglichkeiten für die Zeit ihrer ambulanten Behandlung. Die Arbeit von SOS-Kinderdorf wurde weiter ausgebaut; zurzeit gibt es Einrichtungen und Programme an drei verschiedenen Standorten in Weißrussland.


Ein Kunstwerk schaffen (Foto: B. Neeleman)
Weißrussland hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Zurzeit stellen Kinder unter 14 Jahren einen Anteil von14 Prozent der Bevölkerung dar.
Die jüngsten sozialen Veränderungen haben auch Auswirkungen auf das Leben von Familien und Kindern. Laut UNICEF müssen fünf Prozent der Kinder unter 14 Jahren Kinderarbeit verrichten, und ein hoher Prozentsatz wird zwangsverheiratet, bevor die Kinder das Erwachsenenalter erreichen.

Kinder der Roma, die eher Romani oder weißrussisch sprechen, werden in einem Bildungssystem benachteiligt, in dem auch russisch zu den Unterrichtssprachen gehört. Kinder werden auch zu Opfern von Menschenhändlern; das Land ist sowohl Herkunfts- als auch Transitland für Mädchen, die zur Prostitution in Mittel- und Westeuropa gezwungen werden. Es wird berichtet, dass eine steigende Anzahl von Kindern auch in Weißrussland selbst zur Kinderprostitution gezwungen wird.

Kinder mit speziellem Förderbedarf und Kinder, die missbraucht wurden, laufen ein besonders hohes Risiko, die elterliche Fürsorge zu verlieren. Obwohl mehr Anstrengungen unternommen werden, Kinder innerhalb ihrer familiären Umgebung zu unterstützen, ist die Heimunterbringung nach wie vor die gängigste Lösung, wenn Kinder Schutz brauchen.