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25.06.2024 Aktuelles Alle Äthiopien Unterwegs in Äthiopien mit Alex de Geus: Die Wirkung der Spenden im Fokus

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CHF 19,3 Mio. Spendengelder hat die Stiftung SOS-Kinderdorf Schweiz 2023 gemäss ihrem Jahresbericht gesammelt. Wie wird dieses Geld eingesetzt, damit die Wirkung auf die SDGs (Nachhaltigkeitsziele der UN) einzahlt? Unser Geschäftsführer, Alex de Geus, ist dieser Frage in Äthiopien nachgegangen.

 

 

Es war die erste Projektreise von Alex de Geus und im Vorfeld hatte er sich fest vorgenommen, vor Ort genau hinzuschauen, welche Wirkung unsere Arbeit hat. Aber es war ihm auch ein Anliegen, die Mitarbeitenden sowie Teilnehmenden aus unseren Programmen kennenzulernen. Und er hatte ganz konkrete Vorstellungen, was er nach der Reise erzählen will. «Ich will den Spendenden mit gutem Gewissen mitteilen können, dass wir unsere Arbeit richtig machen, dass ihr Spendengeld effektiv eingesetzt wird,» erzählte er bei einem Gespräch vor der Reise. Bevor es losging, musste er zuerst eine interne Schulung absolvieren, wie man sich im Land verhält oder was im Notfall getan werden muss. Obwohl Alex de Geus in seinem Leben schon viel gereist ist – geschäftlich und privat –, war das eine neue Erfahrung für ihn.

Äthiopien – Hilfe für Kinder und Familien dringend nötig

Einwohnende: 120,3 Mio., Lebenserwartung: 67 Jahre
Durchschnitt Schulbesuch: 2,2 Jahre (Frauen) und 4,2 Jahre (Männer)
Einkommen pro Kopf und Jahr (an Kaufkraft angepasst): 2‘361 USD

Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas. Hier erfahren Sie mehr über die Situation des Landes. In der Region Kelafo leben die meisten Familien von der Landwirtschaft. Zunehmende Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen haben zur Folge, dass die Erträge nicht ausreichen, um die Familien zu ernähren. Zudem fehlt es an Möglichkeiten, landwirtschaftliche Produkte zu vermarkten. Dies hat fatale Folgen: Viele Kinder sind mangelernährt und müssen arbeiten. Weitere Probleme sind fehlende Hygiene, gewaltvolle Erziehungsmethoden, weibliche Genitalverstümmelung (lesen Sie dazu die Geschichte von Selam) sowie Frühverheiratung von Mädchen. Unser Programm hat deshalb zum Ziel, dass die Kinder in Kelafo in einem sicheren, liebevollen und fördernden Zuhause aufwachsen. Gemeinden und Schulen sollen in der Lage sein, die Familien dabei zu unterstützen. Seit 2021 profitierten 530 Familien mit rund 2500 Kindern direkt von den Massnahmen. Indirekt profitierten mehrere Tausend Kinder, Jugendliche und Eltern von besseren landwirtschaftlichen Erträgen, Bildungsangeboten, Aufklärungskampagnen und Katastrophenschutz-Massnahmen.

Alex de Geus war während drei Tagen in der Region Kelafo unterwegs, die ungefähr 30 km von der Grenze zu Somalia entfernt liegt. Sie wird denn auch Somaliland genannt. Gemäss seinen Schilderungen ist die Gegend sehr ländlich geprägt mit Häusern aus Stein, Holz oder Lehm. Wenn es überhaupt Strom- oder Wasserversorgung gibt, wird diese durch Generatoren und Tanks gewährleistet. Alex de Geus erzählt: «Der Ort ist sehr lebhaft, es sind viele Leute unterwegs. Alle sind draussen, man lebt draussen. Rund um Kelafo hat es viele kleine Ortschaften, sogenannte Kebeles. Diese bestehen aus Holzhütten, die mit Lehm verkleidet sind, oftmals mit einer Plastikplane über dem Dach. Alles ist sehr einfach und aus westlicher Perspektive definitiv eine andere Welt.» Die Menschen, die in und um Kelafo leben, sind vorwiegend Moslems. «Das ist ein wichtiger Punkt, den man verstehen und respektieren muss», findet Alex de Geus. So müsse man respektieren, dass Gebetszeiten eingehalten werden – auch während Meetings – und westliche Werte für diese Menschen nicht zwingend erstrebenswert seien. «Das braucht viel Toleranz auf beiden Seiten», konstatiert Alex de Geus. Aber der Wille zu Veränderungen sei auf beiden Seiten vorhanden und spürbar. Während seines Aufenthalts konnte er viele Familien aus dem Familienstärkungsprogramm besuchen und sich mit den Menschen über die positiven Veränderungen in ihrem Leben unterhalten.

Beeindruckende Wirkung

Was SOS-Kinderdorf Schweiz von 2021 – 2023 in Kelafo erreicht hat:

  • Erfolgreiche Familien. 51% der Familien schlossen das Programm inzwischen erfolgreich ab. An ihrer Stelle konnten neue Familien aufgenommen werden.
  • Gewaltfreie Erziehung. Neun von zehn Kindern fühlen sich in ihrer Familie und in der Gemeinschaft sicher und wertgeschätzt.
  • 97% der Kinder im Schulalter gehen zur Schule.
  • Qualifizierte Lehrkräfte. 94% der Lehrkräfte wenden moderne Unterrichtsmethoden an.
  • Besseres Einkommen. Sechs von zehn Familien erwirtschaften ein ausreichendes Einkommen, um gut für ihre Kinder zu sorgen.
  • Gesündere Kinder. Vier von fünf Familien haben eine Latrine gebaut und ihre Hygiene verbessert.
  • Bessere Ernährung. Zwei von drei Kindern unter fünf Jahren sind gut ernährt.
  • Kompetente Gemeinden. 4 Gemeinden sind heute in der Lage, Katastrophenschutz-Massnahmen selbständig umzusetzen.
  • Starke lokale Partner. 90% der lokalen Partnerorganisationen wie Spar- und Leihkooperativen und Selbsthilfegruppen haben ihre betriebswirtschaftlichen Kompetenzen verbessert. Sie können 152 bedürftige Kinder mit eigenen Mitteln unterstützen.

Alex de Geus hat beim Besuch in Kelafo unter anderen eine junge Frau getroffen, die ihn stark beeindruckt hat. Er erzählt uns ihre Geschichte stellvertretend für all die starken, engagierten Frauen, die mit unserer Unterstützung den Schritt in eine eigenständige und selbstbestimmte Zukunft geschafft haben. Die erwähnte junge Frau hat dank einem Startkapital einer von SOS-Kinderdorf unterstützten Spar- und Leihgruppe (eine sogenannte SACCO) ihre eigene Bananenplantage aufgebaut. Mit Stolz hat sie Alex de Geus erzählt, dass alle ihre fünf Kinder zur Schule gehen und die älteste Tochter kurz davorsteht, ein Studium zu beginnen.

Nach seiner Reise ist Alex de Geus überzeugt, dass vor Ort hervorragende Arbeit geleistet wird. «Unser Team in Kelafo arbeitet höchst professionell und mit einer unglaublichen Leidenschaft. Sie haben uns beeindruckende Zahlen präsentiert, was wir mit dem Familienstärkungsprogramm bereits erreicht haben. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass das, was wir unterstützen, eine nachhaltige Wirkung für die betroffene Person, ihre ganze Familie wie auch die Kebele hat. Das hat mich überzeugt und ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass unsere Spendengelder effektiv und sinnvoll eingesetzt werden.» Mit der Entwicklung von Gemeinden, der Verringerung der Armut und dem Zugang zu Bildung leistet SOS-Kinderdorf Schweiz einen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der UN. Lesen Sie hier, welche sechs der insgesamt 17 UN-Nachhaltigkeitsziele uns ein besonderes Anliegen sind.

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Inhaltsverantwortliche:

Cornelia Krämer

Als Leiterin Kommunikation engagiere ich mich täglich dafür, dass Kinder Kinder sein dürfen, egal wo auf der Welt sie aufwachsen.

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