Dürre in Äthiopien.

In weiten Teilen Afrikas leiden die Menschen derzeit unter einer beispiellosen Hungerkrise – unzählige Kinder sind vom Hungertod bedroht. Besonders in Äthiopien leistet SOS-Kinderdorf Nothilfe für die betroffenen Menschen. Im Gespräch erklärt Erika Dittli, Leiterin Programme von SOS-Kinderdorf, wie die Hilfsorganisation die Spenden während dieser Naturkatastrophe einsetzt.

Wieso leiden viele Länder in Afrika unter der anhaltenden Dürre?

Der El Niño-Effekt hatte im letzten Jahr einen grossen Einfluss auf das Wetter. Die Niederschläge der letzten Regenzeit blieben zum grossen Teil aus. Aber die Landwirtschaft in Ländern wie Äthiopien ist abhängig vom Regen. Für die Menschen ist das verheerend.

Woran leiden die Menschen?

Es gibt nicht mehr genügend Trinkwasser. Die Wasserquellen versiegen. Die Menschen trinken verschmutztes Flusswasser anstatt geklärtem Wasser. Die Folgen davon sind Durchfallerkrankungen, die für Kinder besonders gefährlich sind. Ebenfalls wird die Lebensgrundlage der Menschen zerstört. Der Mangel an Niederschlag führt zu Ernteausfällen, das Vieh verendet. Dadurch explodieren die Lebensmittelkosten. Gerade bedürftige Menschen können sich Nahrungsmittel gar nicht mehr leisten.

Was unternimmt SOS-Kinderdorf, um den betroffenen Menschen zu helfen?

Wir unterstützen die Menschen ganz direkt mit Lebensmittelpaketen. Je nach Familiengrösse erhalten sie Grundnahrungsmittel wie Mehl, Öl, Zucker. Mit Lastwagen schaffen wir frisches Trinkwasser in die Gemeinden. Ebenfalls versorgen wir die Familien mit Futter und Wasser für ihr Vieh, das für das Überleben und vor allem für die Zukunft der Familien wichtig ist.

Kommt die Hilfe wirklich bei den bedürftigen Familien an?

Absolut. Unsere lokalen Mitarbeitenden prüfen vor Ort, welche Familien mit Kindern besonders bedürftig sind. Diese nehmen wir in unsere Nothilfeprogramme auf. Wir führen konkrete Listen mit allen Menschen, die wir mit unserer Hilfe versorgen. Sie müssen auch immer quittieren, wieviel und was sie an Lebensmitteln erhalten haben. So vermeiden wir Missbrauch und haben die Kontrolle auch schriftlich, dass die Hilfe die Menschen direkt erreicht.

Was bewirkt eine Spende von 10 Franken?

Sie rettet Leben. Mit 10 Franken hat eine äthiopische Familie eine Woche lang Trinkwasser. Ein Lebensmittelpaket für einen Monat kostet 150 Franken. Im Moment setzen wir die erhaltenen Spenden auch dafür ein, dass wir Bohrlöcher graben können. Im SOS-Kinderdorf Harar beispielsweise haben die Menschen wöchentlich nur während weniger Stunden Wasser. Mit diesen Bohrlöchern stellen wir die Trinkwasserversorgung einer ganzen Gemeinde sicher.

Fördert SOS-Kinderdorf Massnahmen, damit sich die betroffenen Regionen selbst helfen können?

Hier arbeiten wir eng mit anderen Hilfsorganisationen und den Behörden zusammen. Wir fördern Projekte der Bewässerungslandwirtschaft, die die Abhängigkeit von Regen reduzieren. Ebenfalls setzen wir uns für Frühwarnsysteme ein, mit denen drohende Naturkatastrophen rechtzeitig erkannt werden können. Das hilft bei der vorausschauenden Planung zur Bewältigung von Notfällen. Auch bauen wir auf Gemeindeebene gemeinschaftliche Förderprogramme auf. Beispielsweise wird nach einer guten Ernte eine Reserve angelegt um im Notfall unter den Menschen verteilt zu werden. Diese Art der Hilfe stärkt die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden in schwierigen Situationen nachhaltig.

Ist ein Ende der Dürre in Äthiopien abzusehen?

Wir hoffen auf die kommende Regenzeit. Das wird eine heikle Zeit der Bewährung. Fällt zuviel Wasser, drohen Überschwemmungen und der Boden wird weggespült, anstatt das Wasser zu speichern. Fällt zu wenig Regen, reicht es nicht aus, die nächste Ernte zu sichern. Aber auch bei einer normalen Regenzeit dauert unsere Hilfe noch so lange an, wie die Menschen brauchen, sich von der jetzigen Dürre zu erholen.

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