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15.01.2019 Aktuelles Alle Projekte & Hilfsprogramme Weitere Länder Ein Weg aus der Armut in Kosovo

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Pristina – Murats Zuhause gleicht einer Ruine. Der fünfjährige Junge lebt in einem zerfallenen Betonblock, der ständig überschwemmt ist. Nasse Teppiche bedecken den Boden des Wohnzimmers, das auch als Kinder- und Schlafzimmer dient. Ohne Wärme und sauberes Wasser wächst Murat in extremer Armut mit seinen Eltern Imir und Valbona und seinen Geschwistern Behar (3) und Elira (9) in Pristina auf.

Arjeta Ahmadi, Psychologin und Sozialarbeiterin von SOS-Kinderdorf, erinnert sich noch gut an den ersten Besuch bei der Familie: ,,Die Kinder waren extrem ruhig und verhalten. Sie beantworteten meine Fragen nicht und sahen traurig aus. Es kam mir vor, als ob sie unsichtbar wären.‘’ Der Vater der Kinder, Imir, ist ständig auf Arbeitssuche. Durch den Kosovo-Krieg 1998-1999 verlor er seine Eltern und musste seine Ausbildung beenden. Mit 16 Jahren ging er alleine nach Pristina, um dort einen Job zu finden, was bis heute nicht leicht ist. ,,Nach Kriegsende reisten viele Menschen von den ländlichen Regionen in die Hauptstadt Pristina . Die Meisten hatten aber keine Ausbildung, was es schwer machte, eine gute Arbeit zu finden. Auch heute ist die die Arbeitssuche eine grosse Herausforderung:  Bis zu 35 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Besonders die Jungen sind von der Arbeitslosigkeit betroffen.’’, sagt Arjeta Ahmadi.

Um sicherzustellen, dass bei Imirs Familie täglich Essen auf den Tisch kommt, fährt er nachts auf die Mülldeponien. Er sortiert Metallstücke, Schrott und Papier und bekommt dafür wenige Rappen. ,,Ich nehme alle Jobs an, die ich bekommen kann. Es sind oft harte Jobs, und mein Rücken ist völlig zerstört. Aber ich habe Verantwortung für meine Kinder“, sagt Imir.

Foto: Morten Mejnecke

Murats Zuhause in Pristina, Foto: Morten Mejnecke

Der erste Schritt aus der Armutsspirale

2018 wird die Familie ins Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf aufgenommen. SOS-Kinderdorf verfolgt das Ziel, gefährdete Familien zu stärken. Es soll verhindert werden, dass diese auseinanderbrechen. Dies erfordert Anstrengungen auf vielen Ebenen. „Es beginnt immer mit einem Gespräch, bei dem wir gemeinsam mit den Eltern herausfinden, welche Herausforderungen und Schwächen es gibt und was es braucht, um ihre Situation zu verbessern. Dann stellen wir gemeinsam einen Plan zusammen, damit wir sicher sind, dass die Eltern die Verantwortung tragen und mit der Aufgabe selbst wachsen.“, sagt Arjeta Ahmadi, welche die Familie als ständige Kontaktperson begleitet.  Die Unterstützung für die Familie ist vielfältig. SOS-Kinderdorf sorgt dafür, dass die Familie Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Die Eltern erhalten Kurse in der Einkommensförderung sowie Unterstützung in der Kindererziehung: „Wir bringen Eltern bei, ihre Kinder und ihre Anliegen wahrzunehmen und trotz schwierigen Lebensumständen zuzuhören. Die Kinder gehen jetzt in den Kindergarten und zur Schule und werden zusätzlich von SOS-Pädagogen unterstützt, damit sie ihr Wissensdefizit nachholen können. SOS-Kinderdorf hat eine Wohnung für die Familie, mit Küche, Kinderzimmer und Wohnzimmer, organisiert, welche schon bald bezugsbereit ist.   ,,Wir haben es jetzt viel besser, daran besteht kein Zweifel’’, sagt Imir. Mit der Unterstützung von Arjeta sucht er einen festen Job. ,, Mein Traum ist es, eine Arbeit zu finden, damit ich meine Kinder unterstützen kann. Ich möchte ihnen alles geben, wovon sie träumen.’’

* Die Namen der Kinder wurden aus Gründen der Privatsphäre geändert.

Familienstärkungsprogramm in Kosovo

Imir möchte endlich einen festen Job haben,  Fotos: Morten Mejnecke

 

 

 

 

 

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