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29.05.2019 Aktuelles Alle Kinderrechte Weitere Länder Überbevölkerung – der Ursprung aller globalen Probleme?

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Nie zuvor gab es so viele Menschen wie heute. 1940 waren wir noch 2,3 Milliarden Erdbewohner. 1970 stieg die Bevölkerungszahl auf 3,7 Milliarden und heute sind es bereits 7,5 Milliarden. Bis 2050 erwarten Experten 10 Milliarden Menschen. Welchen Ursprung hat dieses Bevölkerungswachstum, welches sind die Folgen und was lässt sich dagegen tun?

 

Diverse Zeitungen und Experten sind der Meinung, dass das explosionsartige Bevölkerungswachstum Grund für Migration, Krieg, Armut, Klimawandel und Krankheiten sei. Alle wollen einen Teil des Kuchens haben, doch Energie, Wasser und Nahrung sind nur begrenzt vorhanden. Ob das wirklich stimmt oder ob es eher an unserer Gier und der verschwenderischen Ausbeutung unserer Ressourcen liegt, ist unklar. Beide Phänomene tragen mit vielen anderen Faktoren zu den heutigen Entwicklungen bei. Aber Grund zur Panik und Angst muss das Bevölkerungswachstum nicht sein – denn auch Europa erlebte einst eine Bevölkerungsexplosion, die sich mit den verbesserten Lebensstandards einpendelte. Dies dürfte in Zukunft auch in Schwellen- und Entwicklungsländern zu beobachten sein (mehr dazu auf Forbes.com oder Zeit.de).

In Europa, in den USA und Australien nahm die Geburtenrate seit der industriellen Revolution konstant ab. So auch in Thailand, Vietnam oder Bangladesch. 1971 bekam eine Frau in Bangladesch noch 7 Kinder – verlor aber jedes vierte Kind. Heute beträgt die Geburtenrate nur noch 2,2 Kinder. Das wirtschaftliche Wachstum eines Landes resultiert in einer tieferen Geburtenrate. In 80 Ländern weltweit, besonders in den Industrienationen, ist das Bevölkerungswachstum stabil und wächst nur noch aufgrund von Migration. So liegt der weltweite Durchschnitt bei 2,5 Kindern. Mitte der 60er Jahre waren es noch 5 Kinder.

Ein Problem der Entwicklungsländer?

 

Der Finger wird beim Thema Bevölkerungswachstum häufig als erstes auf Afrika und den Nahen Osten gerichtet. Denn dort haben viele Länder mit extremer Armut zu kämpfen. In Niger bekommt eine Frau beispielsweise im Durchschnitt 7 Kinder. Allgemein kann man sagen, dass die Gesundheitsbedingungen  in unterentwickelten Ländern schlechter sind, mehr Kinder sterben und Krankheiten sich schneller verbreiten. Zudem kommen in Entwicklungsländern mehr Kinder zur Welt, als Arbeitsplätze geschaffen werden. Junge Menschen haben schlechte Ausbildungsbedingungen und keine guten beruflichen Perspektiven. Dies veranlasst sie ihre Heimat zu verlassen, um zum Beispiel in Europa ihr Glück zu versuchen.

Um dieser Tendenz entgegen zu steuern, gilt es Gesundheitsversorgung, Bildungsmöglichkeiten sowie Arbeitsplätze zu stärken. Eine gestärkte Infrastruktur auch in Form einer durchsetzbaren Rechtsstaatlichkeit sichert langfristig Perspektiven hinsichtlich Ausbildung, Arbeitsplätzen, gesundheitlicher Versorgung und vielem mehr. SOS-Kinderdorf arbeitet im Rahmen von Familienstärkungsprogrammen in weniger entwickelten Regionen eng mit Behörden und staatlichen Institutionen zusammen, um die Infrastruktur zu verstärken. Schwerpunktmässig stützt sich unsere Arbeit auf Themen wie Bildung, Gesundheit, Betreuung/Schutz und Einkommensförderung. Wer den Eltern die Möglichkeit gibt, sich aus ihren prekären ärmlichen Verhältnissen zu befreien, der sorgt auch dafür, dass deren Kinder eine bessere Zukunft ermöglicht wird.

Emanzipation der Frau und Bildung sind Schlüssel zur Lösung

Gemäss Reiner Klingholz bekommt eine gebildete Frau weniger Kinder als eine ungebildete. In Südkorea zeigt sich dies besonders ausgeprägt: Das starke wirtschaftliche Wachstum und der Zugang zu guten Schulen, auch für die Frau, resultieren in einer sinkenden Geburtenrate von 1,17 pro Frau. Geben der Staat und die Gesellschaft der Frau die Möglichkeit, am wirtschaftlichen Wachstum aktiv teilzuhaben, gibt es weniger Kinder auf der Welt.

In Ländern, wo die Geburtenrate am höchsten ist, herrscht keine Geschlechtergleichstellung. Die Frauen haben keine Stimme, sind entmachtet und in der Entscheidungsfindung ausgeschlossen. Es herrscht der Glauben, dass die Frauen zu Hause bleiben und auf die Kinder aufpassen sollen. Durch Bildung und Aufklärung können wir diesem Denken entgegengenwirken. Frauen zu emanzipieren und zu fördern bringt jedem etwas: Der Familie, der Wirtschaft, der Gesellschaft und vor allem der Frau selbst. SOS-Kinderdorf investiert in die Bildung der Mädchen. Im Niger zum Beispiel arbeitet SOS-Kinderdorf an drei Standorten und sichert die Grundschulbildung für alle Kinder und Jugendlichen.

Man kann sagen, dass Bildung wohl das effektivste Instrument gegen das Bevölkerungswachstum und für das wirtschaftliche Wachstum ist. Den Frauen aufzuzwingen, weniger Kinder zu bekommen oder sie zur Abtreibung zu zwingen, ist keine nachhaltige Strategie. SOS-Kinderdorf fördert die Frauen darin, sich selbst zu entfalten, einen wichtigen Platz in der Gesellschaft und der Wirtschaft einzunehmen. Jede Frau soll selbst entscheiden dürfen, wie viele Kinder sie bekommen will. Jede Frau hat das Recht auf Zugang zu Verhütungsmitteln und Familienplanung.  SOS-Kinderdorf begleitet die Frauen in der Aufklärung und in der medizinischen Beratung. Wir stehen für jede Frau ein und appellieren, Bildung für jeden Menschen zugänglich zu machen.

 

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