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16.01.2020 Aktuelles Alle Projekte & Hilfsprogramme Afrika Harar braucht uns nicht mehr

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Harar im Osten Äthiopiens ist ein Vorzeigeprojekt für die gelungene Entwicklungs-zusammenarbeit von SOS-Kinderdorf. Dank dem 360-Grad-Ansatz, der Zusammenarbeit mit örtlichen Institutionen und einem guten Netz von sozialen Anlaufstellen sind 200 Familien in der Region heute selbstständig. 

«SOS-Kinderdorf hat von 2012 bis 2016, 200 gefährdete Familien in Harar unterstützt», so Erika Dittli, Programmleiterin bei SOS-Kinderdorf Schweiz. «Heute können wir mit Stolz sagen, dass sie uns nicht mehr benötigen.» Das Erfolgsrezept? Mit dem 360-Grad-Ansatz von SOS-Kinderdorf wurden die Massnahmen zur Stärkung der Familien den lokalen Bedürfnissen angepasst und erfolgreich in die Gemeindetätigkeit integriert. «Damit das funktioniert, muss man die Lebensbedingungen der Familien und Kinder vor Ort kennen und die sozialen Probleme im Land verstehen », betont Dittli. In Äthiopien war die Ausgangslage nicht einfach. 

Gefangen in der Armutsspirale 

Äthiopien belegt Platz 174 auf dem Human Development Index (total: 188) und zählt mit seinen rund 93 Millionen Einwohnern zu den ärmsten Ländern der Welt. Jedes zweite äthiopische Kind ist laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation mangelernährt oder leidet an ernährungs-bedingten Wachstumsstörungen. Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen fehlen an den meisten Orten. Unter dieser Armut leiden vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen, die nicht selbst für ihr Auskommen sorgen können. Immer wieder-kehrende Dürren verursachen Hungersnöte und zerstören landwirtschaftliche Erträge. Dabei lebt eine Mehrheit der Äthiopier von der Landwirtschaft. Bleibt der Regen aus, fehlt deshalb vielen Eltern das Schulgeld, und die Kinder müssen in der Folge selbst arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen. Es ver-wundert daher nicht, dass Äthiopien eine der niedrigsten Einschulquoten der Welt ver-zeichnet. Viele Kinder können nicht einmal die Primarschule besuchen. Die Bevölkerung Äthiopiens wächst jährlich um zwei Prozent, doch ohne Ausbildung bleibt die nächste Generation in der Armutsspirale gefangen. 

 

Bleibt der Regen aus, müssen Kinder zur Arbeit anstatt in die Schule. Mangelernährung und fehlende Bildung sind die Folge.

 

«Viele Familien in Harar wussten vor unserer Ankunft gar nicht, dass sie ein Recht auf eine Krankenversicherung haben und die Regierung gesetzlich verpflichtet ist, diese zu gewährleisten.» Erika Dittli, Programmleiterin bei SOS-Kinderdorf Schweiz

Ein Auffangnetz für arme Familien 

Um die vielfältigen Probleme der Familien im ländlichen Harar zu adressieren, fokussierte sich SOS-Kinderdorf bei seiner Arbeit auf den Aufbau von tragfähigen Sozialstrukturen. Dazu zählen die Einführung einer Krankenversicherung ebenso wie Spar- und Leih-gruppen. «Viele Familien in Harar wussten vor unserer Ankunft gar nicht, dass sie ein Recht auf eine Kranken-versicherung haben und die Regierung gesetzlich verpflichtet ist, diese zu gewährleisten», erklärt Dittli. In Zusammenarbeit mit örtlichen Vertretern leistete SOS-Kinderdorf deshalb Aufklärungsarbeit und übernahm die Anfangskosten bei der Einführung der Kranken-versicherung. Danach wurde die Verantwortung zur weiteren Umsetzung schrittweise an die Regierung abgegeben. Damit die Familien ihre Krankenversicherungsbeiträge auch bezahlen konnten, wurden Spar- und Leihgruppen eingeführt. Diese ermöglichten ihnen, gemeinsam Kapital anzusparen, kleine Kredite aufzunehmen und sich selbstständig zu machen. Heute nehmen die Menschen vor Ort ihr Recht auf eine Krankenversicherung in Anspruch, und die Regierung kommt ihrer Verpflichtung nach. 

Eine der Erfolgsgeschichten des Programms in Harar hat Amara geschrieben. Dank der Einkommensförderung hat die clevere Grossmutter ihr eigenes Geschäft eröffnet und versorgt ihre zwei Enkel heute allein. Hier lesen Sie mehr dazu.