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Haneen, 15, und Agnes, 12, kommen aus ganz verschiedenen Ecken der Welt, teilen aber zwei Gemeinsamkeiten: Beide sind in einem SOS-Kinderdorf aufgewachsen. Und beide leihen auf nationaler und internationaler Ebene Kinderrechten ihre Stimme.

Im Nachhinein wirkt der Weg der zwölfjährigen Agnes aus Benin wie vorgezeichnet. Schon im SOS-Kinderdorf Natitingou, in dem sie seit ihrem zweiten Lebensjahr aufwuchs, zeigte sie früh ihr Interesse an Kinderrechten. Das bemerkten auch ihre Altersgenossen, die sie wählten, Anliegen der Kinder bei Planungen rund um das Dorf zu vertreten. Ihre Überzeugung brachte ihr Engagement schnell auf nationale Ebene. So sprach Agnes vor Regierungsmitarbeitenden der Region Atakora über Themen wie Kindesmissbrauch, Zwangsheirat und sexuelle Belästigung in der Schule.

Ein weiterer Meilenstein war ihre Teilnahme an einer Gruppendiskussion zum Thema «Schutz und Befähigung von Kindern als Verteidiger von Menschenrechten» in Genf. Initiiert von den Vereinten Nationen und einer Reihe von Kinderhilfswerken wie SOS-Kinderdorf kamen hier Kinder, die in alternativer Betreuung aufgewachsen sind, zu Wort, um über ihre eigenen Erfahrungen zu berichten und Empfehlungen abzugeben. «Ich fühle mich schlecht. Ich kenne meine Rechte, andere Kinder kennen ihre nicht. Ich werde gut behandelt und fühle mich geborgen, andere Kinder leiden. Alle Kinder sollten gleichbehandelt werden, die gleichen Chancen haben und diese auch verteidigen können», erzählt Agnes.

Schwestern im Geiste

Knapp 7 000 Kilometer von Agnes entfernt lebt Haneen. Die 15-Jährige aus Palästina ist Mitglied im SOS-Kinderschutzteam und Teil des palästinensischen Kinderrats. Dort engagiert sie sich besonders für Kinder ohne Papiere und war an der Kreation einer Broschüre für Schüler*innen beteiligt, die das Bewusstsein für Kinderrechte schärft. Erst kürzlich wurden Haneen und der Kinderrat vom Bildungsministerium eingeladen, ihre Mitarbeitenden zum Thema Lernumfeld in Schulen zu beraten. Auch Haneen nahm an der Veranstaltung der Vereinten Nationen in Genf teil und ist stolz darauf, bei diesem Anlass Kinder aus Palästina repräsentiert zu haben. Ihr war besonders ein Punkt wichtig: der Meinung der Kinder ein grösseres Gewicht einzuräumen. «Viele Erwachsene nehmen viel zu selten die Perspektive der Kinder ein, obwohl Kinder ihre eigenen Bedürfnisse oft viel besser einschätzen können. Dies gilt es dringend zu ändern», betont die Sekundarschülerin.

Haneen ist stolz auf ihre Teilnahme an der UN-Gruppendiskussion.

Haneen ist stolz auf ihre Teilnahme an der UN-Gruppendiskussion.

Haneen kam mit zweieinhalb Jahren ins SOS-Kinderdorf Betlehem. Vor ein paar Jahren verstärkte sich ihr Interesse für Kinderrechte deutlich, nachdem sie mehr und mehr über deren Verletzung und Vernachlässigung erfahren hatte. Ihre SOS-Mutter Ensharah und Islam, ihre Betreuerin im Jugendzentrum, ermutigten sie dabei. Islam, die bei SOS-Kinderdorf Palästina die offizielle Anlaufstelle für
Kinderrechte ist, empfahl ihr Bücher und weitere Ressourcen, um sich zu informieren. In ihrer Überzeugung ist sie ebenso leidenschaftlich wie Agnes. Und sie hat eine klare Botschaft für politische Entscheidungsträger: «Kinderrechte sollten nicht mit politischen Problemen vermischt werden. Es kann nicht sein, dass die Regierung Geld in anderen Bereichen investiert, während selbst die Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden.» Eines ist sicher: Haneen und Agnes stehen erst am Anfang ihres Weges und werden sich weiterhin für die Rechte von Kindern aus aller Welt einsetzen. Dabei können sie auch zukünftig auf die Unterstützung ihrer Bezugspersonen bei SOS-Kinderdorf zählen.

«Alle Kinder sollten gleichbehandelt werden, die gleichen Chancen haben und diese auch verteidigen können», Agnes, 12 Jahre

Im Video erzählt Haneen mehr von ihrer Motivation, sich für andere Kinder einzusetzen:

Inhaltsverantwortliche:

David Becker

Wenn ich Content in Wort und Bild erarbeite, begeistert mich das grosse Ganze und berühren mich die feinen Details.

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