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Strassenkinder in Pakistan

Die Anzahl Strassenkinder in Pakistan steigt auf 1,5 Millionen an. Gewalt, Missbrauch, Verschleppung und Krankheiten bedrohen täglich ihr Leben.
Immer mehr Minderjährige in Pakistan sind obdachlos: Die Zahl der Strassenkinder stieg auf 1,5 Millionen an. „Diese Kinder sind schutzlos Missbrauch, Schlepperbanden sowie Krankheiten ausgesetzt“, erklärt Erika Dittli, Leiterin internationale Programme von SOS-Kinderdorf Schweiz. „Sie werden körperlich missbraucht, ausgebeutet und kämpfen täglich ums Überleben. Das geht an keiner Kinderseele spurlos vorbei.“

Mehrere Mord- und Missbrauchsfälle hatten in den letzten Jahren bereits die mediale Aufmerksamkeit auf die prekäre Lage der Strassenkinder in den Grossstädten Pakistans gerichtet. Doch noch immer gibt es kein Gesetz oder ausreichendes Vorgehen der zuständigen Behörden zum Schutz der Kinder. „Das muss sich ändern! Wir können die Kinder nicht einfach ihrem Schicksal überlassen“, sagt Dittli. Denn rund 80 Prozent der minderjährigen Obdachlosen seien komplett auf sich allein gestellt: Einige hätten ihre Eltern niemals kennengelernt. Viele haben häusliche Gewalt erfahren und sind davongelaufen oder wurden von ihren Eltern bereits als Kleinkinder ausgesetzt, weil kein Geld da war, um sie zu versorgen. „Die restlichen 20 Prozent haben noch mindestens einen Elternteil, müssen aber ebenfalls auf der Strasse schuften, anstatt zur Schule zu gehen, weil die Familie das Geld zum Überleben braucht. Für einen Hungerlohn sammeln sie Müll, betteln oder putzen Windschutzscheiben von wartenden Autos an Ampeln. Viele von ihnen werden zudem von Verbrechern für kriminelle Tätigkeiten wie Diebstähle eingesetzt“, berichtet Dittli.

Den Strassenkindern fehle es nicht nur an Bildung und einem sicheren Zufluchtsort, sondern sie hätten auch keinen Zugang zu gesunder Nahrung, ärztlicher Versorgung oder Medizin. Besonders schwer sei es laut Dittli für die afghanischen Flüchtlingskinder, die vor dem Krieg in ihrem Land geflohen sind und nun etwa die Hälfte aller minderjährigen Obdachlosen in Pakistan ausmachen. „Die Kinder müssen gezählt und registriert werden und zudem einen sicheren Unterschlupf, Schulbildung und Medizin erhalten. Die Gemeinden und Behörden in Pakistan sollten für den Schutz dieser hilflosen Kinder sorgen sowie die Armut im Land mindern, damit Eltern sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern können“, so Dittli. „Wir nehmen in unseren SOS-Programmen so viele Kinder wie möglich auf und versorgen zudem bedürftige Gemeindemitglieder mit Lebensnotwendigem wie Trinkwasser oder Medizin. Aber unsere Kapazitäten sind angesichts hunderttausender Hilfesuchender begrenzt.“

In den insgesamt 15 Kinderdörfern, 11 Jugendzentren, 22 Schulen, 6 Berufsausbildungszentren sowie 3 medizinischen Einrichtungen hilft SOS-Kinderdorf seit 1975 Kindern und Jugendlichen in Pakistan. Darunter auch viele ehemals obdachlose Kinder, die nun durch SOS-Kinderdorf nicht nur ein sicheres Zuhause und eine neue Familie gefunden haben, sondern auch die Möglichkeit, etwas aus ihrem Leben zu machen.

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