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19.03.2019 Aktuelles Alle Kinderrechte Weitere Länder Häusliche Gewalt in Lateinamerika

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Jeden Tag sterben in Lateinamerika 220 Kinder durch Gewalt in der Erziehung

Während in den westlichen Industriestaaten Gewalt in der Erziehung gesellschaftlich immer weniger akzeptiert ist, sterben in Lateinamerika jeden Tag 220 Kinder an den Folgen. SOS-Kinderdorf zieht eine traurige Bilanz: Jedes zweite minderjährige Todesopfer häuslicher Gewalt weltweit stirbt in Lateinamerika. „Das sind alarmierende Zahlen, die in Europa die Nachrichtenseiten füllen würden, in Lateinamerika sind sie trauriger Alltag“, sagt Teresa Ngigi, Psychologin und Trauma-Expertin bei SOS-Kinderdorf.

Hinter den schweren Gewalttaten stecke eine patriarchalische Mentalität. Kinder müssten demnach mit Härte und Schlägen erzogen werden. „Das hat schwerwiegende Folgen für die Kinder. Für ihren Körper, ihre Psyche, ihre Zukunft, aber auch die Gesellschaft“, sagt Ngigi. Denn die Gewalt werde von Generation zu Generation weitergegeben. Und sie hat verheerende Folgen für die Kinder.„Die große Mehrheit der Opfer leidet unter Depressionen, Angst, Aggression und Konzentrationsstörungen“, sagt Ngigi. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewalt später zu Abhängigkeiten führt und dass diese Kinder später selbst Gewalt anwenden oder straffällig werden, ist extrem hoch.“

In Lateinamerika wird über die Misshandlungen meist hinweggesehen: „Wir gehen davon aus, dass in Mexiko sechs von zehn Kindern regelmäßig häusliche Gewalt erleben, in El Salvador und Chile sogar sieben von zehn“, sagt Ngigi. In Paraguay hielten mehr als die Hälfte aller Jungen und Mädchen Prügel gar für notwendig für ihre Entwicklung, und die Hälfte aller Mädchen in der Region erkläre, dass häusliche Gewalt für sie normal sei. Was diese Kinder noch nicht wissen: „Die Gewalt, die sie erfahren, wird lebenslange Narben hinterlassen“, sagt Ngigi.

Um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, brauche es vielfältige Maßnahmen: „ SOS-Kinderdorf nimmt als Kinderhilfswerk Einfluss auf die Regierungen, damit sie entsprechende Gesetze erlassen. Außerdem betreiben wir Anlaufstellen für betroffene Kinder, klären Eltern über die Folgen von Gewalt in der Erziehung auf und stehen ihnen beratend zur Seite“, sagt Ngigi.

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