Gemeinsam loslassen

23.03.2026 Betreuung & Schutz

Erwachsenwerden heisst, Verantwortung zu übernehmen – ein Schritt, der Mut erfordert. Für Bhima und Prem, die im SOS-Kinderdorf Surkhet in Nepal aufgewachsen sind, war dieser Übergang dank betreutem Wohnen ein Stück leichter. In den Wohneinrichtungen für junge Erwachsene finden sie Halt, Orientierung und die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen.

Ein neues Leben beginnt selten mit einem grossen Knall – manchmal reicht ein Umzugskarton. So war es für Bhima und Prem aus Nepal, die beide im SOS-Kinderdorf Surkhet aufgewachsen sind und als junge Erwachsene den mutigen Schritt in ein selbstständiges Leben wagten. Für Prem war der Umzug nach Kathmandu im Jahr 2020 der Beginn eines neuen Kapitels. Mit 16 Jahren zog er in eine betreute Wohneinrichtung für junge Erwachsene. Auch Bhima ging diesen Schritt – bereits ein Jahr vorher – und begann parallel ihr Pflegestudium. Beide waren aufgeregt, aber auch verunsichert. Der vertraute Alltag im SOS-Kinderdorf lag plötzlich hinter ihnen. Es galt, neue Routinen zu finden, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden – und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. «Ich musste mich an neue Menschen, neue Orte und einen Alltag ohne die direkte Unterstützung aus dem Dorf gewöhnen», erinnert sich Prem. Doch beide merkten schnell: Sie waren bereit. Schritt für Schritt lernten sie, ihren Alltag zu organisieren: vom Kochen über das Haushalten bis hin zum Umgang mit Geld.

Prem studiert heute Zahnmedizin und lebt eigenständig in Kathmandu. Neben dem Studium liest er viel und plant bereits, wie er künftig seine Gemeinschaft mit moderner, bezahlbarer Zahnpflege unterstützen kann. Bhima steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss in der Pflege. Sie möchte als Krankenschwester nicht nur im Krankenhaus helfen, sondern auch präventive Gesundheitsarbeit leisten – gerade in ländlichen Regionen, wo medizinische Versorgung oft fehlt oder der Zugang nur sehr beschwerlich ist. Doch der Weg dorthin war nicht immer leicht. Selbstorganisation, Studienstress, finanzielle Verantwortung und die emotionale Herausforderung des Loslassens forderten beide heraus. In diesen Momenten war die Unterstützung von SOS-Kinderdorf entscheidend. Neben finanzieller Hilfe erhielten sie vor allem emotionale Begleitung und wertvolle Lebenskompetenzen: Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten ihren Weg zu gehen. 

«SOS-Kinderdorf hat mir geholfen, Verantwortung zu übernehmen und mich auf das echte Leben vorzubereiten», erzählt Bhima. Für Prem war besonders wichtig, dass er in seiner SOS-Familie nicht nur Fürsorge, sondern auch Vertrauen in seine Fähigkeiten erfahren hat. Beide beschreiben Familie heute nicht in erster Linie biologisch, sondern als verlässliche Gemeinschaft, die trägt. Ihre Geschichten zeigen, wie junge Menschen mit der richtigen Unterstützung den Übergang in die Selbstständigkeit meistern – und dabei selbst zu Hoffnungsträgern für andere werden. Denn Bhima und Prem wollen nicht nur ihre eigenen Träume verwirklichen. Sie wollen zurückgeben an ihre Gemeinschaft und an die, die noch auf dem Weg sind.

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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