Hunger weicht Hoffnung

18.05.2026 Gesundheit

Als Letemedihin, 29, mit ihren neugeborenen Drillingen  vor dem Nichts stand, war jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Vertreibung, Hunger, Verlust und Einsamkeit hatten ihr die Kraft geraubt. Doch mit der Unterstützung durch SOS-Kinderdorf begann für ihre Kinder und sie eine Reise zurück ins Leben: Schritt für Schritt, Mahlzeit für Mahlzeit, getragen von Hoffnung, Wissen und neuer Selbstbestimmung.

Als der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray Letemedihin zur Flucht zwang, brach ihr Leben in sich zusammen. Die 29-jährige Mutter verlor ihr Zuhause, ihr kleines Restaurant, das sie mit Stolz geführt hatte, und das Ackerland, das einst ihre Familie ernährte. Ihr blieben nur Angst, Unsicherheit und die Verantwortung für vier Kinder, darunter die Drillinge Naod, Bitaniya und Aron. «Es gab Nächte, in denen ich die drei gleichzeitig stillte und wusste, dass es niemals reichen würde», erinnert sie sich. «Ich hörte sie vor Hunger weinen. Mein Herz zerbrach.»

In Mekelle, der Hauptstadt der Region Tigray, kämpfte Letemedihin jeden Tag. Allein, ohne Unterstützung ihres Mannes, der die Familie verlassen und den Kontakt abgebrochen hatte, und ohne die Möglichkeit zu arbeiten. Die Drillinge verloren rapide an Gewicht, der Umfang ihrer Oberarme war alarmierend gering. Sie waren still, kraftlos und weinten viel. Als Letemedihin in ihrer Not immer wieder um Hilfe bat, verwies die örtliche Verwaltung sie an SOS-Kinderdorf. Seit August 2024 erhält sie nun Unterstützung, die Ernährung, medizinische Versorgung, Erziehungskurse und Einkommensförderung umfasst. Für Letemedihin war es ein Wendepunkt: «Als SOS-Mitarbeitende mir sagten, dass sie helfen können, konnte ich zum ersten Mal wieder ein wenig atmen.»

Dieses Projekt hilft, folgendes UN-Nachhaltigkeitsziel zu erreichen:

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

 

Nach der medizinischen Versorgung begann die lebensrettende Unterstützung für die Drillinge: angereicherte Nahrungsmittel aus Mais und Soja, Speiseöl, drei Monate lang Kuhmilch, präzise abgestimmt auf ihre Bedürfnisse. Heute, kurz vor ihrem zweiten Geburtstag, haben die Drillinge ein gesundes Gewicht erreicht. Sie spielen und lachen wieder, rufen Mama und Roza (den Namen ihrer Tante). Wenn traditionelle Tigray-Lieder erklingen, tanzen sie ausgelassen und wippen im Takt. «Es macht mich so glücklich, ihre Stimmen und ihr Lachen zu hören», sagt Letemedihin. «So sollte Kindheit sein.» Letemedihin träumt davon, wieder ein Restaurant zu eröffnen. Dabei wird sie durch ihre Mitgliedschaft in einer Spar- und Leihgruppe sowie Startkapital von SOS-Kinderdorf unterstützt. «Ich habe gelernt, mich nicht als abhängig, sondern als fähig zu sehen. Ich will meinen Kindern ein Leben voller Möglichkeiten schenken.»

Auch im Alltag spürt sie neue Stabilität. Ein typischer Tag beginnt mit Frühstück für die Kinder, danach kümmert sie sich um die Planung ihres neuen Geschäfts. Nachmittags spielt sie mit den Drillingen oder sitzt mit ihrer Schwester Roza zusammen bei der traditionellen Kaffeezeremonie. Für die Zukunft wünscht sie sich Bildung, Sicherheit und Glück für ihre Kinder. Und sie ermutigt andere Eltern in ähnlichen Situationen: «Gebt nicht auf. Selbst in den schwersten Momenten kann euch eine unerwartete Chance begegnen.» Heute steht die Familie noch immer vor Herausforderungen, ist aber nicht mehr allein. Dank der Unterstützung von SOS-Kinderdorf ist die Familie gesund, hoffnungsvoll und hat wieder eine Perspektive.

Ihre Spende ermöglicht die Unterstützung unserer Arbeit, die Kindern und ihren Familien zugutekommt.

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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