Als der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray Letemedihin zur Flucht zwang, brach ihr Leben in sich zusammen. Die 29-jährige Mutter verlor ihr Zuhause, ihr kleines Restaurant, das sie mit Stolz geführt hatte, und das Ackerland, das einst ihre Familie ernährte. Ihr blieben nur Angst, Unsicherheit und die Verantwortung für vier Kinder, darunter die Drillinge Naod, Bitaniya und Aron. «Es gab Nächte, in denen ich die drei gleichzeitig stillte und wusste, dass es niemals reichen würde», erinnert sie sich. «Ich hörte sie vor Hunger weinen. Mein Herz zerbrach.»
In Mekelle, der Hauptstadt der Region Tigray, kämpfte Letemedihin jeden Tag. Allein, ohne Unterstützung ihres Mannes, der die Familie verlassen und den Kontakt abgebrochen hatte, und ohne die Möglichkeit zu arbeiten. Die Drillinge verloren rapide an Gewicht, der Umfang ihrer Oberarme war alarmierend gering. Sie waren still, kraftlos und weinten viel. Als Letemedihin in ihrer Not immer wieder um Hilfe bat, verwies die örtliche Verwaltung sie an SOS-Kinderdorf. Seit August 2024 erhält sie nun Unterstützung, die Ernährung, medizinische Versorgung, Erziehungskurse und Einkommensförderung umfasst. Für Letemedihin war es ein Wendepunkt: «Als SOS-Mitarbeitende mir sagten, dass sie helfen können, konnte ich zum ersten Mal wieder ein wenig atmen.»