Vom Überleben zum guten Leben

14.01.2026 Einkommensförderung

Armut, Gewalt und der Verlust ihres Vaters stellten Nkays Leben in Lesotho auf eine harte Probe. Sie kämpfte sich allein durch eine Krankheit, familiäre Konflikte und ihre Mutterschaft. Doch mit der Unterstützung von SOS-Kinderdorf und dem Ausbildungsprojekt in Leribe fand die junge Mutter eine neue Perspektive – heute ist sie eine erfolgreiche Modedesignerin, die für sich und ihren Sohn sorgen kann.

In den grünen Hügeln von Lesotho, einem der ärmsten Länder Afrikas, hat die 28-jährige Nkay gelernt, was es heisst, trotz widriger Umstände nie aufzugeben. Heute lächelt sie, wenn sie von ihrem Alltag in der Boutique Touch 2 Collections in Maputsoe erzählt. Hier entwirft und näht sie traditionelle und moderne Kleidung – ein Symbol ihrer Stärke und ihres Neuanfangs. Doch der Weg dorthin war lang und schmerzhaft. Als junge Frau musste Nkay die Schule abbrechen und trug allein die Verantwortung, ihren schwerkranken Vater zu pflegen, da ihre Mutter in einem anderen Bezirk lebt. Mit seinem Tod verlor Nkay nicht nur einen geliebten Menschen, sondern auch ihre wirtschaftliche Sicherheit. Die Familie ihres Vaters teilte seinen Besitz unter sich auf, und Nkay und ihre Mutter blieben mittellos zurück. «Ich fühlte mich hilflos und verlor jegliche Hoffnung», erinnert sie sich. In den folgenden Jahren wurde ihr Leben zu einem ständigen Überlebenskampf. Sie arbeitete in Südafrika als Reinigungskraft, doch eine schwere Krankheit zwang sie zur Aufgabe ihrer Stelle.

Zurück in Lesotho suchte sie verzweifelt nach einem Neuanfang – bis sie aus unerklärlichen Gründen von einem Nachbarn angegriffen und schwer verletzt wurde. Wochenlang kämpfte sie um ihre Genesung. «Ich hatte Schmerzen, konnte kaum sehen und fühlte mich allein», erzählt sie. Kurz darauf wurde ihr Sohn Chris geboren. Der  Vater des Kindes hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Trotz allem gab Nkay nicht auf. Dann wendete sich durch eine zufällige Begegnung ihr Schicksal. Bei einem Arztbesuch lernte sie die 25-jährige Barbie kennen, die dank des Ausbildungsprogramms von SOS-Kinderdorf in Leribe Schneiderei studierte. Inspiriert von deren Mut und Erfolg begann auch Nkay 2024 ihre Ausbildung in diesem Bereich. Ihr Leben veränderte sich grundlegend. Während der Ausbildung erhielt Nkay finanzielle Unterstützung, um eine Nanny für ihren Sohn zu bezahlen. «Es war nicht einfach, Mutter zu sein und gleichzeitig zu lernen, aber ich wusste, dass ich das alles für Chris tue», sagt sie. 

 

Sie lernte, Stoffe zuzuschneiden, Designs zu entwerfen und Kleidungsstücke mit Präzision zu fertigen. Noch im selben Jahr schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich ab: ein Meilenstein in einem Leben, das bis dahin von Entbehrung geprägt war. Heute steht Nkay auf eigenen Beinen. Sie arbeitet in einer Boutique, kann für ihren Sohn sorgen und sogar etwas sparen. Zusätzlich betreibt sie ein kleines Nebengeschäft, in dem sie Second-Hand-Kleidung verkauft. Eine Angestellte hilft ihr dabei, während sie selbst ihrer Arbeit in der Boutique nachgeht. Zu Hause verbringt sie ihre Abende mit Chris, der inzwischen zwei Jahre alt ist. Sie lesen gemeinsam, lachen viel und malen sich kleine Träume für die Zukunft aus. Für Nkay sind jede gemeinsame Mahlzeit und jedes Lächeln ihres Sohnes ein Zeichen dafür, dass sie es geschafft hat.

 

«Mein Ziel ist es, mein Geschäft zu vergrössern, mehr Kleidung und vielleicht auch Schuhe anzubieten. Denn mehr Ware bedeutet mehr Einkommen», verkündet sie mit einem stolzen Lächeln. Nkays Geschichte ist mehr als ein persönlicher Erfolg. Sie steht für viele junge Frauen in Lesotho, die trotz Armut, Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Hürden ihren Weg finden. Unser Ausbildungsprogramm vermittelt ihnen nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch Selbstvertrauen, Würde und Hoffnung. «Früher hatte ich Angst vor der Zukunft», sagt Nkay. «Heute weiss ich, dass ich für mich und mein Kind sorgen kann. Ich bin stolz – nicht nur auf das, was ich tue, sondern auf die Frau, die ich geworden bin.»

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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