Wie Musik Hoffnung schenkt

10.02.2026 Einkommensförderung

Wenn die Sonne über Pokhara untergeht und die Stadt im kräftigen Abendrot glüht, sitzt der 37-jährige Man Bahadur vor seinem Klavier. Seine Finger gleiten über die Tasten und jeder Ton trägt einen Hauch von Sehnsucht und Hoffnung. Obwohl er die Welt nicht mit seinen Augen sehen kann, nimmt er Geräusche umso besser wahr – und bereichert sie selbst mit Melodien. SOS-Kinderdorf war auf dem Weg für ihn und seine Familie eine grosse Unterstützung.

Musik als Lebensanker

Man Bahadur ist ein Musiker mit einer aussergewöhnlichen Gabe. Er spielt Klavier, Madal und Tabala (Handtrommeln), Flöte, Sarangi (ein Streichinstrument) sowie Harmonium – Instrumente, die für viele ein Leben lang eine Herausforderung bleiben, für ihn aber zu einer Sprache der Seele wurden. Seine Musik erzählt Geschichten von Stärke und Hingabe, von einem Mann, der die Dunkelheit nicht als Grenze, sondern als Bühne sieht.

Doch sein Weg war alles andere als leicht. Blindheit macht das Leben in Nepal zu einem täglichen Überlebenskampf. «Jeder Tag ist ein Kampf zwischen Überleben und Scheitern», erzählt Man Bahadur leise. Trotzdem steht er jeden Abend auf der Bühne eines Restaurants in Pokhara, spielt bis tief in die Nacht – und berührt mit seinen Melodien die Menschen vor Ort.

Schon als Kind spürte er die Kraft der Musik. Er lernte Tabala und Harmonium, entdeckte bald die Verwandtschaft der Töne und fand sich am Klavier wieder – dort, wo er heute zu Hause ist. Durch einen Freund begann er in einer Bar zu spielen. «Da wusste ich: Das ist es, was ich in meinem Leben tun will», erinnert er sich. Musik wurde sein Weg, sich selbst und seine Welt zu verstehen.

Ein Herz für Kinder – und SOS an seiner Seite

Als er die Möglichkeit bekam, Kinder im SOS-Kinderdorf Gandaki zu unterrichten, erfüllte sich für ihn ein Traum. Acht Monate lang brachte er den Kindern bei, wie man Madal, Klavier und Flöte spielt. Am Weltkindertag gaben sie ein Konzert – ein Moment, der für ihn zu einem seiner stolzesten wurde. «Ich habe gespürt, wie Musik ihre Augen zum Leuchten brachte. Da wusste ich, dass ich etwas bewirken kann.»

Auch für seine eigene Familie ist SOS-Kinderdorf eine Stütze geworden. Zuerst wurde sein Kind in der Kindertagesstätte aufgenommen, später folgte Bildungsunterstützung – Bücher, Uniformen, Schuhe und Taschen wurden der Familie finanziert. «SOS hat uns geholfen, Stabilität zu finden», sagt er dankbar.

Kraft aus Familie und Hoffnung

Man Bahadur lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem einzigen gemieteten Zimmer. Beide Eltern besitzen einen Behindertenausweis, und doch ist ihre Wohnung voller Leben. «Meine Familie ist meine grösste Motivation. Immer wenn ich an sie denke, bekomme ich Kraft.» Er träumt davon, seinen Kindern eines Tages ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein Leben voller Chancen, frei von Diskriminierung. Freunde beschreiben ihn als talentiert, stark und inspirierend. Auch wenn er sich manchmal ausgeschlossen fühlt, bleibt er unbeirrbar. Er glaubt an Respekt, Gleichheit und Menschlichkeit: Werte, die er mit jeder Note zum Ausdruck bringt. «Früher dachte ich, dass ich nichts erreichen kann», sagt er. «Heute weiss ich, dass ich unabhängig leben und meine Familie unterstützen kann. Diese Erkenntnis habe ich auch dank der Hilfe von SOS-Kinderdorf gewonnen.» 
 

Und während seine Finger weiter über die Tasten tanzen, trägt seine Musik die Botschaft eines Mannes hinaus in die Welt: Er kann das Licht nicht sehen, aber er kann es erschaffen.

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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