Wie stärken wir Ernährungssicherheit?

07.04.2026 Gesundheit

Dürren, Überschwemmungen, Konflikte und steigende Lebensmittelpreise bedrohen weltweit die Ernährungssicherheit von Millionen Kindern und ihren Familien. Wir sprechen mit unserem Programmteam darüber, wie wir diesen Herausforderungen begegnen.

Prävention, Unterstützung und nachhaltige Entwicklung für Ernährungssicherheit

Ernährungssicherheit bedeutet mehr als ausreichend Nahrung. Es geht um Zugang zu qualitativ hochwertigen, nährstoffreichen Lebensmitteln, heute und in Zukunft. Deshalb verbinden wir drei zentrale Ansätze:

1. Prävention und Sensibilisierung

Wir stärken gesunde Ernährungsgewohnheiten von Anfang an. Dazu gehören Aufklärung über ausgewogene Ernährung sowie die Bedeutung des Stillens. Durch gezielte Sensibilisierung fördern wir langfristige Verhaltensänderungen in Familien und Gemeinden.

2. Unterstützung in akuten Notlagen

In Krisensituationen helfen wir besonders bedürftigen Haushalten zeitlich begrenzt mit Nahrungsmitteln. Diese Unterstützung sichert das unmittelbare Überleben und schafft Spielraum, um wieder Perspektiven aufzubauen.

3. Nachhaltige Entwicklung und Eigenständigkeit

Langfristig setzen wir auf klimaangepasste Landwirtschaft, Einkommensförderung und lokale Strukturen. Familien sollen ihre Ernährung dauerhaft selbst sichern können.
 

Dieses Projekt hilft, folgendes UN-Nachhaltigkeitsziel zu erreichen:

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Klimaresiliente Landwirtschaft als Schlüssel

Viele der Länder, in denen wir tätig sind, sind stark vom Klimawandel betroffen. Deshalb fördern wir gezielt Methoden, die Ernten auch unter schwierigen Bedingungen sichern:

  • Modernisierung traditioneller Techniken wie Zaï-Löcher
  • Tröpfchenbewässerung und Folientunnel für effizienten Wassereinsatz
  • Agroforstwirtschaft, die Böden schützt und Mikroklimata verbessert
  • Anbau standortgerechter, widerstandsfähiger Gemüsesorten

Ergänzend unterstützen wir Hausgärten und Nutztierhaltung, auch von Kleinvieh. Der Zugang zu veterinärmedizinischen Leistungen verbessert die Tiergesundheit und stabilisiert Einkommen. So stärken wir sowohl die Eigenversorgung als auch die wirtschaftliche Basis der Familien.

Einkommensförderung und lokale Infrastruktur

Ernährungssicherheit ist eng mit Einkommen verbunden. Wenn Eltern wirtschaftlich abgesichert sind, verbessert sich nachweislich die Qualität und Quantität der Ernährung ihrer Kinder.
Deshalb fördern wir:

  • Spar- und Leihgruppen, die finanzielle Resilienz aufbauen
  • Kooperativen, die gemeinschaftlich Wasserpumpen, Mühlen oder veterinärmedizinische Apotheken betreiben
  • Initiativen zur Herstellung biologischer Pflanzenschutzmittel, um Abhängigkeiten zu reduzieren
  • Verarbeitung und verbesserte Lagerung landwirtschaftlicher Produkte, damit Erzeugnisse zu besseren Preisen verkauft werden können

Bildung und Multiplikation von Wissen

Nachhaltige Veränderungen brauchen Wissen. Wir arbeiten eng mit Landwirtschaftsschulen und Hochschulen zusammen, richten Modellbetriebe ein und bilden sogenannte Promotor:innen aus. Diese geben ihr Wissen an andere Gemeindemitglieder weiter: ein Multiplikationseffekt, der weit über einzelne Projekte hinausreicht.

Besonders gefährdete Familien im Fokus

Im Mittelpunkt stehen Familien, die von Armut, Krisen oder struktureller Benachteiligung betroffen sind und keinen verlässlichen Zugang zu gesunden Lebensmitteln haben. Gezielt unterstützen wir zudem Haushalte mit Zugang zu Land, vom kleinen Hausgarten bis zum kleinbäuerlichen Betrieb. Mit Schulungen, Inputs und organisatorischer Begleitung stärken wir ihr Potenzial zur Eigenproduktion. Ein besonderes Augenmerk gilt benachteiligten Müttern. Studien zeigen: Frauen investieren verfügbare Mittel häufig prioritär in das Wohl ihrer Kinder und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Ernährungssicherheit.

Nachhaltigkeit durch lokale Verankerung

Unsere Massnahmen sind darauf ausgelegt, auch nach Projektende weiterzuwirken. Das erreichen wir durch:

  • langfristige Verhaltensänderung durch Sensibilisierung 
  • Berufs- und Einkommensförderung
  • Ausbildung lokaler Führungspersonen und Gruppen
  • enge Zusammenarbeit mit Behörden und Bildungseinrichtungen
  • Anpassung an lokale Bedürfnisse, Wissen und Traditionen

Gemeinden und lokale Partner werden von Beginn an in Planung und Umsetzung einbezogen. Dieser partizipative Ansatz stärkt Akzeptanz, Eigenverantwortung und die institutionelle Verankerung erfolgreicher Massnahmen.

Länderspezifische Herausforderungen – gemeinsame Antworten

Ob Dürren und Desertifikation im Niger, Konflikte und Binnenvertreibung in Äthiopien, begrenzte Anbauflächen in Lesotho, abgelegene Bergregionen in Nepal oder klimatische Extreme im Trockenkorridor Nicaraguas, die Herausforderungen unterscheiden sich.

Doch übergreifende Erfolgsfaktoren zeigen sich überall:

  • effizienter Umgang mit Wasser
  • Förderung klimaangepasster Tierrassen
  • Steigerung der lokalen Wertschöpfung
  • Einbezug traditioneller Wissenssysteme und Solidaritätsstrukturen

Lernen über Grenzen hinweg

Der Austausch zwischen Projekten in verschiedenen Ländern findet bereits statt, etwa zwischen Nepal und Äthiopien. Sprachliche Barrieren und geografische Distanzen erschweren jedoch den Wissenstransfer. Unser Ziel ist es, bewährte Ansätze künftig systematischer zu dokumentieren und länderübergreifend nutzbar zu machen, damit erfolgreiche Lösungen noch mehr Familien zugutekommen.

Ernährungssicherheit entsteht nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von Wissen, Ressourcen, lokaler Verantwortung und langfristiger Perspektive. Genau hier setzen wir an, gemeinsam mit den Familien und Gemeinden vor Ort.
 

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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